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Wirtschaft Osteuropa kämpft für richtiges Nutella
Nachrichten Wirtschaft Osteuropa kämpft für richtiges Nutella
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16:13 20.07.2017
Schmeckt süß, sorgt für Ärger: Um den Schokoladenanteil in Nutella ist ein europäischer Konflikt entbrannt. Quelle: dpa
Brüssel

Fischstäbchen mit deutlich weniger Fisch, Nutella, die erkennbar weniger nach Schokolade schmeckt – die östlichen Mitgliedstaaten wehren sich gegen „Lebensmittelrassismus“. Die Regierungen der vier Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn haben die Brüsseler Kommission aufgefordert, aktiv zu werden. Was steckt hinter dem Streit um minderwertige Lebensmittel?

Wieso sind die im Osten verkauften Nahrungsmittel geringwertiger als im Westen?

Die chemische Fakultät der Uni Prag hatte schon 2015 nachgewiesen, dass zum Beispiel Limonaden im Westen mit Zucker, im Osten mit künstlichen Süßstoffen versehen sind. Ungarns Lebensmittelbehörde stellte fest, dass Nutella im Nachbarland Österreich schokoladiger schmeckt als in Budapest. In polnischen Leibniz-Keksen wurde ein deutlich niedrigerer Anteil von Butter als in den deutschen gefunden. Der slowakische Regierungschef Robert Fico präsentierte am Mittwoch gleich mehrere konkrete Beispiele: So kosteten seinen Angaben zufolge 990 Milliliter des Weichspülers Lenor in Österreich 1,99 Euro. Der slowakische Kunde muss allerdings 2,99 Euro bezahlen und bekommt dafür sogar noch 60 Milliliter weniger. Fischstäbchen enthielten nur 58 Prozent Fisch, während es im Westen 65 Prozent seien.

Weniger Fisch in Fischstäbchen? Bei osteuropäischen Kunden sparen Konzerne an Zutaten – davon sind vier Länder überzeugt. Quelle: dpa

Stimmt das denn? Was sagen die Hersteller denn dazu?

Zunächst muss man wissen, dass sich die Proteste der vier Regierungen und der Bevölkerung ausschließlich gegen ausländische Hersteller richten. Die großen Konzerne weisen die Vorwürfe zurück, räumen aber ein, dass man sich zum Beispiel bei den Verpackungsgrößen nach den regionalen Märkten und den dortigen Kunden richten würde.

Was soll die Kommission nun tun?

Die Länder fordern von der Brüsseler EU-Kommission „adäquate Maßnahmen“, um die Lage zu beenden, dass „unsere Verbraucher in diskriminierender Weise anders behandelt werden“. In der gesamten Union müssten die gleichen Qualitätsmaßstäbe für Verbraucher gelten. Man erwartet also von der Kommission, dass sie industriell hergestellte Lebensmittel überwacht, kontrolliert und dann zulässt.

Hat die Kommission dazu die Möglichkeiten und Kompetenzen?

Nein. Erst im März dieses Jahres hatten die Staats- und Regierungschefs der EU vereinbart, dass der derzeitige gesetzliche Rahmen ausreiche, um gegen „unfaire Handelspraktiken vorzugehen“. Damit liegt die Verantwortung bei den nationalen Verbraucherschutzbehörden, die „ihre Befugnisse nutzen“ sollten, um Ungleichgewichte zu beseitigen. Bei dieser Linie wird die Kommission auch bleiben. Ein Sprecher sagte allerdings in dieser Woche: „Wenn sie (die Staats- und Regierungschefs, d. Red.) die Regeln ändern wollen, können sie natürlich zentralisierte Vorschriften für industriell verarbeitete Nahrungsmittel vorschlagen.“ Kurzum: Brüssel stellt sich auf den Standpunkt: Damals wolltet ihr keine zentrale europäische Behörde, jetzt ruft ihr danach. Das geht so nicht.

Könnten die vier Regierungen nicht auch von sich aus bestimmte Hersteller verbieten oder boykottieren?

Nein, das widerspricht den Regeln des Binnenmarktes. Der slowakische Premierminister Fico hat das auch offen zugegeben. Deshalb forderte er ja ein Einschreiten der Kommission.

Wie reagieren die Menschen in den vier Ländern?

Viele haben bereits einen Weg gefunden, mit der Situation umzugehen. Ein Beispiel: Reisende in den Zügen von Berlin nach Warschau sind mit Lebensmittel-Taschen bepackt. Und der Handel mit westlichen Waschmitteln über das Internet boomt. Aber das kann natürlich auf Dauer keine Lösung sein.

Von Detlef Drewes/RND

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