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Wirtschaft Linde-Aufsichtsrat streitet über Fusion mit Praxair
Nachrichten Wirtschaft Linde-Aufsichtsrat streitet über Fusion mit Praxair
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12:27 01.06.2017
Mehrere Hundert Mitarbeiter des Industriegase-Herstellers Linde-AG demonstrieren am 27. April in München mit Plakaten gegen die geplante Linde-Praxair-Fusion vor dem Gebäude des Unternehmens in der Innenstadt. Quelle: dpa
München/Dresden

Nach der Fusion hätte der Konzern einen Vorstandschef in den USA, 27 Milliarden Euro Umsatz, 60 Milliarden Euro Börsenwert und weltweit 80 000 Mitarbeitern.

Die Aktionäre stehen hinter der Fusion, sie erwarten Synergien von einer Milliarde Euro jährlich. Dagegen befürchten Betriebsrat und Gewerkschaften einen Stellenabbau vor allem in Europa und den Verlust der Mitbestimmung. Sie lehnen die Fusion entschieden ab. Deshalb wird im Aufsichtsrat mit einer sehr langen, strittigen Debatte gerechnet.

Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle will die Fusion durchsetzen und bei einem Patt notfalls sein doppeltes Stimmrecht einsetzen. Nicht bekannt ist aber, ob der Dresdner Betriebsratschef Frank Sonntag im Aufsichtsrat mit den anderen Arbeitnehmern stimmt oder sich enthält. Denn Linde will den Standort Dresden mit rund 500 Mitarbeitern schließen, hat aber für den Fall der Fusion eine Standort- und Beschäftigungsgarantie bis 2021 gegeben.

Hintergrund: Die Gasekonzerne Linde und Praxair

Sauerstoff für Klinikpatienten und für Stahlwerke, Kohlensäure für Sprudelwasser und Stickstoff für die Ölindustrie - Linde macht Gase für fast jeden Zweck. Mit 16,9 Milliarden Euro Umsatz, 1,3 Milliarden Euro Gewinn und knapp 60 000 Mitarbeitern ist Linde weltweit die Nummer zwei der Branche. Der französische Konkurrent Air Liquide hat Linde im vergangenen Jahr mit der Übernahme der US-Firma Airgas vom Spitzenplatz verdrängt.

Praxair mit Schwerpunkt in den USA ist weltweit die Nummer drei. Mit 10 Milliarden Euro Umsatz und 26 000 Mitarbeitern ist der Konzern deutlich kleiner. Damit erwirtschaftet Praxair allerdings sogar noch etwas mehr Gewinn als Linde, ist also viel profitabler. Das liegt vor allem an der breiteren Aufstellung von Linde.

Während sich die Amerikaner ihre Gasanlagen von Ingenieursfirmen bauen lassen und dann die Anlagen mit hohem Profit betreiben, baut Linde auch sehr große und komplexe Industrieanlagen selbst. Die Gewinnmargen im Anlagenbau sind aber grundsätzlich viel niedriger als im Gasegeschäft.

Linde beschäftigt in Deutschland 8000 Mitarbeiter, vom Großraum München über Leuna bis Worms am Rhein. Zur Sparte Anlagenbau gehören rund 3500 Beschäftigte in Pullach bei München, Traunstein und Dresden sowie weitere 3500 im Ausland.

Von RND/dpa