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Wirtschaft Mit der Mehrwegbox in den Supermarkt
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14:04 17.10.2017
Keine Extraverpackungen mehr für Wurst und Käse: Die Ware kommt in die selbst mitgebrachten Behälter der Kunden. Quelle: Illustration: RND/Patan
Berlin

Was in zwölf baden-württembergischen Edeka-Märkten unter der Leitung des Händlers Dieter Heber bereits zur Routine geworden ist, haben jetzt auch drei selbstständige Rewe-Kaufleute im Raum Dortmund begonnen: Anstatt Käse, Fleisch und Wurst wie gehabt in Folie und kleine Extratütchen zu verpacken, bieten die Händler ihren Kunden an, die Ware in selbst mitgebrachte Behälter zu füllen.

Theoretisch hat diese Möglichkeit schon immer bestanden, ihre praktische Umsetzung sorgte jedoch bislang meist für Verwirrung. Ein Selbstversuch im Biosupermarkt um die Ecke ergab: Auch nach der Bitte, den Wurstaufschnitt in die selbst mitgebrachte Plastikdose zu füllen, war der Verkäufer wie immer freundlich und zuvorkommend, wirkte zugleich aber auch etwas überfordert. „Wir unterstützen es, wenn jemand Verpackung einsparen möchte“, sagte er. Aber dann wusste er nicht so genau, wie er den Kassenbon am Behälter befestigen sollte, und fragte sich, ob er wohl alles hygienisch korrekt mache.

Und was ist mir der Hygiene?

Auch die Führung der Rewe Gruppe reagiert zunächst mit Zurückhaltung: „Auf Kundenwunsch und in Eigeninitiative“ hätten die Rewe-Märkte die Aktion gestartet, bestätigt eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage. Nun müssten Kunden, Kaufleute sowie die Lebensmittelüberwachungsbehörden Erfahrungen damit sammeln. „Denn es gibt bundesweit keine einheitliche Empfehlung dazu, ob oder in welcher Form eine Annahme von mitgebrachten Behältern und die Befüllung durch das Verkaufspersonal erfolgen darf.“

Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe kennt diese Problematik. Zugleich stellt er klar: „Grundsätzlich gibt es in Deutschland kein Verbot, sondern lediglich ein paar Dinge, die man beachten sollte. Das Personal sollte unter anderem darauf achten, dass der Behälter sauber und leer ist und dass er nicht mit anderen Geräten in Berührung kommt.“ In jedem Fall sei es zu empfehlen, sich an die zuständigen Behörden für Lebensmittelsicherheit zu wenden und vor Ort den ganzen Ablauf gut zu dokumentieren, um den hygienisch einwandfreien Umgang mit dem privat mitgebrachten Behälter belegen zu können.

Wie der baden-württembergische Edeka-Kollege haben die Rewe-Kaufleute in Nordrhein-Westfalen darum ein einfaches Verfahren etabliert, um alle Hygienevorgaben einzuhalten: Der Kunde stellt seine mitgebrachte Box auf ein spezielles Tablett, das Verkaufspersonal nimmt es entgegen und befüllt die Dose mit der gewünschten Menge an Aufschnitt. Schließlich bekommt der Kunde das Tablett zurückgeschoben und verschließt den Behälter. So soll gewährleistet werden, dass nichts, was der Kunde selbst mitbringt, in den Bereich hinter der Theke gelangt.

Günstigerer Kaffee im Mehrwegbecher

Ähnlich funktioniert das Prinzip der Better-World-Cup-Bewegung, einer Berliner Initiative der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der Stadtreinigung und verschiedener Unternehmen und Institutionen aus Umwelt und Wirtschaft. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Menschen zur Nutzung von Mehrwegbechern zu animieren und die Verkaufsstellen zu überzeugen, ihre Heißgetränke bei Befüllung zu einem günstigeren Preis anzubieten. In mehr als 500 Filialen in Berlin, darunter die Bäckereikette Steinecke sowie die Biosupermarktketten Denn’s und Bio Company, können Kunden sich mittlerweile Kaffee und andere Heißgetränke in den selbst mitgebrachten Becher abfüllen lassen. Und die Anzahl an teilnehmenden Unternehmen wächst.

„Better World Cup“: Viele Berliner Verkaufsstellen füllen Getränke bereits in Mehrwegbecher ab. Quelle: dpa

Außer-Haus-Essen im Edelstahlbehälter

Auch im Bereich des Außer-Haus-Konsums tut sich etwas. Der Berliner Mustafa Demirtas, Erfinder der Eco Brotbox aus Edelstahl, hat zusammen mit zwei Mitstreiterinnen das Tiffin Projekt gestartet: Teilnehmende Restaurants verzichten dabei auf Plastikverpackungen und befüllen für ihre Kunden stattdessen einen mehrlagigen Behälter aus Edelstahl, den diese für eine Leihgebühr von 50 Cent mit nach Hause nehmen können. „Bis jetzt haben wir nur sehr positive Rückmeldungen bekommen“, so Projektleiterin Anna Behrendt. Alle Restaurants, die schon mitmachen, seien von selbst auf sie zugekommen. „Jetzt sind wir gerade in der Phase, aktiv Akquise zu betreiben, damit wir uns auch deutschlandweit etablieren.“ Behrendt glaubt daran, dass sich auch in Zukunft noch mehr Menschen mit dem Thema Müllvermeidung befassen: „Der Trend geht auf jeden Fall dahin, dass die Leute sich mehr Gedanken machen. Die Sensibilität wird immer größer.“

Philipp Sommer freut sich, dass sich mittlerweile auch große Händler dafür einsetzen, weniger Müll zu produzieren. „Verpackungsfreie Supermärkte sind aktuell eine kleine Nische, aber mit dem interessanten Aspekt, dass zunehmend auch größere Supermärkte das Konzept in Teilen übernehmen.“ Immer öfter stellen Händler für bestimmte Produkte größere Gebinde auf, aus denen Kunden sich ihre gewünschten Mengen abfüllen können. Noch arbeiten sie dabei meistens mit kleinen Plastiktütchen, aber Sommer ist optimistisch, dass Kunden wie Händler weiter lernen werden: „Wichtig ist die Kommunikation, dass es für Kunden beim Einkauf selbstverständlich wird, den eigenen Behälter mitzubringen und auf unnötige Einwegverpackungen zu verzichten.“

Müll vermeiden beim Einkauf

Bringdienste, Außer-Haus-Konsum und Singleverpackungen tragen ihren Teil dazu bei, dass Deutschland europaweit den meisten Verpackungsmüll produziert. Beim täglichen Einkauf kann man jedoch ganz einfach Müll sparen.

Mit Beutel zum Bäcker: Brötchentüten sind nicht das Schlimmste, es geht aber auch ohne. Einfach den eigenen Stoffbeutel mitbringen und sich die Ware einfüllen lassen.

Groß verpackt statt klein portioniert: Wer weiß, dass er Produkte wie Seife oder Waschmittel lang und häufig nutzt, kann gleich zur großen Packung greifen, anstatt mehrmals hintereinander die kleine Größe zu kaufen. Besonders viel Müll machen Gummibärchen, Schokoriegel und Co. in kleinen Tütchen.

Pfandflasche statt Tetrapak: Das Recycling von Tetrapaks klappt deutlich schlechter als gemeinhin kommuniziert. Darum bei Milch und Joghurt besser bei Pfandflasche und Pfandglas bleiben.

Auf Recyclingmaterialien achten: Am besten sind Verpackungen, die aus recycelten Materialien bestehen und auch wieder für die Herstellung derselben genutzt werden.

Von Alena Hecker/RND

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