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Wirtschaft Für Uber und Taxis müssen die gleichen Regeln gelten
Nachrichten Wirtschaft Für Uber und Taxis müssen die gleichen Regeln gelten
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18:55 12.04.2019
Taxifahrer müssen sich auf heftigere Konkurrenz einstellen. Quelle: Seth Wenig/AP/dpa
Berlin

Zur Mentalität von US-Startups gehört, dass sie maximal aggressiv in neue Märkte vordringen und alte Geschäftsmodelle über den Haufen werfen: Disruption wird das genannt. Der Fahrdienstvermittler Uber ist ein Musterbeispiel dafür. In den vergangenen zehn Jahren hat das Unternehmen das Gewerbe der Personenbeförderung komplett umgekrempelt.

Geschieht das bald auch in Deutschland? Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will wichtige Elemente des deutschen Personenbeförderungsgesetzes liberalisieren. So soll die sogenannte Rückkehrpflicht für Mietwagendienste aufgehoben werden. Die Fahrer könnten dann unterwegs Fahrgäste einsammeln – wie Taxis. Deutschlands Taxifahrer befürchten bereits, dass bald auch ihr Geschäft einen disruptiven Totalschaden erleidet.

Fest steht nur: Es wird sich etwas bewegen müssen. Deutschlands Regelwerke für Taxis stammen aus Zeiten, als tatsächlich noch Droschken mit Pferden davor unterwegs waren. Um Ordnung in den Städten zu schaffen, regulierten die Bürgermeister die Zahl der Fahrzeuge durch die Vergabe von Konzessionen. Heute, in der Ära des Smartphones und der Vernetzung von Fahrzeugen, sind viele der alten Regulierungen anachronistisch geworden. Die Rationierung des Angebots an Fahrzeugen durch Konzessionen bremst neue Geschäftsmodelle. Neue, flexible Preise könnten den Wettbewerb und damit intelligente neue Lösungen befördern – etwa moderne hybride und flexible Sammelsysteme, die eine Mischung aus Taxi- und Busbetrieb wären.

Eine App für alles

Die Plattform Didi Chuxing zeigt in China bereits, wie das geht. Eine App für alles: Vom E-Tretroller bis zum Miet-Lkw-Service. Zu Bussen und Bahnen könnten künftig ergänzend neue Angebote mit Kurzzeitmieten von Elektroautos, Elektrofahrrädern oder Elektrorollern kommen, die ein enges Netz von Angeboten bilden, das es für Stadtbewohner überflüssig macht, ein eigenes Auto zu besitzen.

In solch einer neuen Welt können auch Taxi-Unternehmer durchaus bestehen. Sie müssen sich allerdings auf härtere Konkurrenz gefasst machen. Wobei fairer Wettbewerb und Sicherheit für Fahrgäste nur dann gegeben sind, wenn für alle die gleichen Regeln gelten.

Egal ob Uber oder Taxi: Selbstverständlich müssen die Fahrer ihre Qualifikation nachweisen, ihre Eignung muss regelmäßig überprüft werden. Natürlich muss auch die Verkehrssicherheit der Autos ständig überprüft werden. Und es ist keine Frage, dass es bei den Preisen Ober- und Untergrenzen geben muss. Obergrenzen, um Wucher zu verhindern, wenn Fahrgäste dringend auf den Wagen angewiesen sind, der sie nachts nach Hause bringt. Und Untergrenzen, um Preisdumping und Ausbeutung der Fahrer zu verhindern.

Von Frank-Thomas Wenzel