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18:00 07.12.2016
Bei Handwerkerportalen können sich Betriebe auf Aufträge von Privatleuten bewerben. Dabei muss nicht der günstigste den Zuschlag bekommen. Quelle: dpa
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Hannover

Das Bad soll neu gefliest werden? Die Waschmaschine ist kaputt? Die zwei großen Bäume im Garten brauchen einen Beschnitt? Handwerkerportale wie My-hammer.de oder Blauarbeit.de versprechen, schnell und unkompliziert den richtigen Handwerker zu finden. Auch Kfz-Mechaniker für die Autoreparatur, Umzugshelfer und Reinigungskräfte bieten sich auf den Internetseiten an. Doch diese Art der Auftragsvergabe hat auch Tücken. Ein Überblick.

Wie funktionieren Handwerkerportale?

Wer einen Auftrag zu vergeben hat, schreibt diesen auf der Internetseite eines Portals aus. Der Auftraggeber sollte möglichst präzise erklären, was genau zu tun ist, er kann auch Fotos hochladen und gibt seinen Wohnort und den Fertigstellungstermin an. Handwerker können die Aufträge sehen und sich mit einem Kostenvoranschlag bewerben. Der Auftraggeber kann die Angebote dann anhand des Preises und des Leistungsumfangs vergleichen. Außerdem haben die Handwerker auf den Portalen Profile angelegt, auf denen sie mit Arbeitsproben für ihren Betrieb werben. Frühere Kunden können dort auch Bewertungen abgeben – die dem neuen Auftraggeber bei der Entscheidung helfen. Entspricht keines der Angebote den Erwartungen des Kunden, muss er auch keinem Handwerker den Zuschlag erteilen. Der Auftrag verfällt dann.

Kostet mich das etwas?

Nein, die Einstellung von Aufträgen ist kostenlos. Auch die Vermittlung kostet keine Gebühren. Die Betreiber der Internetportale leben von den monatlichen Beiträgen, die die Handwerker zahlen müssen, um Angebote abgeben zu können. Bei My-hammer.de kostet die Mitgliedschaft für Handwerker regulär 59,90 Euro im Monat. Bei Blauarbeit.de gibt es das Basisangebot für 14,90 Euro im Monat.

Was ist der Vorteil?

Experten empfehlen, sich zumindest bei größeren Projekten zwei bis fünf Kostenvoranschläge einzuholen. Das kann über ein Handwerkerportal schneller und einfacher gehen – denn Nutzer müssen nur einmal einen Auftrag ausschreiben und sich nicht durch die Gelben Seiten oder Suchmaschinen wühlen, um dann mit verschiedenen Handwerkern in Kontakt zu treten. Außerdem können die Bewertungen anderer Nutzer helfen, unbekannte Handwerker besser einzuschätzen.

Was ist der Nachteil?

Die Handwerkerportale sind bundesweit unterschiedlich stark aufgestellt. Es kann sein, dass ein Auftraggeber in Berlin viele Angebote von Umzugsfirmen oder Heizungsbauern bekommt, in ländlichen Gebieten aber kein einziges – einfach weil dort kein Betrieb bei dem Portal registriert ist. Bei My-hammer.de sind derzeit bundesweit knapp 17 000 Handwerkerbetriebe angemeldet. Beim stärksten Konkurrenten Blauarbeit.de sind es etwa 4000. Das ergibt bei bundesweit knapp einer Million Handwerksbetrieben eine Quote von etwa 2 Prozent – der Pool, in dem Nutzer von Handwerkerportalen fischen, ist also begrenzt.

Komme ich so günstiger weg?

Nicht unbedingt. Die Portale hatten vor einiger Zeit noch ein anderes Konzept: Damals bekam der günstigste Anbieter den Zuschlag – das hat zu Preisschlachten, aber auch zu vielen Beschwerden über schlechte Arbeit geführt. Deshalb haben die Portale ihr Konzept geändert: Nun entscheidet der Kunde selbst, welchen Handwerker er wählt. Und das muss nicht unbedingt der günstigste sein. Wohnt der Auftraggeber in einem Gebiet mit vielen registrierten Handwerkern, kann er aber wahrscheinlich aus mehreren Angeboten auswählen – und hat so auch gute Chancen auf einen günstigen Preis.

Andererseits kann es für Handwerker auch schwierig sein, ein Angebot aus der Ferne zu erstellen. Denn was ist, wenn ein Kunde falsch gemessen hat oder die Arbeiten am Ende doch größer sind als erwartet? Grundsätzlich dürfen Handwerker um etwa 15 Prozent von ihrem Kostenvoranschlag abweichen. Das sollten Kunden einberechnen.


Wer haftet, wenn der Handwerker Schaden anrichtet?

Der Handwerker selbst. Die Portale vermitteln lediglich den Auftrag, sie übernehmen keine Garantie für die Qualität der erbrachten Leistung. „Wir übernehmen auch keine Haftung für Schäden“, sagt der Gründer von Blauarbeit.de Ramin Ziai. Experten raten Verbrauchern deshalb, immer eine Rechnung vom Handwerker zu verlangen – denn nur so hat man Anspruch auf Gewährleistung. Außerdem sollten sie sich nicht drängen lassen, trotz Mängeln ein Abnahmeprotokoll zu unterschreiben, denn damit bestätigen sie, dass alles in Ordnung ist. Gibt es Probleme mit einer Reklamation, kann man sich an die örtliche Handwerkskammer wenden – dort kümmern sich in der Regel Schlichtungsstellen um Streitfälle.

Von Anne Grüneberg

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