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Wirtschaft Für Urlauber kann es teurer werden
Nachrichten Wirtschaft Für Urlauber kann es teurer werden
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17:24 02.06.2017
Teures Vergnügen: Bis zu 20 Tage vorher kann der Reiseveranstalter künftig maximal 8 Prozent auf den Preis aufschlagen, wenn er dafür gute Gründe hat. Quelle: dpa
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Berlin

Wenn während der schönsten Wochen des Jahres etwas schiefläuft oder der Veranstalter pleitegeht, sollen Urlauber ab Juni 2018 besser geschützt sein. Doch die Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutschland, die der Bundestag in der Nacht zu Freitag verabschiedet hat, sorgt für Unmut – vor allem bei Verbraucherschützern. So dürfen Reiseveranstalter künftig die Preise bis zu 20 Tage vor Reisebeginn um bis zu 8 Prozent anheben.

Warum gibt es überhaupt eine Gesetzesänderung?

Durch die Richtlinie sollen die Spielregeln innerhalb der EU weitgehend vereinheitlicht werden. Ein weiterer Grund ist das geänderte Buchungsverhalten der Urlauber. Viele Sonnenhungrige stellen sich einzelne Teile ihres Trips – Flug, Unterkunft oder Mietauto – inzwischen selbst im Internet zusammen, anstatt wie in der Vergangenheit komplett bei einem Veranstalter zu buchen. Für diese Fälle schafft der Gesetzgeber eine neue Kategorieden namens „verbundene Reiseleistungen“. Damit sind auch Online-Reisevermittler rechtlich erfasst.

Was haben Verbraucher davon?

Wenn der Kunde sich über einen Vermittler verschiedene Bausteine einer Reise zusammenstellt, hat er künftig mehr Rechte. Die „verbundene Reiseleistung“ ist aber immer noch weniger geschützt als die klassische Pauschalreise. Dennoch ist der Vermittler (also zum Beispiel Internetportale wie etwa Opodo oder Expedia sowie Reisebüros) zu Folgendem verpflichtet:

1. die Zahlungen des Reisenden vor Insolvenz schützen.

2. die Rückbeförderungsmöglichkeit des Reisenden gewährleisten.

3. spezielle Informationspflichten erfüllen (hierfür sieht die Richtlinie spezielle Informationsblätter vor).

Außerdem gewährt das neue Gesetz dem Reisenden mehr Zeit, Mängel anzuzeigen. Bisher musste der Urlauber innerhalb eines Monats aktiv werden. Künftig hat er bis zu zwei Jahre nach Reiseende Zeit.

Hat das Gesetz auch Nachteile für die Urlauber?

Ja. Das Gesetz macht Zugeständnisse beim Thema Preiserhöhung. So können Reiseveranstalter bis zu 20 Tage vor Reiseantritt Aufschläge von bis zu 8 Prozent geltend machen – bisher sind es 5 Prozent. Die Erhöhung muss sich allerdings unmittelbar aus gestiegenen Treibstoffkosten, Abgaben oder aus Wechselkurseffekten ergeben. Bei Erhöhungsklauseln im Vertrag dürfen Kunden im Gegenzug Preissenkung fordern, wenn diese Posten billiger werden – was die Urlauber nachweisen müssen.

Was ist mit Ferienhäusern und Tagesausflügen?

Der ursprünglich geplante Schutz für Urlaub in Ferienhäusern entfällt. „Geht der Ferienhausanbieter pleite, ist die meist recht hohe Anzahlung weg. Im Falle eines Reisemangels wird der Gast auch keinen Schadensersatzanspruch wegen entgangener Urlaubsfreude haben“, erläutert Felix Methmann vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Auch bei Tagesreisen gebe es gravierende Änderungen zum Nachteil der Verbraucher. Methmann zufolge fallen etwa 95 Prozent dieser Trips künftig aus dem bewährten Reiserechtsschutz heraus – Ausnahmen sind Tagesreisen ab einem Wert von 500 Euro. „Der normale Tagesreisende ist in Zukunft weder vor der Insolvenz des Reiseanbieters geschützt, noch wird er ein Recht auf Notfallbetreuung haben“, kritisiert der Experte. „Die EU-Richtlinie lässt in beiden Fällen höhere Standards zu, doch der deutsche Gesetzgeber hat sich für starke Einschnitte in den Verbraucherschutz entschieden.“

Was bedeuten die Änderungen für die Reisebüros?

Der Branchenverband DRV kritisiert zusätzlichen Aufwand: „Insgesamt wird sich durch die neuen Rechtsvorschriften die Komplexität im Reisevertrieb in allen Vertriebskanälen leider ohne Not weiter erhöhen“. Dennoch ist die Branche erleichtert. Zunächst hatten Reisebüros befürchtet, künftig wie ein Pauschalreise-Veranstalter haften zu müssen, wenn sie Urlaubern Einzelbausteine wie Flug und Hotel im Paket vermitteln. Um das zu vermeiden, hätte der Kunde jedes einzelne Element getrennt bezahlen müssen. Der DRV machte unter anderem mit einer Unterschriftenkampagne dagegen mobil – mit Erfolg. Bei getrennten Leistungen auf getrennten Rechnungen reicht es nun, nur einmal die EC-Karte durchzuziehen.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Bundesrat muss sich noch mit dem Gesetz befassen. Verbraucherschützer hoffen, dass sich die Ländervertreter dafür einsetzen, dass Tagesreisen und Ferienhäuser weiter unter das Reiserecht fallen. „Gerade in unserem reisefreudigen Land dürfen deutsche Urlauber nicht um ihre jahrzehntelang bewährten Rechte gebracht werden“, mahnt vzbv-Chef Klaus Müller in einem Schreiben an die Ministerpräsidenten.

Von Friederike Marx und Anne Grüneberg/RND

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