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Wirtschaft Smart und Opel Zafira fallen bei Abgasuntersuchung durch
Nachrichten Wirtschaft Smart und Opel Zafira fallen bei Abgasuntersuchung durch
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10:53 27.06.2017
Um mehr Transparenz zu schaffen, plant Verkehrsminister Alexander Dobrindt nun eine Teststrecke für Abgasmessungen im realen Fahrbetrieb. Quelle: dpa
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Berlin

In amtlichen Messungen von Diesel-Autos ist bei zwei Modellen ein zu hoher CO2-Ausstoß entdeckt worden. Bei einem inzwischen nicht mehr produzierten Opel Zafira mit 1,6-Liter-Motor lagen die Emissionen 8,9 Prozent höher als der angegebene Katalogwert. Die zulässige Toleranzschwelle liegt bei 4 Prozent. Das geht aus einem am Dienstag vorgestellten Bericht der Untersuchungskommission des Bundesverkehrsministeriums hervor. Die Deutsche Umwelthilfe hatte das Kraftfahrtbundesamt zu den Tests aufgefordert. Opel muss die Autos nun umrüsten.

Bei einem Opel Zafira mit 1,6-Liter-Motor lagen die CO2-Werte über dem Toleranzbereich. Quelle: dpa

Als zweites Modell überschritt ein nicht mehr produziertes Modell eines Smart Fortwo die Schwelle. „Das Modell weicht 4,4 Prozent vom Katalogwert ab“, sagte Verkehrsminister Dobrindt bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts. Der Smart liegt damit nur ganz knapp über der zulässigen Toleranzschwelle von 4 Prozent. Von diesem Modell gibt es 9000 Stück. Für eine gesicherte Bewertung seien aber noch weitere Messungen an anderen Fahrzeugen des Typs nötig, sagte Dobrindt.

Insgesamt wurde der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) bei 19 Fahrzeugen bewertet, die von deutschen Herstellern stammen oder als Typ hierzulande genehmigt wurden. Bei den anderen Modellen wurde nichts beanstandet. Für weitere zehn Autos ausländischer Marken oder mit Typgenehmigung im Ausland laufen demnach noch Prüfungen.

Auch ein nicht mehr produziertes Modell des Smart Fortwo überschritt die Werte leicht. Quelle: Daimler

Das Ministerium hatte die gesonderte Untersuchung im Mai 2016 angekündigt, nachdem rund 30 Wagen verschiedener Marken bei Messungen auffällig waren, bei denen es aber in erster Linie um den Stickoxid-Ausstoß (NOx) ging. Wegen überhöhter NOx-Werte hat das KBA bereits einen verpflichtenden Rückruf für 2,4 Millionen VW-Diesel angeordnet, bei dem eine verbotene Manipulationssoftware entfernt werden muss. Für weitere 630 000 Fahrzeuge mehrerer deutscher Marken haben die Hersteller „freiwillige“ Umrüstungen zugesagt. Bei ihnen bestehen Zweifel, ob Abschaltungen der Abgasreinigung zulässig sind.

Der CO2-Ausstoß hängt auch direkt mit dem Spritverbrauch zusammen. Er fließt zudem in die Berechnung der Kfz-Steuer ein. Anders als bei NOx gibt es bezogen auf das einzelne Fahrzeug keine CO2-Grenzwerte. Die EU-Grenzwerte für CO2 beziehen sich stattdessen auf den durchschnittlichen Verbrauch der gesamten Fahrzeug-Flotte. Derzeit darf die Flotte eine Herstellers im Schnitt nicht mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Ab dem Jahr 2021 werden diese Vorgaben verschärft, dann gilt ein Limit von 95 Gramm CO2 je Kilometer.

Dobrindt plant neue Testeinrichtung

Um generell mehr Transparenz bei Abgaswerten zu schaffen, plant Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine neue Testeinrichtung. Dafür soll noch in diesem Jahr ein „Deutsches Institut für Verbrauchs- und Emissionsmessungen“ als Verein gegründet werden. Es soll auf einer festen Strecke Messungen im realen Straßenbetrieb vornehmen und die Ergebnisse auf einem Internet-Portal veröffentlichen. Dabei soll sowohl der CO2- als auch der NOx-Ausstoß gemessen werden.

In einem Beirat sollen unter anderem Kommunen, Verbraucherverbände, gesellschaftliche Organisationen und das Bundesumweltministerium beteiligt werden. Finanziert werden soll das Institut laut einer Vereinbarung von den deutschen Autoherstellern. Vorgesehen ist ein Budget von 2 Millionen Euro pro Jahr, getestet werden könnten bis zu 70 Fahrzeuge. Hintergrund der Initiative ist auch, dass Abgaswerte im normalen Straßenverkehr teils erheblich höher sind als bei bisherigen amtlichen Messungen in Labor-Prüfständen. Im Herbst sollen in der EU auch realitätsnähere Messverfahren eingeführt werden.

Von RND/ang/dpa

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