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Wirtschaft Ob Handwerker oder Anwalt – Selbstständige sollten selber für das Alter vorsorgen
Nachrichten Wirtschaft Ob Handwerker oder Anwalt – Selbstständige sollten selber für das Alter vorsorgen
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16:51 17.04.2019
Für das Alter vorzusorgen, ist für viele Selbstständige bisher keine gesetzliche Pflicht. Quelle: Westend61/dpa-tmn
Hamburg

Was haben selbstständige Erzieher, Lehrer oder Pflegekräfte gemeinsam? Sie sind ebenso wie einige Handwerker gesetzlich verpflichtet, fürs Alter vorzusorgen. Dieser Kreis der pflichtversicherten Selbstständigen zahlt in der Regel 18,6 Prozent seines Einkommens in die Rentenversicherung.

Bei Selbstständigen mit unsicheren oder wechselnden Einkünften kann das zu einer finanziellen Belastung werden. Zudem ergibt dieser Betrag nur eine geringe Rente. „Die Absicherung der pflichtversicherten Selbstständigen ist oftmals unzureichend, denn der Regelbeitrag führt häufig nur zu einer Rente in Höhe von 900 Euro“, sagt Sally Peters vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF).

Freiberufler, die in sogenannten Kammerberufen arbeiten, sind pflichtversichert. Dazu zählen Ärzte, Apotheker, Architekten oder Rechtsanwälte. „Angehörige dieser Berufe zahlen einkommensabhängige Pflichtbeiträge und bauen damit über die Jahre in der Regel auskömmliche Altersrenten auf“, erklärt Peters.

Auch freiberufliche Lehrer müssen Beiträge leisten

Wer freiberuflich als Lehrer beschäftigt ist und im Monat mehr als 450 Euro verdient, muss Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Darauf macht die Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin aufmerksam. Eine Lehrtätigkeit umfasst dabei nicht nur die Arbeit an Schulen: Was zählt, ist die Übermittlung von Wissen und Fähigkeiten im Gruppen- oder Einzelunterricht.

Neben der klassischen Nachhilfe für Schüler zählt deshalb zum Beispiel das Unterrichten von Sport- und Gesundheitskursen, von Kreativlehrgängen oder in einer Fahrschule dazu. Auch das selbstständige Arbeiten als Coach oder Trainer gilt als eine Lehrtätigkeit. Innerhalb von drei Monaten nach Beginn müssen freiberufliche Lehrer ihre Tätigkeit bei der gesetzlichen Rentenversicherung melden.

Selbstständige Lehrer, die monatlich maximal 450 Euro verdienen, müssen keinerlei Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung leisten. Doch schon ab einem Verdienst von 450,01 Euro im Monat sind sie verpflichtet, in die Rentenversicherung einzuzahlen.

Anders als die gesetzliche Rentenversicherung legen Versorgungswerke die Beiträge ihrer Mitglieder am Kapitalmarkt an. „Dabei zahlt jeder Versicherte für seine eigene Rente ein“, erklärt Sara Zinnecker vom Verbraucherportal Finanztip. Wenn die derzeitige Niedrigzinsphase anhält, könnten die Renten aus den Versorgungswerken allerdings niedriger ausfallen.

Eine deutlich höhere Anzahl von Selbstständigen muss sich freiwillig versichern. Ihnen bleibt es überlassen, ob sie ihre Vorsorge frei gestalten oder in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Künftig soll sich das ändern: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will eine Altersvorsorgepflicht für nicht abgesicherte Selbstständige einführen und dafür Ende dieses Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen.

Gesetzliche Rentenversicherung lohnt sich

Bis dahin gilt: „Selbstständige, die sich für die gesetzliche Rente entscheiden, haben die Wahl“, erklärt Katharina Henrich von der Stiftung Warentest. „Sie können sich freiwillig in der Rentenversicherung versichern oder auf Antrag pflichtversichern.“ Beides hat Vor- und Nachteile. Wer sich in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, erhält Riester-Förderung, und seine Beitragszeiten zählen ohne Einschränkungen für eine Frührente.

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Die Rentenkasse ist an der Grenze ihrer Belastbarkeit

Außerdem sichert er sich Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente. Dafür fehlt die Flexibilität, denn der Antrag auf Pflichtversicherung kann nur innerhalb der ersten fünf Jahre der Selbstständigkeit gestellt werden. Zudem ist der Beitrag fix: entweder 18,6 Prozent des Arbeitseinkommens oder der Regelbeitrag. Zudem gilt: Wer sich einmal für die Pflichtversicherung entschieden hat, muss darin bis zum Ende der Selbstständigkeit bleiben.

Nur mit freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenkasse können sich Versicherte keinen Anspruch auf Riester-Förderung oder eine Erwerbsminderungsrente sichern, haben dafür aber mehr Spielraum. „Sie können zwischen Mindest- und Höchstbeiträgen wählen, und es ist möglich, wenn das Geld sehr knapp wird, die freiwillige Versicherung auch wieder zu beenden“, erklärt Henrich.

Basisrente lohnt sich ebenfalls

Eine weitere Vorsorgevariante ist die Rürup-Rente, die als Basisrente gilt und staatlich gefördert wird. Beitragszahler können die Vorsorgeaufwendungen in 2019 mit 88 Prozent von der Steuer absetzen. Das macht diese Form für gut verdienende Selbstständige interessant. Zudem gibt es die Möglichkeit, deutlich höhere Beiträge einzuzahlen als bei der gesetzlichen Rentenversicherung und damit das zukünftige Altersgeld aufzubessern.

Von RND/dpa