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Wirtschaft Diess: Volkswagen muss anständiger werden
Nachrichten Wirtschaft Diess: Volkswagen muss anständiger werden
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13:46 03.05.2018
VW-Hauptversammlung in Berlin: VW-Chef Herbert Diess (l.) und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Quelle: AP
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Berlin

Die Folgen der Diesel-Krise lassen den VW-Konzern nicht los. „Volkswagen muss ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden“, sagte Herbert Diess vor mehreren Tausend Aktionären auf der Hauptversammlung in Berlin. Regelverstöße gebe es überall, bei VW aber „bis in die jüngere Vergangenheit hinein eindeutig zu viel davon“. Der kulturelle Wandel im Unternehmen müsse noch intensiver vorangetrieben werden.

Unter dem neuen Konzernchef Herbert Diess findet am Donnerstag die Hauptversammlung von Volkswagen in Berlin statt.

Viele Aktionäre vermissen aber noch den Beweis dafür. So wurde Aufsichtsratschef Hans Dieter Poetsch massiv angegriffen, weil er in den Skandaljahren lange Zeit Finanzchef war. „Zu einem Neuanfang gehört ein wirklich unabhängiger Aufsichtsratsvorsitzender – Herr Poetsch, Sie sind das nicht”, sagte Winfried Mathes von der Fondsgesellschaft Deka Invest. Der Antrag eines Kleinaktionärs, Poetsch als Versammlungsleiter abzuwählen, fand allerdings kaum Zustimmung. Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS kritisierte, dass die Aufklärung des Diesel-Skandals „nur noch bedingt vorangetrieben” werde. Offenbar sei auch der aus den USA als Aufpasser entsandte „Monitor“ Larry Thompson mit den Fortschritten nicht zufrieden. Im Aufsichtsrat gebe es praktisch keine unabhängigen Stimmen mehr

Diess, der erst vor drei Wochen berufen wurde, dankte unter dem Applaus der Aktionäre ausdrücklich seinem Vorgänger Matthias Müller, der die Führung bei Ausbruch des Diesel-Skandals übernommen hatte. Diess treibt den Elektroantrieb voran, brach in Berlin aber auch eine Lanze für den Dieselmotor: „Volkswagen muss vorangehen, wenn es um die Diesel-Technologie an sich geht.“ Schließlich habe der Konzern dazu beigetragen, dass dieser „umweltfreundliche und effiziente Antrieb – ungerechtfertigterweise – in Verruf geraten ist“. In Deutschland habe der Konzern freiwillig bereits 2,2 Millionen Euro-5-Diesel mit neuer Software nachgerüstet. Weitere Maßnahmen seien unterwegs, die den Stickoxidausstoß insgesamt um ein Drittel senken sollen. Die Nachrüstung der vom Diesel-Skandal betroffenen Autos sei in Deutschland inzwischen zu 94 Prozent abgearbeitet.

Rekordabsatz trotz Diesel-Skandal

Geschäftlich spürt der Konzern die Krise kaum noch. Das vergangene Jahr brachte einen Rekordabsatz von 10,7 Millionen Autos weltweit, der Konzern verdiente fast 12 Milliarden Euro, und die Dividende wird auf 3,96 Euro je Vorzugsaktie nahezu verdoppelt. Ulrich Hocker vom Aktionärsverein DSW erwartet mittelfristig allerdings eher das Doppelte.

Diess will den Konzern schneller und beweglicher machen. Dazu gehört neben der Aufteilung der Marken in mehrere Gruppen offenbar auch die Abspaltung von Randgeschäften. Die Motorradmarke Ducati, der Antriebstechnik-Spezialist Renk, der auch ein Werk in Hannover hat, und der Motorenbauer MAN Diesel&Turbo seien „Nicht-Kerngeschäfte“, sagte Diess. Für sie würden „belastbare Zukunftsperspektiven erarbeitet“. Das könnten Wachstumsstrategien, aber auch Ausgliederungen sein.

Proteste von Greenpeace

Greenpeace protestierte am Rande der Hauptversammlung von Volkswagen in Berlin. Quelle: imago

Am Rande der Hauptversammlung kam es zu Protesten der Umweltschützer von Greenpeace. „VW: Sauber werden!“ forderten die Umweltschützer. Zweieinhalb Jahre nach Beginn des Dieselskandals habe der Konzern den Abgasbetrug noch immer nicht vollständig aufgeklärt. Gleichzeitig plane das Unternehmen den Ausstieg aus Diesel und Benziner langsamer, als es deutsche und internationale Klimaziele nötig machten, kritisierte Greenpeace. „Herbert Diess muss bei VW endlich ein Großreinemachen anstoßen“, sagt Greenpeace-Sprecher Niklas Schinerl laut einer Mitteilung. „Der Konzern muss schneller auf saubere Formen der Mobilität umstellen und schon heute das Ende des Verbrennungsmotors einleiten.“

Von Stefan Winter/RND

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