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Nachrichten Wirtschaft Gewerkschaft fordert fairen Umgang mit Zustellern
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12:00 23.11.2018
Schwerstarbeit in der Weihnachtszeit: Transportwagen der Logistikunternehmen DPD, UPS (United Parcel Service) und DHL. Quelle: dpa
Berlin

In einem Plattenbau in Gierstädt bei Gotha (Thüringen) lebten 35 Weißrussen, Ukrainer und Moldawier in einer Unterkunft mit heruntergekommenen Gemeinschaftsduschen. Sie schufteten als Paketfahrer für einen Subunternehmer von Hermes. Im September 2017 durchsuchten 160 Bundespolizisten die Räume und nahmen die illegal arbeitenden Menschen mit. Im August 2018 durchsuchte der Zoll eine Unterkunft in Langenhagen bei Hannover. Hier hausten 60 Fahrer, die für einen Hermes-Subunternehmer arbeiteten. Sie stammten aus Litauen, Weißrussland, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine, von ihnen waren nur 14 ordnungsgemäß angemeldet. Zwei Weißrussen und 31 Ukrainer hielten sich illegal in Deutschland auf. Im November 2018 schlug die Obdachlosenhilfe in Düsseldorf Alarm: Allein in der Landeshauptstadt gäbe es 15 Zusteller ohne festen Wohnsitz, die unter undurchsichtigen Bedingungen bei einem Hermes-Subunternehmer beschäftigt seien.

Die Arbeitsbedingungen für Paketboten sind oft schlecht, zum Teil sogar illegal. Nur DHL und UPS fahren mit angestellten Paketboten. Paketdienste wie Hermes, DPD und GLS haben kaum oder gar keine eigenen Zusteller. GLS hat noch nicht einmal einen Betriebsrat. Sie setzen für die Zustellung auf Subunternehmer. Auch Amazon tut das bei seinen Amazon-Logistics-Fahrern.

„Es breitet sich inzwischen wie ein Darknet in der Paketbranche aus“: Andrea Kocsis, stellvertretende Vorsitzende von Verdi. Quelle: dpadpa

Diese Subunternehmer sind meist nicht im Arbeitgeberverband. Tariflöhne gelten nicht. Kommen Skandale ans Licht, trennt sich der Dienstleister von seinem Subunternehmer, doch das System scheint weiter zu bestehen. „Es breitet sich inzwischen wie ein Darknet in der Paketbranche aus“, sagt Andrea Kocsis, Vizevorsitzende der Gewerkschaft Verdi. „Das ist für Beschäftigte und Verbraucher unerträglich. Hier muss der Gesetzgeber einschreiten und die Unternehmen in die Verantwortung nehmen.“ Kocsis fordert eine Nachunternehmerhaftung, wie sie in der Bau- und Fleischereibranche bereits besteht. Damit würde der Auftraggeber auch für die Sozialversicherungsbeiträge seiner Subunternehmer haften.

Immer wieder werden auch Verträge bekannt, bei denen Paketfahrer pro ausgelierter Sendung bezahlt werden – das verstößt oft gegen den Mindestlohn und ist illegal.

Verdi-Vize Kocsis fordert die Zustellfirmen gerade im Weihnachtsgeschäft auf, fair mit den Paketboten umzugehen: „Die Zeit vor Weihnachten ist für die Paketzusteller Schwerstarbeit. Hier sind die Arbeitgeber dringend gehalten, ihre Beschäftigten nicht zu überfordern und die Arbeitsschutzregeln einzuhalten, wie die täglichen Höchstarbeitszeiten“, sagt die Gewerkschafterin.

Doch immer mehr Sendungen müssen in eng begrenzten Lieferfenstern von ein oder zwei Stunden beim Kunden sein. Das führt bei den Boten zu Stress und Leerlauf zugleich.

Von Jan Sternberg

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