Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wirtschaft Schlecker-Kinder müssen in Haft
Nachrichten Wirtschaft Schlecker-Kinder müssen in Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 27.11.2017
Anton Schlecker bei der Urteilsverkündung vor dem Landgericht Stuttgart. Quelle: dpa
Anzeige
Stuttgart

Das Gericht verurteilte Sohn Lars Schlecker am Montag zu zwei Jahren und neun Monaten, Tochter Meike zu zwei Jahren und acht Monaten. Gegen den Firmengründer selbst verhängten die Richter wegen Bankrotts zwei Jahre Haft auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je 150 Euro - macht insgesamt 54.000 Euro.

Die Richter sahen es laut Urteilsbegründung als erwiesen an, dass der heute 73-jährige Schlecker im Angesicht der Zahlungsunfähigkeit seines Unternehmens auf verschiedenen Wegen noch mehrere Millionen Euro beiseite schaffte. Allerdings gingen sie von deutlich geringeren Summen aus als die Staatsanwaltschaft. Es drehte sich dabei um überhöhte Stundensätze, die Schlecker in Absprache mit seinen Kindern an deren Logistikfirma LDG gezahlt hatte, sowie um Geldgeschenke und um die Übernahme von Rechnungen für die Familie.

Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert

Schleckers Kinder wurden wegen Untreue, Insolvenzverschleppung, Bankrotts sowie Beihilfe zum Bankrott verurteilt. Sie hatten sich unter anderem Anfang 2012 - kurz vor der Insolvenz des Konzerns - als Gesellschafter der LDG noch Gewinne in Höhe von sieben Millionen Euro ausgezahlt. Dabei hatte die Firma damals längst Verluste gemacht.

Das Gericht blieb mit dem Urteil für Anton Schlecker unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre Haft verlangt hatte. Für Lars Schlecker hatte die Anklage zwei Jahre und zehn Monate und damit nur geringfügig mehr gefordert, bei Meike Schlecker entsprachen die Richter der Forderung der Anklagevertreter. Die Verteidigung hatte diese Anträge insgesamt für überzogen gehalten.

Schlecker, einst größte Drogeriemarktkette Europas, hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Eine Rettung schlug fehl, etliche tausend Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Um die Pleite an sich ging es nicht vor Gericht, wie der Vorsitzende Richter Roderich Martis noch einmal betonte - sondern um die Frage, wann Schlecker die drohende Zahlungsunfähigkeit erkannt hat oder hätte erkennen müssen.

Richter glauben Schlecker nicht

„Nach Überzeugung der Kammer drohte die Zahlungsunfähigkeit ab dem 1. Februar 2011“, sagte Martis. Von diesem Zeitpunkt an hätte Schlecker demnach kein Geld mehr aus der Firma ziehen und auch nichts mehr aus seinem privaten Vermögen an andere übertragen dürfen – als sogenannter Einzelkaufmann haftete er mit allem, was er besaß.

Schlecker hatte im Prozess betont, dass eine Insolvenz für ihn immer undenkbar gewesen sei und dass er immer an das Überleben des Konzerns geglaubt habe. Dies nahmen ihm die Richter aber nicht ab. „Er wusste, dass die Firma am Ende war, hoffte aber weiter. Das ist auch gar nicht ungewöhnlich“, sagte Martis. Allerdings habe Schlecker wissen können und müssen, dass es nicht so gut aussieht.

Gläubiger fordern mehr als eine Milliarde Euro

Mitte November hatten der Ex-Firmenchef und seine Kinder noch einmal vier Millionen Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt. Das Geld soll in die Insolvenzmasse fließen – zur Wiedergutmachung des Schadens. Zuvor hatte die Familie schon zehn Millionen Euro an den Verwalter überwiesen. Insgesamt haben die Gläubiger früheren Angaben zufolge mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen angemeldet.

In zwei Wochen beginnt im österreichischen Linz ein Zivilverfahren gegen Schleckers Ehefrau Christa und die beiden Kinder, in dem es um Schadenersatz-Forderungen des Insolvenzverwalters der ehemaligen Schlecker-Tochterfirma Dayli geht. In Zwickau läuft ebenfalls ein Verfahren, wie das dortige Landgericht der „Wirtschaftswoche“ bestätigte. Christa Schlecker war anfangs auch im Stuttgarter Strafprozess angeklagt, das Verfahren wurde aber eingestellt.

Von RND/dpa/sag

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Wirtschaft Kryptowährung auf Rekordkurs - Bitcoin steuert auf 10.000-Dollar-Marke zu

Tempoverschärfung beim Bitcoin: Die Kryptowährung nimmt jetzt Kurs auf die 10.000-Dollar-Marke. Zeitweise stieg der Wert im Vergleich zur vergangenen Woche um bis zu 18 Prozent.

27.11.2017

Der deutschen Industrie könnte ein Rohstoff-Engpass drohen. Denn die Elektromobilität lässt die Nachfrage nach Kobalt und Graphit steigen, die in Batterien verbaut werden. Ausländische Importeure könnten den Bedarf aber nur unzureichend decken, sagt der BDI. Der Verband befürchtet deshalb Auswirkungen auf die Technologie-Entwicklung.

26.11.2017

Lehrjahre sind keine Herrenjahre und große Sprünge sind nicht drin. Ein genauer Blick auf die Einkommen von Azubis offenbart aber teils sehr geringe Entgelte. Und zum Teil sind sie seit 20 Jahren nicht angehoben worden.

25.11.2017
Anzeige