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Wirtschaft Gebühren fürs Geldabheben auch bei Volksbanken
Nachrichten Wirtschaft Gebühren fürs Geldabheben auch bei Volksbanken
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19:56 03.04.2017
Bei etwa 150 der rund 1000 Volks- und Raiffeisenbanken können je nach Kontomodell Gebühren fürs Geldabheben anfallen. Quelle: dpa
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Frankfurt/Berlin

Neben den Sparkassen verlangen noch weitere Banken Gebühren von einem Teil ihrer Kunden, wenn diese am Automaten Geld abheben. Das ergab eine Untersuchung des Finanzportals biallo.de. Demnach berechnen etwa 150 der 1000 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland Geld fürs Geldabheben. Es handle sich vor allem um Geldhäuser in ländlichen Gegenden, schreibt biallo.de.

Das Finanzportal nennt mehrere Beispielbanken. Betroffen sind Kunden, die ein bestimmtes Kontomodell gewählt haben. Sie könnten pro Monat fünf- oder sechsmal kostenlos Geld am Automaten ihrer Bank abheben. Danach würden Gebühren fällig. Die Gebühren lägen zwischen 0,49 und 0,60 Euro pro Abhebung am Geldautomaten.

„Für Kunden kann sich das lohnen“

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass bei 40 der knapp 400 Sparkassen in Deutschland je nach Kontomodell Gebühren von 0,19 bis 1,00 Euro für Geldabheben anfallen. Manche gewähren ihren Kunden im Monat bis zu fünf kostenlose Abhebungen am Geldautomaten. Danach fallen die Gebühren an. Nach Angaben von Biallo sind mit München und Chemnitz auch größere Sparkassen dabei. Hannover ist dagegen nicht betroffen.

Aber nur wer ein entsprechendes Kontomodell wähle, zahle wie bei anderen Instituten auch Gebühren für Abbuchungen, betonte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Grundsätzlich sei das Abheben an einem der rund 25.000 Geräte für Sparkassen-Kunden nach wie vor kostenlos, versicherte der Verband.

Ähnlich argumentieren die Volks- und Raiffeisenbanken. Es sei möglich, dass sich Verbraucher für ein Kontomodell entschieden, „das preiswerter ist, weil es zum Beispiel ein monatliches Limit an Freiabhebungen am Geldautomaten vorsieht. Für Kunden, die nicht oft Bargeld abheben, kann sich das lohnen.“

„Es wird immer unübersichtlicher“

„Bankdienstleistungen sind nicht kostenlos – die Verbraucher verstehen und akzeptieren das auch“, sagte der Präsident des Genossenschaftsverbandes, Michael Bockelmann, jüngst. „Dass Konten auch etwas kosten, ist in Ordnung“, sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. „Aber wir fordern von der Politik, Verbraucher vor Willkür beim Anheben der Kosten zu schützen.“

„Es gibt Sparkassen, die günstige Konten anbieten und trotzdem fürs Abheben am Automaten innerhalb der roten Gruppe keine Gebühren verlangen“, sagt Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Entscheidend ist aus ihrer Sicht, dass Kunden genau darüber informiert werden, was die Vor- und Nachteile eines bestimmten Kontomodells sind und wofür sie welche Gebühren zahlen müssen. Das Problem: „Es wird immer unübersichtlicher und schwieriger, Konten zu vergleichen.“

Kunden sollen ihr Verhalten ändern

Nach Einschätzung von Dirk Schiereck, Professor an der TU Darmstadt, geht es den Finanzinstituten auch darum, das Verhalten der Kunden zu ändern. Einzelhandel und Banken seien sich darin einig, dass Bargeld teurer sei und es für sie besser wäre, wenn mehr Kunden mit Karte oder per Handy bezahlten, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Deshalb versuchten Banken und Sparkassen, die Kunden vom Bargeld wegzulocken.

Bei den privaten Instituten der sogenannten Cash Group – Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank und Postbank – ist die Bargeldversorgung am Automaten für eigene Kunden und die der Gruppe nach wie vor kostenlos. Es gebe aktuell auch keine Pläne dies zu ändern, heißt es bei den Instituten auf Anfrage.

Grundsätzlich bleibt Verbrauchern derzeit nur eins: „Genau hinschauen und die Bank wechseln, wenn die Kosten immer weiter steigen. Es bleibt aber das Risiko, dass auch bei der nächsten Bank die Gebühren steigen werden“, sagt Verbraucherschützer Müller.

Von RND/wer/dpa

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