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15:51 27.12.2016
Aufwendige Flaschengärung: In solchen Regalen wird vorsichtig die Gärhefe aus dem Sekt in den Flaschenhals gerüttelt und dort als Pfropf entfernt. Quelle: dpa
Wiesbaden

Man könnte zu Silvester noch schnell eine Kurzreise buchen. Oder das Geld in Champagner investieren – wohlgemerkt in eine einzige Flasche: Knapp 2000 Euro kosten 0,75 Liter des 1996er Clos d’Ambonnay von Krug. Trauben von einem winzigen Weinberg, exklusive Handarbeit bei der Herstellung, das alles hat eben seinen Preis. Mit so einem edlen Tropfen aufs neue Jahr anzustoßen können (oder wollen) sich die wenigsten leisten. Aber der Trend ist deutlich: Die Deutschen greifen bei Champagner, Sekt und deren Artverwandten derzeit auffällig häufig zu Premiumprodukten.

Ralf Peter Müller, Geschäftsführer des Deutschen Sektverbands, führt das auf die relativ gute Konjunktur zurück. Bei Sekthersteller Henkell & Co hat man noch eine andere Erklärung: die niedrigen Zinsen. „Wenn Sparen nicht so viel Sinn hat, wollen die Menschen ihr Geld für Genuss ausgeben“, meint Firmensprecher Andreas Brokemper. Um 5,6 Prozent stieg im vergangenen Jahr der Umsatz mit Premium-Schaumweinen der Henkell-Gruppe, in diesem Jahr wird Ähnliches erwartet.

Der Marktführer im deutschen Sektmarkt, Rotkäppchen-Mumm, reagiert auf den Trend mit einem Ausbau der aufwendigeren Flaschengärung. In früheren Jahren verkaufte Rotkäppchen-Mumm eine Million Flaschen vom Sekt aus Verfahren, nach dem auch Champagner hergestellt wird – jetzt sind es schon drei Millionen, Tendenz steigend.

Und der Originalchampagner aus dem gleichnamigen Anbaugebiet in Frankreich hat noch einen weiteren Konkurrenten bekommen. Spitzen-Sommeliers und Weinliebhaber bevorzugten immer häufiger den Winzersekt, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Wie beim Champagner wird dafür der Grundwein aus den eigenen Weinbergen für eine zweite Gärung mit Zucker und Hefe in Flaschen gefüllt, um Kohlensäure zu entwickeln. Frühestens 15 Monate später rüttelt der Kellermeister die Hefe in den Flaschenhals. Dann wird der Hals in ein Kältebad getaucht und der gefrorene Hefepropfen entfernt. Das Ergebnis ist fruchtiger als Champagner – und vor allem deutlich günstiger. Ein guter Winzersekt ist für 10 bis 15 Euro zu haben, und laut Sektverbandschef Müller bekommt man dafür ein Spitzenprodukt: „Die Aromen müssen sich keinesfalls hinter Champagner verstecken.“

Von Gitta Keil

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