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Wirtschaft 3000 Euro pro Familie
Nachrichten Wirtschaft 3000 Euro pro Familie
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11:03 15.09.2018
20 Milliarden Euro für die Abwicklung: Filiale der Hypo Real Estate Bank in Berlin. Quelle: imago/Reiner Zensen
Berlin

3000 Euro: So viel hat die Finanzkrise eine vierköpfige Familie in Deutschland gekostet – das hat der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick jetzt ausgerechnet. Zehn Jahre nach der Leh­man-Pleite hat Schick bei der Bundesregierung die letzten Zahlen zur Finanzkrise abgefragt. Die Tabelle, die ihm das Finanzministerium daraufhin zugeschickt hat, lässt auch gewiefte Rechner schwindlig werden.

Die Gesamtkosten der Krise für den deutschen Steuerzahler belaufen sich demnach auf 59 Milliarden Euro, jeweils hälftig getragen von Bund und Ländern. Das Geld floss in Form von Garantien, Krediten und Kapitalspritzen an die taumelnden Banken – und es ist definitiv weg. Die Summe könnte noch deutlich wachsen, falls weitere Kredite ausfallen oder Garantien fällig werden. Insgesamt stehen 68 Milliarden Euro auf dem Spiel.

Als es richtig teuer wurde, blieb alles am Steuerzahler hängen

Am teuersten war die Abwicklung der Hypo Real Estate (HRE) aus München: Fast 20 Milliarden Euro musste der Fiskus am Ende abschreiben. Gemessen an den Garantien und Bürgschaften, die zwischenzeitlich bei weit über 100 Milliarden Euro lagen, ist der Staat dabei allerdings noch gut weggekommen.

Auch die Sicherung der Deutschen Industriebank (IKB) ist für den Steuerzahler ein teures Unterfangen geworden. Mit dem Düsseldorfer Institut, das sich auf Industriekunden spezialisiert hatte, war die amerikanische Finanzkrise im Sommer 2007 nach Deutschland gekommen – mehr als ein Jahr vor der Lehman-Pleite. Über ein Wochenende waren hektisch Rettungspakete geschnürt worden, zu Beginn beteiligten sich auch die übrigen Banken daran. Als es richtig teuer wurde, stand allerdings nur noch der Steuerzahler gerade. Ein Verlust von fast 9 Milliarden Euro blieb nach dem Verkauf der zwischenzeitlich verstaatlichten Bank übrig.

Die einst stolze WestLB ging vollständig unter

In der Folge der Finanzkrise gerieten auch die Landesbanken reihenweise ins Straucheln. Viele Probleme bei den staatseigenen Instituten waren hausgemacht, die Krise legte allerdings die Schwächen der Finanzhäuser schonungslos offen. BayernLB, Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und HSH Nordbank mussten mit Milliardenzuschüssen gerettet werden. Letztere wurde inzwischen nach jahrelangem Streit privatisiert. Die ebenfalls kriselnde SachsenLB wurde mit der LBBW verschmolzen.

Am härtesten war der Einschnitt in Düsseldorf, wo die ehemals stolze nordrhein-westfälische Landesbank WestLB vollständig unterging. Ihre Auflösung kostete den Steuerzahler bereits jetzt mehr als 6 Milliarden Euro. Die Summe könnte sich noch einmal verdoppeln, denn die Abwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Portigon heißt das Nachfolgeinstitut, das sich nun um den Verkauf und die Abwicklung des Wertpapierportfolios kümmert. Es ist eine von einer ganzen Reihe sogenannter Bad Banks, in die faule Kredite und toxische Wertpapiere der Krisenbanken übertragen worden sind.

An der Commerzbank ist der Staat noch immer beteiligt

Auch die Rettung der Commerzbank verschlang Milliarden, anders als bei den Landesbanken besteht aber noch Hoffnung, dass der Staat zumindest einen Teil seiner Finanzspritzen zurückbekommt. 15 Prozent der Commerzbank-Aktien hält der Bund bis heute. Finanzminister Scholz könnte sie an der Börse verkaufen, würde damit aber derzeit ein sehr schlechtes Geschäft machen. Etwa 18 Euro müsste er pro Aktie erlösen, um ohne Verluste aus dem Investment herauszukommen. Aktuell steht der Kurs bei rund 8,70 Euro.

Von Andreas Niesmann

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