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Wirtschaft Franzosen übernehmen Werkstattkette ATU
Nachrichten Wirtschaft Franzosen übernehmen Werkstattkette ATU
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19:47 08.12.2016
Dem oberpfälzischen Unternehmen ATU aus Weiden droht keine Insolvenz mehr. Quelle: dpa
Weiden

Im zähen Ringen um die Zukunft der angeschlagenen Autowerkstattkette ATU mit rund 10.000 Beschäftigten ist eine Einigung erzielt worden. „Das ist eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung und ein Sieg der Vernunft“, sagte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Donnerstagabend. Mit der Einigung ist die entscheidende Hürde für die geplante Übernahme durch den französischen Konzern Mobivia genommen. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Monatelang war verhandelt worden, zuletzt stand die Einigung auf der Kippe, es drohte sogar die Insolvenz. Mobivia ist nach eigenen Angaben mit rund 11.000 Mitarbeitern und 1,76 Milliarden Euro Umsatz Marktführer in Europa.

Die Franzosen hatten bereits im September einen Kaufvertrag unter Vorbehalt unterschrieben. Der Knackpunkt waren jedoch die bisherigen, hohen Mieten für die Werkstätten. Mobivia war zunächst nicht bereit, Mietverträge für knapp die Hälfte der rund 600 Niederlassungen zu übernehmen. Nachdem die Immobiliengesellschaften marktübliche Mieten in Aussicht stellten, hatten sie zuletzt eine Sonderzahlung von 100 Millionen Euro gefordert. Hinter dem niederländischen Vermieter Lino stecken als Kreditgeber unter anderem die Deutsche Bank sowie Hedgefonds.

ATU drohte Insolvenz

Am 17. November war bei ATU deshalb eine Notgeschäftsführung eingesetzt worden. Eine Frist für eine Einigung galt bis Donnerstag um Mitternacht. Hätten sich die Beteiligten nicht geeinigt, hätte ATU eine Insolvenz gedroht. „Heute ist ein großer Tag für ATU und damit für Weiden – und für die ATU-Mitarbeiter ein vorgezogener Heiliger Abend“, sagte der Oberbürgermeister von Weiden, Kurt Seggeweiß (SPD) der Zeitung „Der Neue Tag“.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte die Beteiligten zur Vernunft aufgerufen. „Ich appelliere an die Verhandlungspartner, insbesondere das Management der Deutschen Bank, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden“, hatte Aigner am Donnerstag mitgeteilt. Eine Insolvenz kenne keine Gewinner und gefährde 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland. „Ich habe kein Verständnis für Machtpoker auf dem Rücken der Arbeitnehmer.“

Mobivia bisher nicht in Deutschland vertreten

ATU wurde 1985 von Peter Unger gegründet und betreibt heute 577 Werkstätten in Deutschland, 25 in Österreich und 6 in der Schweiz. Nach vielen Eigentümer- und Chefwechseln gehört ATU derzeit noch einer Investorengruppe um den Hedgefonds Centerbridge.

Nach Unternehmenskreisen musste ATU für knapp die Hälfte der Niederlassungen bis zu 12 Euro Miete pro Quadratmeter zahlen statt marktüblicher 4 Euro. Für das Geschäftsjahr 2016/17 hatte ATU einen Jahresumsatz von knapp einer Milliarde Euro angepeilt, was nach Jahren schrumpfender Erlöse erstmals wieder einen leichten Anstieg bedeuten würde.

Die französische Werkstattkette Mobivia ist nach eigenen Angaben mit rund 11.000 Mitarbeitern und 1,76 Milliarden Euro Umsatz Marktführer in Europa. In Deutschland ist der Konzern bisher nicht vertreten.

Von RND/dpa

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