Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wirtschaft Pluspunkt Froschschenkel
Nachrichten Wirtschaft Pluspunkt Froschschenkel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:17 23.08.2017
Der Distrikt La Défense mit seinen markanten Bürotürmen ist das Geschäftsviertel von Paris. Hier sollen sich auch die Banken ansiedeln, die London verlassen wollen. Quelle: dpa
Paris

Emmanuel Macron gab den Ton vor, da war er noch im Wahlkampf. Nach dem Brexit-Votum wolle Frankreich „die Banken, die Talente, die Forscher und Lehrenden“ anziehen, sagte er im Februar bei einem Besuch in der City gegenüber der britischen Presse. Die Branche liegt dem Präsidenten nicht fern: Vor dem Sprung in die Politik arbeitete er bei der Privatbank Rothschild & Cie.

Paris mit seinem Geschäfts- und Bankenviertel La Défense gehört zu den Städten, die sich große Hoffnungen machen. Die Metropole will von den Büro- und Job-Verlagerungen zu profitieren, die die Finanzinstitute in London vornehmen. Noch fehlen die konkreten Konturen für die Vereinbarungen zwischen London und Brüssel, doch zumindest im Fall eines „harten“ Brexit droht den Banken der Verlust des EU-Passes, also des Zugangs zu europäischen Kapitalmärkten. Ob es wirklich zu einer großen Umzugswelle kommt, von der ein Finanzplatz als klarer „Sieger“ profitiert, erscheint noch fraglich.

Die Stadt erwartet 2300 neue Jobs

Doch der Ehrgeiz von Paris war schnell geweckt: Nach der Brexit-Entscheidung gingen werbende Briefe an potenzielle Investoren heraus. Auf Plakaten in Londoner Bahnhöfen versuchte man es mit Humor: „Tired of the fog? Try the frogs!“ („Genug vom Nebel? Probier die Frösche!“) Es klang wie eine Revanche: 2012 hatte noch der damalige Premierminister David Cameron französischen Unternehmen den roten Teppich ausgerollt, nachdem Macrons Vorgänger François Hollande mit dem – letztlich nicht umgesetzten – Vorschlag schockierte, Jahreseinkommen über eine Million Euro mit 75 Prozent zu besteuern.

Die Lobby der Pariser Finanzinstitute, Paris Europlace, schätzte zuletzt die Zahl der erwarteten neuen Jobs auf 2300, vor allem dank der Ankündigung der britischen HSBC, rund 1000 Posten in der französischen Hauptstadt zu schaffen. Auch die großen französischen Häuser von der Société Générale mit rund 400 Stellen über PNB Paribas mit 300 Jobs bis zum Crédit Agricole mit 100 neuen Posten orientieren sich dorthin. Viele internationale Häuser tendieren hingegen eher zu Konkurrenten wie Frankfurt, Dublin oder Amsterdam. Die Butter vom Baguette will Paris sich aber nicht nehmen lassen.

Der Premierminister umgarnt die Finanzindustrie

Mitte September fährt Macrons Vertrauter, der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Benjamin Griveaux, nach London und im Dezember nach Japan, um Investoren zu überzeugen. „Der Finanzplatz Paris hat gute Chancen unter der Bedingung, dass die angekündigten Reformen umgesetzt werden: Senkung der Unternehmenssteuer und der Lohnsteuer, Arbeitsrechtsreform, mehr Stabilität bei der Gesetzgebung“, sagt Arnaud de Bresson, Generaldirektor von Paris Europlace.

In der Tat will die Regierung an diesen Schaltstellen schrauben, gerade weil in den konkurrierenden europäischen Städten die Steuer- und Abgabenlast geringer ist als in Frankreich. Premierminister Édouard Philippe hat angekündigt, die Unternehmenssteuer von aktuell 33,3 Prozent bis 2022 etappenweise auf 25 Prozent zu senken. Die Vermögenssteuer gilt demnächst nur noch für Immobilienerträge, außerdem soll der Einkommensteuersatz für Gutverdiener sinken.

Als Vorteil wird auch beworben, dass am Pariser Handelsgericht eine internationale Kammer gibt, wo Streitigkeiten nach internationalem Recht und auf Englisch verhandelt werden können. Neben der besonderen Lebensqualität einer Weltstadt wie Paris – mit zwar hohen, aber weniger exorbitanten Miet- und Immobilienpreisen wie London – sollen Topmanager zudem mit drei internationaler Schulen angezogen werden. Von denen sich eine nicht zufällig im Pariser Vorort Courbevoie befindet – in unmittelbarer Nähe zu La Défense.

Von Birgit Holzer/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Lufthansa brennt darauf, die Air Berlin-Tochter Niki aufzukaufen. Doch am Mittwoch hat sie den Zuschlag zunächst nicht bekommen. Der Poker um die insolvente Fluggesellschaft geht deshalb in die nächste Runde. Andere Bieter lauern schon.

23.08.2017

Die Deutsche Bundesbank hat die Verlagerung ihrer Goldreserven aus dem Ausland gut drei Jahre früher abgeschlossen als geplant. „Die vorzeitige Umsetzung ist aus meiner Sicht ein voller Erfolg“, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Mittwoch in Frankfurt.

23.08.2017

Der Deutsche Städtetag zeigt sich alarmiert über die minimalen Effekte der beim Dieselgipfel beschlossenen Sofortmaßnahmen zur Reduzierung der Stickstoffdioxidbelastung in Städten. „Die Modellrechnungen des Umweltbundesamtes zeigen: Das Ziel ist noch lange nicht erreicht.“

23.08.2017