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Wirtschaft Weihnachtsgeld: Wer bekommt wie viel?
Nachrichten Wirtschaft Weihnachtsgeld: Wer bekommt wie viel?
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17:10 12.11.2016
Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer (55 Prozent) bekommt in diesem Jahr ein tarifliches Weihnachtsgeld.  Quelle: dpa
Düsseldorf

Ende November freuen sich Arbeitnehmer besonders auf ihren Gehaltszettel. Mehrere hundert Euro extra, ein halbes oder sogar ein ganzes Monatsgehalt zusätzlich stehen auf der Abrechnung: Weihnachtsgeld. Der Zuschlag fällt dieses Jahr oft höher aus als im Vorjahr, denn dank der boomenden Wirtschaft gab es 2016 in mehreren Branchen kräftige Tarifzuschläge – und das Weihnachtsgeld wächst meist mit. Zudem holt der Osten auf. Deutlich mehr Tarifbeschäftigte dort bekommen nun ebenfalls die Leistung.

Wer bekommt Weihnachtsgeld?

Insgesamt mehr als jeder zweite Beschäftigte – 55 Prozent. Die Chancen steigen deutlich bei Tarifbeschäftigten, die zu 71 Prozent eine Sonderzahlung erhalten im Gegensatz zu Beschäftigten in nicht-tarifgebundenen Betrieben mit nur 44 Prozent. Das ergibt sich aus der alljährlichen Online-Umfrage des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die einen sehr guten Überblick über tarifliche Leistungen bundesweit hat.

  • Frauen erhalten seltener Weihnachtsgeld als Männer. Bei den Frauen sind es 51 Prozent, bei den Männern dagegen 57 Prozent.
  • Beschäftigte mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen zu 56 Prozent ein Weihnachtsgeld, befristet Beschäftigte nur zu 49 Prozent.
  • Mitglieder einer Gewerkschaft sind deutlich im Vorteil: 62 Prozent von ihnen erhalten Weihnachtsgeld, Nichtmitglieder dagegen nur zu 53 Prozent.

Hinzu kommen noch freiwillige Gratifikationen der Arbeitgeber von teils mehreren tausend Euro etwa in der Autoindustrie oder Erfolgsprämien, die nicht tariflich festgelegt sind.

Um wie viel Geld geht es dabei insgesamt?

Das lässt sich nur schätzen. Der Tarif- und Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Christoph Schröder, spricht von bundesweit rund 50 Milliarden Euro – eine gewaltige Summe. Dennoch sei das Weihnachtsgeld oder 13. Jahresgehalt im Arbeitgeberlager unumstritten. Allerdings bevorzugten Arbeitgeber erfolgsabhängige Komponenten bei der Berechnung, so dass sie in schlechten Jahren mit Senkungen der Leistung einen Puffer gewinnen.

Wer hat dieses Jahr mehr im Portemonnaie?

Alle, die tariflich mehr Geld bekommen und bei denen das Weihnachtsgeld sich prozentual am Gehalt orientiert. Das reicht von 1,5 Prozent mehr für Banker über 2 Prozent Plus in der Druckindustrie, 2,1 Prozent im Versicherungsgewerbe, 2,3 Prozent in der Eisen- und Stahlindustrie, 2,8 Prozent in der Metall- und Elektrobranche, bis zu 3 beziehungsweise 5,5 Prozent Zuwachs in der chemischen Industrie Nordrhein und Ost. Auch der öffentliche Dienst ist dabei. Insgesamt wächst das Weihnachtsgeld um 2,5 bis 3 Prozent.

Ostdeutsche weiterhin deutlich im Nachteil

Bei der Zahlung von Weihnachtsgeld sind Ostdeutsche im Vergleich zu ihren Kollegen im Westen weiterhin deutlich im Nachteil. Laut einer Online-Umfrage für die Hans-Böckler-Stiftung erhielten im vergangenen Jahr in Ostdeutschland 45 Prozent der Beschäftigten die Sonderzahlung, in Westdeutschland 57 Prozent. Bundesweit erhielten insgesamt 55 Prozent aller Beschäftigten Weihnachtsgeld. Aber der Osten holt auf: 2015 bekamen nur 40 Prozent der Ost-Beschäftigten die Leistung.

 

Was ist mit denen, die leer ausgehen?

Die können erst mal nichts machen. Das Weihnachtsgeld ist grundsätzlich eine freiwillige Leistung. Jedoch schauen Arbeitnehmer bei ihren Bewerbungen natürlich auch auf die Sozialleistungen der Unternehmen. Mit zunehmendem Fachkräftemangel dürften Angebote wie ein Weihnachtsgeld als Lockmittel für hoch qualifizierte Beschäftigte in den nächsten Jahren noch wichtiger werden.

Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf Weihnachtsgeld

Arbeitnehmer haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld. „Ein Anspruch kann sich nur aus einem Tarifvertrag, aus dem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben“, erklärt Matthias Beckmann vom Rechtsschutz des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Allerdings kann eine sogenannte betriebliche Übung einen Anspruch auf die Sonderzahlung ergeben.

Sie entsteht, wenn der Arbeitgeber über einen längeren Zeitraum seinen Angestellten eine solche Leistung wiederholt auszahlt. Der Mindestzeitraum betrage drei Jahre, erklärt Beckmann. Gibt es das Weihnachtsgeld in Form einer Sonderzahlung, ist die Höhe egal – entscheidend ist die regelmäßige Wiederholung. Die Arbeitnehmer sollen darauf vertrauen dürfen, dass ihnen die Leistung auch in Zukunft gewährt wird. Weist der Arbeitnehmer allerdings jedes Mal auf die Freiwilligkeit hin, kann er das Entstehen einer betrieblichen Übung verhindern.

„Grundsätzlich gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz“, betont der Experte. Demnach dürfen Arbeitgeber einzelne Beschäftigte nicht einfach von der Zahlung ausnehmen. Etwas anderes gelte, wenn es einen sachlichen Grund für eine Ungleichbehandlung gebe. Unterschiedliche Betriebszugehörigkeiten oder Vergütungsmodelle können hier eine Ausnahme rechtfertigen.

Was machen die Beschäftigten mit dem Geld?

 Das hängt davon ab, wie viel Geld sie ohnehin haben, sagt der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck: Wer weniger verdient, gebe das Geld überwiegend „alltagsnah“ aus – das heißt, kauft Produkte für den täglichen Gebrauch und natürlich Weihnachtsgeschenke. Teils werde das Geld auch für die Altersvorsorge genutzt oder für den nächsten Urlaub aufs Sparbuch gelegt. Jedenfalls sei das Weihnachtsgeld bei den allermeisten Menschen schon fest eingeplant.

Spürt der Handel etwas davon?

Ja. „Die Händler merken immer, wenn es Geld gibt“, sagt Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), „und wenn es doppelt Geld gibt, besonders“. Viele Händler verdienen einen Großteil ihrer Erlöse in der Weihnachtszeit – etwa im Buchhandel. Und auch für teurere Produkte wie hochwertige Kleidung oder Fernseher und Unterhaltungselektronik sitzt den Käufern dank des 13. Gehalts vor Weihnachten das Geld lockerer in der Tasche als sonst.

Von dpa/RND/wer

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