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Wirtschaft Faule Kredite belasten die Bilanzen der Hellas-Banken
Nachrichten Wirtschaft Faule Kredite belasten die Bilanzen der Hellas-Banken
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14:43 25.10.2017
Die wichtigen griechischen Banken haben das Schlimmste überstanden. Von Normalität sind sie aber noch weit entfernt. Quelle: dpa
Athen

Im Sommer 2015 steuerte der Links-Premier Alexis Tsipras mit seiner Konfrontationspolitik gegenüber den internationalen Gläubigern den griechischen Finanzsektor an den Rand des Zusammenbruchs. Inzwischen haben die Institute das Schlimmste überstanden. Nach sieben Verlustjahren werden die systemrelevanten Banken in diesem Jahr wieder Gewinne ausweisen.

Auch die Liquidität verbessert sich. Die Geldhäuser haben ihre Abhängigkeit von den Not-Liquiditätshilfen der Notenbank (ELA) von 86,8 Milliarden Euro Mitte 2015 auf inzwischen 28,5 Milliarden zurückgefahren. Am Dienstag platzierte die Eurobank einen gedeckten Bond über 500 Millionen Euro am Kapitalmarkt. Anfang des Monats hatte bereits die National Bank of Greece mit einer Anleihe 750 Millionen Euro am Markt aufgenommen. Die Rendite der Papiere liegt knapp unter drei Prozent.

Nur noch wenige Monate bis zum Stresstest

Aber von einer Normalität sind die Banken noch weit entfernt. Sie haben in den Krisenjahren fast die Hälfte ihrer Einlagen verloren. Depositen von rund 123 Milliarden Euro stehen derzeit ausgereichten Krediten von knapp 200 Milliarden gegenüber. Prekär ist dieses Missverhältnis vor allem, weil rund die Hälfte der Darlehen notleidend oder ausfallgefährdet ist.

Die Banken sollen den Berg der Problemkredite von derzeit 100 Milliarden Euro bis Ende 2019 auf 66,7 Milliarden abtragen, so die Vereinbarung mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Athener Notenbank. Von Januar bis September konnten die Institute notleidende Darlehen von sechs Milliarden Euro abschreiben oder verkaufen. Bis zum Jahresende sollen weitere zwei Milliarden konsolidiert werden. Nach Informationen aus Branchenkreisen wollen die Banken Anfang 2018 ein weiteres Paket von Problemkrediten im Volumen von rund 5,5 Milliarden Euro an Kreditverwerter veräußern.

Die Banken stehen unter Druck, weil sie sich in wenigen Monaten einem Stresstest der EZB unterziehen müssen. Während die Überprüfung der Banken der Eurozone erst im Herbst 2018 ansteht, beschloss die EZB, die vier griechischen Institute bereits im Februar unter die Lupe zu nehmen. Damit wollen sich die Aufseher ein Bild vom Zustand der Banken verschaffen, bevor Griechenland gegen Ende August 2018 aus dem laufenden Anpassungsprogramm entlassen werden soll. Vor allem der Internationale Währungsfonds (IWF) drängt darauf, rechtzeitig zu klären, ob die Hellas-Banken weitere Kapitalspritzen benötigen. Dafür stehen im dritten Griechenland-Rettungspaket noch 19,6 Milliarden Euro zur Verfügung, die bisher nicht benötigt wurden.

Aktionäre fürchten weitere Staatshilfen

Besorgnisse über die Kapitalausstattung der Banken weist man aber in der Branche weit von sich. Jede Diskussion darüber sei jetzt „reines Gift“, sagt ein führender Manager eines griechischen Geldinstituts. Auch Notenbankchef Yannis Stournaras schließt die Notwendigkeit einer weiteren Rekapitalisierung der Institute kategorisch aus.

In der Finanzbranche gibt es vor allem eine Sorge: Weitere Staatshilfen würden die Anteile der privaten Aktionäre, die ohnehin im Verlauf der Krise bereits Milliarden verloren, weiter verwässern und faktisch zu einer Verstaatlichung der vier großen griechischen Banken führen. Im Verlauf der Krise wurden die griechischen Banken bereits drei Mal mit insgesamt 50,6 Milliarden Euro rekapitalisiert. Davon kamen 22,7 Milliarden von privaten Investoren.

Mit einer Eigenkapitalquote (Tier 1) von rund 17 Prozent im Branchendurchschnitt können die Banken zwar dem Stresstest relativ gelassen entgegensehen. Der Schlüssel zu nachhaltiger Stabilität bleibt aber die zügige Konsolidierung der Problemkredite. Werden weitere Rückstellungen für Kreditrisiken nötig, würde das an der Kapitalbasis der Institute zehren.

Von Gerd Höhler/RND

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