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Wirtschaft So wirkt sich die Vogelgrippe wirtschaftlich aus
Nachrichten Wirtschaft So wirkt sich die Vogelgrippe wirtschaftlich aus
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10:49 23.11.2016
Die Geflügelbranche ist wegen der Vogelgrippe bundesweit besorgt. Quelle: dpa
Schwerin/Berlin

Die Geflügelpest mit ihrem aggressiven Virus H5N8 ist bislang bei Vögeln in elf Bundesländern nachgewiesen. In den Küstenländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verendete auch Hausgeflügel an der Vogelgrippe. Mehrere Länder verbieten inzwischen die Einfuhr von deutschen Hühnern, Enten, Gänsen und Puten. Die Geflügelwirtschaft ist beunruhigt.

Wie groß ist der Schaden bisher?

Das ist schwer zu beziffern. Für die betroffenen Geflügelbetriebe, die Zehntausende Tiere verloren, ist der Schaden natürlich immens – auch wenn sie von den Tierseuchenkassen entschädigt werden. Hinzu kommen für die gesamte Branche Einbußen durch das Wegbrechen von Exportmärkten. Bisher haben Israel, Japan, Südafrika und Südkorea Einfuhren von Geflügel und Geflügelprodukten aus Deutschland verboten.

Welchen Umfang haben die Exporte in diese Länder?

Nach Angaben des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG) ist der Anteil der Exporte in Drittländer außerhalb der EU sehr gering. Hauptsächlich produziert Deutschland Geflügelfleisch und Eier für den eigenen Bedarf. Bei Eiern wird der Bedarf nur zu 70 Prozent gedeckt. Von den Ausfuhren entfallen mehr als 90 Prozent auf EU-Länder. Nur der Rest geht an Nicht-EU-Länder, von denen vier jetzt Einfuhren verboten haben. Zwölf weitere können Geflügelprodukte nicht mehr einführen, weil in den nötigen Dokumenten die Freiheit Deutschlands von der Vogelgrippe nicht bescheinigt werden kann.

Dann tun die Exporteinschränkungen tatsächlich nicht sehr weh?

Das ist unterschiedlich. Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel versucht, neue Absatzmärkte zu erschließen und hatte in jüngster Zeit Interessenten aus Südkorea und Kuba zu Gast, die sich Betriebe und Geflügelschlachthöfe ansahen. Für diese Geschäfte sieht es nun schlecht aus. Außerdem gibt es noch den Zuchtsektor. Der Handel mit Bruteiern und Eintagsküken ist international. Für den Sektor ist es dem ZDG zufolge sehr schmerzhaft, dass Deutschland den Status „Frei von Vogelgrippe“ verloren hat. Jedes Exportland entscheidet für sich, ob es weiter Eier und Küken einführt. Der ZDG hofft, dass die Einfuhrsperren relativiert werden und nur auf die von Vogelgrippe betroffenen Regionen in Deutschland bezogen werden.  

Kaufen Kunden in Deutschland jetzt weniger Geflügelfleisch?

Das ist nach Angaben der Branche nicht zu spüren. Die Kunden geben den Tierhaltern keine Schuld an der Geflügelpest, sondern sehen sie als „höhere Gewalt“ an.

Dürfen Eier und Geflügelfleisch weiter mit dem Etikett „Freiland“ verkauft werden?

Ja, bis zu zwölf Wochen lang. Bei Bio-Geflügelfleisch und Bio-Eiern gilt diese zeitliche Begrenzung nach Angaben des bundesweit tätigen Ökolandbauverbandes Biopark nicht. Konventionelle Freiland-Eier dürfen nach einem Vierteljahr nur noch als billigere Eier aus Bodenhaltung angeboten werden, das bedeutet Einbußen für die Betriebe. Der ZDG setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, dass eine Stallpflicht nicht länger als zwölf Wochen gelten darf.

Verringert sich die Legeleistung von Freiland-Hennen bei Stallpflicht?

Vorübergehend passiert das durchaus, einen signifikanten Rückgang gibt es nach Angaben von Praktikern jedoch nicht. Im günstigsten Fall haben die Hennen auch weiterhin die Möglichkeit, ans Tageslicht zu kommen - in sogenannten Wintergärten, die überdacht sind. Dann fehlt ihnen nur der Auslauf und frisches Grün.  

Stimmt es, dass Freiland-Hühner im Stall aggressiv werden?

Ja, ihr Tagesrhythmus ist erst einmal gestört. Um zu verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig attackieren, brauchen sie im Stall mehr Beschäftigungsmaterial wie Einstreugetreide, Grünfutter oder Behälter mit Löchern, aus denen sie Körner picken können.

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Von RND/dpa

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