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Wirtschaft Tag der Arbeit: Gewerkschaften fordern höheres Rentenniveau
Nachrichten Wirtschaft Tag der Arbeit: Gewerkschaften fordern höheres Rentenniveau
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14:19 01.05.2017
Nach Polizeiangaben nahmen rund 1.500 Besucher an der Kundgebung zum Tag der Arbeit teil. Quelle: dpa
Gelsenkirchen

Am Tag der Arbeit haben die Gewerkschaften einen Kurswechsel in der Renten- und in der Gesundheitspolitik gefordert. Die Rente müsse „im Alter für ein Leben in Würde“ reichen, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Rainer Hoffmann, bei der zentralen Maikundgebung in Gelsenkirchen. Die Krankenkassenbeiträge müssten wieder von Beschäftigten und Arbeitgebern in gleicher Höhe finanziert werden.

Auch Verdi-Chef Frank Bsirske forderte höhere Altersrenten. „Die Talfahrt des Rentenniveaus muss gestoppt und das Rentenniveau wieder auf etwa 50 Prozent angehoben werden“, sagte er bei der Maikundgebung in Wuppertal. „Deutschland ist ein reiches Land, aber viele Menschen darin werden immer ärmer. Das ist ungerecht und unsozial.“ Bsirske forderte unter anderem einen höheren Bundeszuschuss zur Rentenversicherung.

„Wir brauchen eine Stabilisierung des Rentenniveaus“

Unterstützung bekamen die Gewerkschaften von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). „Wir brauchen endlich eine Stabilisierung des Rentenniveaus“, sagte Nahles bei der Kundgebung in Gelsenkirchen. Wer jahrelang gearbeitet habe, müsse im Alter mehr erhalten als nur die Grundsicherung. Deshalb müsse es eine „Mindestrente für alle, die Jahrzehnte lang eingezahlt habe“ geben. Nahles hat sich außerdem für ein Recht auf Ausbildung ausgesprochen. Es sei erforderlich, damit auch perspektivisch betrachtet, alle Jugendliche einen Ausbildungsplatz bekommen, sagte sie am Montag. Nach Polizeiangaben nahmen rund 1.500 Besucher an der Kundgebung zum Tag der Arbeit teil. Bundesweit stehen die Maikundgebungen unter dem Motto „Wir sind viele. Wir sind eins“.

DGB-Chef Reiner Hoffmann warnte davor, sich von der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt blenden zu lassen. Auch wenn mit 32 Millionen Bürgern ein Höchststand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit der deutschen Einheit erreicht sei, gebe es 2,5 Millionen Arbeitslose und sieben Millionen Menschen im Niedriglohnsektor mit weniger als 9,60 Euro Stundenlohn.

Zahl der befristeten Arbeitsverträge auf Rekordniveau

Er bezeichnete es als „Skandal“, dass Frauen im Durchschnitt 20 Prozent weniger verdienten als Männer. Damit Frauen nach Teilzeit- wieder in Vollzeittätigkeit zurückzukehren könnten, sollten die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen noch in dieser Legislaturperiode geschaffen werden, betonte Hoffmann.

Zudem prangerte der DGB-Vorsitzende an, dass die Zahl der befristeten Arbeitsverträge auf Höchstniveau liege. Heute gebe es davon über 2,5 Millionen, damit habe sich die Zahl in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht. Betroffen seien vor allem junge Leute. „Arbeitgeber fordern ständig sichere Rahmenbedingungen für ihre Geschäfte, aber ihren Beschäftigten verweigern sie diese Sicherheit.“ Hoffmann appellierte an die Arbeitgeber, „endlich mit dem Befristungswahn“ aufzuhören.

Hoffmann kritisiert „Tarifflucht von Unternehmen“

Er beklagte zudem die „tägliche Tarifflucht von Unternehmen“. Tarifverträge schaffen Ordnung und Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt, sagte Hoffmann und wies auf das Beispiel eines Teelieferanten aus Ostfriesland. Dort seien die 14.000 Mitarbeiter nicht nur gezwungen, eine unbezahlte Überstunde zu leisten, fünf Prozent des Lohns solle es künftig in Naturalien geben, nämlich in Form von Tee. Es sei ein Rückfall ins Mittelalter, wenn Teetütchen als Gehalt herhalten, kritisierte der DGB-Chef.

Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen suchte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) den Schulterschluss mit den Gewerkschaften. „Zusammen mit den Gewerkschaften haben wir den Arbeitsmarkt ein Stück fairer gemacht“, sagte sie bei der Maikundgebung in Köln. Gemeinsam haben man den gesetzlichen Mindestlohn erstritten und so auch die Tarifparteien gestärkt. „Wir gehen gegen den Missbrauch bei Leiharbeit, Werkverträgen und Minijobs vor“, sagte Kraft.

Von RND/epd/dpa