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Wirtschaft Middelhoff muss zurück auf die Anklagebank
Nachrichten Wirtschaft Middelhoff muss zurück auf die Anklagebank
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09:28 11.05.2017
Wegen Anstiftung zur Untreue muss sich der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wieder vor Gericht verantworten. Quelle: dpa
Essen

Thomas Middelhoff hätte sich seinen 64. Geburtstag sicher schöner vorstellen können. Doch ausgerechnet an seinem Ehrentag an diesem Donnerstag muss der frühere Topmanager noch einmal auf der Anklagebank im Essener Landgericht Platz nehmen.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Bochum: Anstiftung zur Untreue. Es geht um knapp 2,3 Millionen Euro, die der Aufsichtsrat ihm als damaligen Arcandor-Chef auf sein Drängen hin als Sonderbonus zugebilligt haben soll, als er aus der Unternehmensführung ausschied. Wenige Monate später war der Konzern pleite.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

Mit auf der Anklagebank sitzen sechs ehemalige Aufsichtsratsmitglieder. Ihnen legt die Staatsanwaltschaft in der 633 Seiten umfassenden Anklageschrift Untreue zur Last: wegen der Erfolgsprämie für Middelhoff, aber auch wegen einer ähnlichen Zahlung an den früheren Finanzvorstand des Konzerns. Die Manager hätten keinen Anspruch auf das Geld gehabt und die Zahlungen hätten für das Unternehmen auch wirtschaftlich keinen Nutzen gebracht, meint die Staatsanwaltschaft.

Unter den angeklagten Aufsichtsräten sind der ehemalige Chef des Kontrollgremiums, Friedrich Carl Janssen, und der Ehemann der Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz, Leo Herl. Untreue, aber auch die Anstiftung dazu kann mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Urteil wird erst im Winter erwartet

Die Middelhoff-Verteidigerin Anne Wehnert, weist den Vorwurf der Anstiftung zur Untreue allerdings entschieden zurück. „Wir sind zuversichtlich, dass die Beweisaufnahme die Vorwürfe rasch widerlegen wird“, sagt sie. Auch der Verteidiger von Friedrich Carl Janssen, Björn Gercke, ist „sicher, dass das Verfahren mit einem Freispruch endet“. Der Anwalt von Leo Herl wollte sich vor Beginn des Verfahrens nicht zu den Vorwürfen äußern. Insgesamt sind für den Prozess 34 Verhandlungstage vorgesehen. Mit dem Urteil ist erst kurz vor Weihnachten zu rechnen.

Für Thomas Middelhoff dürfte das Gerichtsgebäude in Essen keine guten Erinnerungen wecken. Erst vor zweieinhalb Jahren wurde er dort in einem spektakulären Prozess wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt. Vor fast genau einem Jahr - am 13. Mai 2016 - trat er die Haft an. Middelhoff verbüßte die Strafe praktisch von Beginn an im offenen Vollzug und arbeitet tagsüber als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt in Bielefeld. Aufgrund der zuvor verbüßten fünfmonatigen Untersuchungshaft könnte er in absehbarer Zeit auf Bewährung entlassen werden.

Von dpa/RND/zys