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Probleme bei der Unternehmensnachfolge

Firmen in und um Dresden kaum gerüstet für die Übergabe Probleme bei der Unternehmensnachfolge

Ungelöste Unternehmensnachfolgen bedrohen nach Ansicht von Fachleuten der Hypovereinsbank die Wirtschaftskraft in der Region Dresden. Hier stehen regionalen Statistiken zufolge bis 2025 rund 2900 Firmen zur Übernahme an. Damit hängen mehr als 170 000 Arbeitsplätze davon ab, ob der Übergang wirklich gut geregelt ist.

Firmenübergabe erfolgreich unter Dach und Fach: Das ist in und um Dresden für viele Chefs ein Problem, das sie in Angriff nehmen müssen.

Quelle: dpa

Dresden. Über 90 Prozent der Unternehmen in Sachsen gehören mit weniger als 250 Beschäftigten zu den kleinen und mittelständischen Firmen. Trotz der Leuchttürme in der Landeshauptstadt ist das auch in der Region Dresden nicht anders. Auf einen gehörigen Teil von ihnen rollt ein Problem zu: Sie müssen die Nachfolge regeln. Fachleute der HypoVereinsbank haben hochgerechnet, dass hier bis 2025 rund 2900 Firmen zur Übernahme anstehen. Davon wären mehr als 170 000 Arbeitsplätze betroffen, die überwiegend im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe angesiedelt sind.

Ähnlich wie in ganz Deutschland ist auch im Freistaat aufgrund des demografischen Wandels das Verhältnis von übergabereifen Unternehmen und potenziellen Nachfolgern eher ungünstig. Einem Report des Deutschen Industrie- und Handelskammertags aus dem Jahr 2016 zufolge liegt das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer bei über 50 Jahren, 40 Prozent sind sogar älter als 55. „Wir beobachten eine zunehmende Nachfrage an individuellen Nachfolgelösungen über alle Branchen hinweg“, sagte am Donnerstag René Babinsky, Leiter des Firmenkundengeschäfts der HypoVereinsbank in der Region Sachsen, in Dresden. Firmenchefs, die solche Planungen auf die lange Bank schieben, riskieren einen „Investitionsstau bis hin zum Substanzverlust des Unternehmens und im schlimmsten Fall die Schließung“, so der Banker.

Viele Firmenchefs, so das Geldinstitut, das unter dem europäischen Dach der Unicredit mit ihren über 25 Millionen Kunden agiert, übergeben ihren Betrieb innerhalb der Familie (54 Prozent), 17 Prozent suchen sich im Unternehmen einen Kandidaten, 29 Prozent bauen auf Expertise von außerhalb. Glaubt man den Bankern, fragen viele Firmenlenker, wenn sie sich denn überhaupt mit dem Thema Nachfolge beschäftigen, zuerst den Steuerberater oder den Wirtschaftsprüfer. Dabei liegt nahe, dass zunächst Geld fließen muss und dazu in der Regel ein Gang zum Geldhaus nötig ist. Die meisten potenziellen Nachfolger brauchen Darlehen, die sie mit Förderkrediten aufpeppen. Und komplexere Lösungen, wie sie zum Beispiel bei einem Management Buy Out- oder Buy-In gestrickt werden müssen oder für Geldgeber aus dem Venture-Bereich, sind dann schon selbst für Bankexperten eher die anspruchsvollere Variante.

„Wir würden es gern sehen, dass die Arbeitsplätze vor Ort erhalten bleiben und möchten hiesige Unternehmen viel mehr ermutigen, selber als Käufer aufzutreten“, erklärte Babinsky. Die Eigenmittel dazu hätten sich im prosperierenden Freistaat lange angesammelt – allein, es fehle oft der Mut, auch über Akquise zu wachsen. So würde denn immer dann – wenn externe Übergaben anstünden, auch das Risiko der Verlagerung steigen. Denn in und um Dresden sei vieles „hoch technologisch“. „Da wird Technologie gekauft“, so der Manager.

Hypovereinsbanker Alexander Appel, Leiter Private Banking Region Ost, ist für die nächsten Schritte zuständig: Was wollen Chefs, die ihre Firma verkauft haben, mit dem Geld tun? „Auch das ist in den seltensten Fällen klar und in Erbfällen sogar nur zu drei Prozent geregelt“, sagte Appel in Dresden. Er verweist auf den wachsenden Trend, zur Sicherungs des Lebenswerks Stiftungen zu gründen. Gerade Dresden gehöre mit etwa 130 Stiftungen bundesweit zu den Top-50 Städten mit der höchsten Stiftungsdichte. Die Hypovereinsbank betreut allein in Deutschland 2000 solcher Stiftungen – und auch hier gehört Appel zufolge ein ausgefeiltes Management dazu, um in Zeiten des Niedrigzinses renditeträchtig arbeiten zu können.

Von Barbara Stock

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