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Wirtschaft Von bio bis billig: Das sind die besten Windeln
Nachrichten Wirtschaft Von bio bis billig: Das sind die besten Windeln
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22:23 23.06.2018
Mit maritimem Anstrich: Das Design der Windeln spielt für viele Mütter und Väter eine immer entscheidendere Rolle. Quelle: Lillydoo
Hannover

 Paare, die gerade ein Kind bekommen haben, stehen vor allerlei Herausforderungen. Zu den wohl dringlichsten gehört, die richtige Windel für ihr Kind zu finden. Angesichts des großen Angebots fällt die Entscheidung nicht immer leicht. Gut zwanzig Windelmarken füllen die Regale in deutschen Drogeriemärkten und Discountern. Hinzu kommen alternative Wickelsysteme und Windelabonnements aus dem Internet. Von teuer bis günstig, von Hightech bis Bio, vom Wegwerfprodukt bis zur Stoffwindel – es gibt etliche Lösungen. Einfach die erstbeste zu wählen kann fatale Folgen haben, wie alle Mütter und Väter wissen, die schon einmal mit ausgelaufenen Windeln, wunden Popos oder einschneidenden Bündchen zu tun hatten. Die Wahl will also gründlich überlegt sein, immerhin sind es im Durchschnitt 6000 Windeln, die Eltern ihrem Kind anlegen, bis es schließlich gelernt hat, aufs Klo zu gehen.

Die Grundsatzfrage: Einwegwindel oder Stoffwindel?

Als Erstes müssen werdende Eltern grundlegend entscheiden, wie ihr Nachwuchs gewickelt werden soll – ob mit Wegwerfwindeln oder dem Pendant aus Stoff? Egal, wie die Antwort ausfällt, sie sollte möglichst schon vor der Geburt feststehen. Eine Wickelgrundausstattung ist das A und O im Hause künftiger Mütter und Väter. 90 Prozent der deutschen Eltern greifen dabei zur Einwegwindel. „Das Wickeln geht damit einfacher und schneller, außerdem halten Wegwerfwindeln besser trocken“, erklärt Andrea Hagen-Herpay vom Deutschen Hebammen-Verband. Der große Nachteil aber ist: Die mit Plastik umhüllten Wegwerfwindeln sind nicht kompostierbar und verursachen einen gewaltigen Müllberg. Nach Angaben des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) machen sie in manchen Gemeinden bis zu 10 Prozent des Restmülls aus. Wer das mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, wickelt sein Kind daher mit Stoffwindeln, so wie es hierzulande üblich war, bis 1973 die erste Pampers den deutschen Markt eroberte. Stoffwindeln sind zwar nicht ganz so saugstark und praktisch wie Papierwindeln, aber häufig hautfreundlicher – ob sie am Ende jedoch ökologischer sind, ist umstritten, denn wer sie nutzt, hat eine Waschmaschine (und womöglich auch einen Trockner) im Dauereinsatz und verbraucht viel Wasser und Strom.

Ob Stoffwindeln umweltfreundlicher sind, ist unter Experten umstritten. Quelle: iStock

Große Vielfalt, große Unterschiede

Den meisten Eltern geht es beim Thema Windeln weniger um die Umwelt als um ihr Kind. Sie möchten, dass es möglichst sauber und trocken durch den Tag und die Nacht kommt, gleichzeitig soll das Wickeln möglichst wenig Zeit kosten und ebenso wenig Arbeit machen. Kein Wunder also, dass die Wegwerfwindel meist erste Wahl ist – zumal sie sich seit ihrer Erfindung im Jahr 1961 durch den Amerikaner Victor Mills, dem damaligen Direktor des Konzerns Procter & Gamble, zu einem federleichten Hightech-Produkt mit ausgeklügeltem Innenleben entwickelt hat. Ob Rossmann, Rewe oder Real, ob Aldi, Lidl oder dm – etliche Drogerie- und Supermärkte haben mit Marken wie Babydream, Vibelle oder Toujours ihre eigenen Windeln im Angebot. Hinzu kommt ein knappes Dutzend weiterer Firmen, deren Windeln im stationären Handel oder im Internet erhältlich sind. Die Unterschiede bei Qualität, Preis und Design sind mitunter groß. Die Monopolstellung im deutschen Markt hat die Firma Pampers. „Zwei Drittel der Haushalte mit Kind kaufen Pampers“, sagt Konzern-Sprecherin Steffi Speisebecher. Die Windeln des US-Herstellers sind im Vergleich zu denen vom Discounter allerdings einigermaßen teuer. Hebamme Andrea Hagen-Herpay rät Eltern, mehrere Marken auszuprobieren: „Anfangs, wenn das Kind noch nicht so viel pinkelt, kann man ruhig eine günstige Windel nehmen. Später, wenn die Windel mehr leisten muss, benötigt man ein hochwertigeres Produkt.“

Nach Berechnungen der Zeitschrift „Öko-Test“ geben Eltern fast 1200 Euro für Windeln aus, bis ihr Nachwuchs keine mehr braucht. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass neben Trockenheit, Hautverträglichkeit und Passform der Preis beim Kauf eine entscheidende Rolle spielt.

Die Windel als Statussymbol

Vielen Eltern geht es beim Windelkauf allerdings längst nicht mehr nur um das Preis-Leistungs-Verhältnis. Immer wichtiger sind heute auch die Materialien, der Markenname und das Design. Unter ehrgeizigen Übereltern ist aus dem Griff zur Windel eine Glaubensfrage geworden – wer einfach zum nächstbesten Produkt aus dem Supermarkt greift, wer nicht unterschiedliche Sorten und Größen für tagsüber, nachts und unterwegs im Repertoire hat, wer nicht beim leisesten Anzeichen eines wunden Popos die Marke wechselt, macht sich als Rabenmutter verdächtig. Im Trend liegen dabei vor allem Biowindeln, die frei von jeglichen Chemikalien, Duftstoffen und Lotionen sind und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Ob von Moltex, Naty oder Lillydoo – auf den Kompost werfen kann man die Ökowegwerfwindeln zwar nicht, umweltfreundlicher und hautschonender sind sie nach Meinung von Experten aber allemal. Auch optisch können Biowindeln inzwischen punkten: „Das sind nicht mehr so kackbraune Ökowindeln wie früher, heute legt man viel Wert auf Design“, sagt Hebamme Andrea Hagen-Herpay. Das Auge wickelt schließlich mit.

Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich auch Windelabonnements im Netz. „Da die Eltern von heute nicht nur anspruchsvoll, sondern auch viel beschäftigt sind, kann man unsere Windeln per Klick bestellen und an die Haustür liefern lassen“, sagt etwa Gerald Kullack, Geschäftsführer des Aboanbieters und Windelherstellers Lillydoo. Verschiedene Windeln im Abo gibt es auch bei Amazon Family. Bequemer geht Windeln kaufen tatsächlich kaum.

Hightech in der Windel

Ob von der Marke Pampers, Huggies oder Babydream: Eine Windel besteht heutzutage aus 30 verschiedenen Komponenten. Neben Topsheet, Trockenheitslage und Verteilervlies ist es vor allem der in den Achtzigern erfundene Superabsorber im Windelkern, der dafür sorgt, dass eine 30 Gramm schwere Windel das Mehrfache ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufsaugen kann. Gemeint sind kleine weiße Kügelchen aus Natriumpolyacrylat, die enorm viel Wasser speichern und zu einem Gel verwandeln. Den Herstellern zu Folge ist das Kunststoffgranulat „absolut unbedenklich“ für die zarte Babyhaut. Manche Eltern und Hebammen beklagen jedoch, dass gerade Neugeborene mit kleinen Pickeln oder gar einer Pilzinfektion auf die Windelchemie reagieren.

Zum Standard bei Erstlingswindeln gehört inzwischen auch der Urinindikator, ein dünner Streifen auf dem Außenvlies, der die Farbe wechselt, sobald das Baby gepinkelt hat. Als weiterer technischer Fortschritt gilt die Luftkanaltechnologie, wie sie die Firma Pampers seit Februar 2018 in ihren Windeln nutzt: „Die Luftkanäle lassen die Luft in der Windel zirkulieren, wodurch Sauerstoff an den empfindlichen Babypopo gelangt. So bleiben Babys bis zu zwölf Stunden trocken – das ist vor allem nachts von Vorteil“, sagt Pampers-Sprecherin Steffi Speisebecher.

Von Sophie Hilgenstock/RND

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