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Wirtschaft Schäuble sorgt sich um US-Notenbank
Nachrichten Wirtschaft Schäuble sorgt sich um US-Notenbank
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13:43 11.11.2016
US-Notenbank-Chefin Janet Yellen soll abgesetzt werden. Das zumindest forderte Donald Trump in seinem Wahlkampf. Quelle: AFP
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Frankfurt/Main

Die US-Wahlen galten als eines der ganz großen Hindernisse für eine Fortsetzung der im Dezember 2015 eingeleiteten Zinswende durch die US-Notenbank Fed. Jetzt ist die Präsidentschaft des Republikaners Donald Trump nicht mehr nur ein mögliches Risiko-Szenario sondern Realität. Ist die von vielen erwartete zweite Leitzinsanhebung seit der Finanzkrise im Dezember gestrichen?

Erste Äußerungen von US-Währungshütern nach der Wahl klingen eher gelassen. Auch an den Finanzmärkten glaubt man an höhere Zinsen, und eines der Vorhaben Trumps könnte den Währungshütern sogar in die Hände spielen. Dennoch könnte der Trump-Faktor die Notenbanker vom Dreh an der Zinsschraube zurückschrecken lassen.

Auf unter 50 Prozent ist die an den Finanzmärkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinsanhebung bei der kommenden Fed-Sitzung im Dezember nach dem Trump-Triumph kurzzeitig eingebrochen. Der Grund: Trump gilt aufgrund seiner restriktiven Vorstellungen zur Einwanderung, seiner protektionistischen wirtschaftspolitischen Pläne und seiner generellen Unberechenbarkeit als Risiko. Und nichts scheuen Notenbanker, die ihre Zinsen anheben wollen, mehr als Unsicherheit.

Schäuble fürchtet Einmischung der neuen Regierung bei Fed-Entscheidungen

Auch auf persönlicher Ebene knistert es nicht gerade zwischen Trump und den Währungshütern: Der Republikaner hatte Fed-Chefin Janet Yellen im Wahlkampf mehrfach verbal angegriffen und ihr politische Einmischung vorgeworfen. Der künftige US-Präsident hatte mehrfach angekündigt, Yellen im Falle eines Sieges absetzen zu wollen. Experten um Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sorgen sich deswegen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Yellen könnte mit aller politischer Macht aus ihrem Amt gedrängt werden, heißt es. Die neue Regierung wolle die Fed womöglich unter ihre Kontrolle bringen und sie zum Erfüllungsgehilfen machen, heißt es im „Spiegel“.

Auf den globalen Märkten gilt die Fed bislang als einer der entschlossensten und kraftvollsten Akteure - und ist damit engster Partner der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Trump-Schock an den Finanzmärkten entpuppte sich allerdings nicht als nachhaltig. Inzwischen wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung in diesem Jahr wieder bei über 80 Prozent gesehen - wie vor den Wahlen. Erste US-Währungshüter äußerten sich zudem eher gelassen.

„Märkte haben Trumps Wahlsieg relativ gut verkraftet

Alles, was nach der jüngsten Zinsentscheidung Anfang November gesagt worden sei, sei „weiterhin vollkommen zeitgemäß und zutreffend“, sagte John Williams, einer der führenden US-Notenbanker, in der Nacht zu Donnerstag. Durch die Wahl habe sich daran nichts geändert. Im November hatte die Fed ihren Leitzins zwar zum siebten Mal in Folge unangetastet gelassen, sich gleichzeitig aber die Tür für eine Anhebung im Dezember offen gelassen.

„Die Märkte haben Trumps Wahlsieg relativ gut verkraftet“, sagt Michael Leister, Experte bei der Commerzbank. Die Hoffnung überwiege, dass Trump nicht so radikal handeln werde, wie im Wahlkampf angekündigt.

Und so viel Unsicherheit Trump auch bringt: Den Währungshütern könnte wenigstens ein Aspekt seiner politischen Pläne in die Hände spielen. Denn Trump hat deutlich höhere Staatsausgaben etwa zur Aufbesserung der Infrastruktur angekündigt. „Von einer solchen expansiven Fiskalpolitik würden natürlich stimulierende Effekte auf die amerikanische Wirtschaft ausgehen“, sagt Eugen Keller, Experte beim Bankhaus Metzler.

Abwarten, was die künftige Regierung tatsächlich beschließt

Das wiederum könnte Druck von den Notenbankern nehmen, weiter durch extrem niedrige Zinsen die Konjunktur auf Trab zu halten. „Die Aussicht auf eine fiskalische Lockerung spricht für sich genommen für schnellere beziehungsweise mehr Fed-Zinsanhebungen“, sagt Manuel Andersch, Experte bei der Bayerischen Landesbank.

Der US-Notenbanker Neel Kashkari gab nach der Wahl Hinweise darauf, dass dies tatsächlich eine Rolle im Fed-Kalkül spielen dürfte. „Wir berücksichtigen die Fiskalpolitik in unseren Analysen darüber, welche geldpolitische Haltung angemessen ist“, sagte der Währungshüter. Man werde nun abwarten müssen, was die politische Führung tatsächlich beschließt.

Doch die meisten Ökonomen sind sich einig: Langfristig dürften Trumps Pläne der US-Wirtschaft schaden. Und in der Vergangenheit hat die Fed guten Konjunkturdaten zum Trotz noch jedes Risiko zum Anlass genommen, um eine Zinserhöhungen zu verschieben. Der Dezember-Termin bleibt also spannend. Es sei „kein guter Tag für die Weltwirtschaft“ gewesen, sagte Ewald Nowotny, führendes Mitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der US-Wahl. Vieles hänge nun davon ab, wie die Fed reagieren werde.

Von RND/fw/dpa

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