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Wirtschaft Schuldnern fehlen im Schnitt 32.000 Euro
Nachrichten Wirtschaft Schuldnern fehlen im Schnitt 32.000 Euro
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15:10 29.06.2017
Nicht alle holen sich professionelles Hilfe. Doch wenn sich ein Schuldner an eine Beratungsstelle wendet, muss er durchschnittlich zehn Wochen auf ein erstes Gespräch warten (Symbolbild). Quelle: dpa
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Wiesbaden

Obwohl es in Deutschland derzeit so wenig Arbeitslose gibt, wie seit langem nicht mehr, ist die Situation der Schuldner im Land weiter schlecht. Laut dem Statistischen Bundesamt suchten im Jahr 2016 mehr als 600 000 Menschen eine Schuldnerberatung auf. Die durchschnittlichen Schulden dieser Personen lagen demnach bei knapp 32.000 Euro.

Aber nicht jeder geht den Weg zur Beratung: Nach Informationen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform steckte 2016 rund jeder Zehnte Deutsche finanziell so in der Klemme, dass er seine Verbindlichkeiten aus eigener Kraft nicht mehr abtragen konnte. Betroffen waren etwa 6,85 Millionen Menschen. Diese Zahl sei trotz der guten Konjunktur das dritte Jahr in Folge gestiegen. 2016 waren 131.000 Personen mehr von Überschuldung betroffen als im Vorjahr.

Bei jedem fünften ist der Verlust des Arbeitsplatzes der Grund

Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale begründet den stetigen Anstieg mit „Risikogruppen“. Gemeint sind zum Beispiel alleinerziehende Mütter, Langzeitarbeitslose, Menschen im Niedriglohnsektor, Minijobber oder Migranten. Bei vielen dieser Gruppen steigt die Zahl der Menschen. „Ein Großteil von ihnen hat keine Möglichkeit, noch einmal in den Arbeitsalltag zu kommen. Bei denen kommt eine gute Konjunktur überhaupt nicht an“, sagt Zerhusen. 

Grundsätzlich ist bei jedem fünften Betroffenen die Überschuldung auf den Verlust des Arbeitsplatzes zurückzuführen (21 Prozent), berichtet das Statistische Bundesamt. Aber auch eine Erkrankung, Sucht oder ein Unfall (zusammen 15 Prozent) und die Trennung, Scheidung sowie der Tod des Partners (zusammen 13 Prozent) führten häufig zu kritischen finanziellen Situationen. Unwirtschaftliche Haushaltsführung (11 Prozent), gescheiterte Selbstständigkeit (8 Prozent) und längerfristiges Niedrigeinkommen (6 Prozent) waren weitere Faktoren.

Betroffene warten im Schnitt zehn Wochen auf Schuldnerberatung

Die Schuldnerberatung sei in vielen Fällen alternativlos, sagt Zerhusen. „In den allermeisten Fällen kann man eine Lösung erzielen. Viele holen sich aber zu spät Rat. Wir wünschen uns, dass Menschen in finanzieller Schieflage rechtzeitig eine qualifizierte Schuldnerberatung aufsuchen“, sagt Zerhusen. Ein Problem dabei sind aber die langen Wartezeiten: Personen, die aufgrund finanzieller Probleme im Jahr 2016 die Hilfe einer Schuldnerberatungsstelle in Anspruch nahmen, warteten durchschnittlich zehn Wochen auf einen ersten Beratungstermin, berichtet das Statistische Bundesamt.

Zerhusen nimmt deshalb auch die Politik in die Pflicht: „Schuldnerberater sollten in vernünftigem Rahmen vorhanden sein und finanziert werden. Ich bin der Meinung, dass man ein Recht für jeden im Gesetz verankern sollte und dass jeder, der von Überschuldung betroffen ist, die Möglichkeit haben sollte, sich beraten zu lassen.“ 

Von ang/RND/dpa

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