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Fachkräftemangel weitet sich aus

Neue Studie Fachkräftemangel weitet sich aus

Laut einer aktuellen Studie haben immer mehr Unternehmen in Deutschland Probleme, neue Mitarbeiter zu finden. Besonders getroffen vom Fachkräftemangel ist noch immer das Handwerk und technische Berufe.

Neben dem Handwerk herrscht auch für technische Berufe akuter Fachkräftemangel.

Quelle: dpa

Köln. Laut einer aktuellen Studie haben immer mehr Unternehmen in Deutschland Probleme, neue Mitarbeiter zu finden. Zwei von drei Arbeitsplätzen, die eine Berufsausbildung oder ein Studium erforderten, seien derzeit schwer zu besetzen, das ergibt sich aus einer aktuellen Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), die der Rheinischen Post vorliegt. Besonders angespannt ist die Situation demnach in Süddeutschland. Aber auch in Thüringen und einzelnen norddeutschen Regionen fehlten in vielen Berufssparten Fachkräfte.

Viele offene Lehrstellen im Handwerk

Im Juni dieses Jahres wurden etwa 66 Prozent aller Stellen in sogenannten Engpassberufen ausgeschrieben. Das sind all jene Berufe, in denen ein Engpass an Fachkräften herrscht. Im Handwerk, Pflegebereich und technischen Berufen fehlen am meisten ausgebildete Arbeitskräfte. „Wir haben volle Auftragsbücher, können aber teilweise keine Aufträge mehr annehmen, weil das Personal fehlt“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks gegenüber dpa. Mehr als 40 Prozent der Handwerksbetriebe suchten derzeit noch Fachkräfte und Auszubildende, es gäbe noch rund 15.000 offenen Lehrstellen.

Ohne Nachfolger brechen ganze Betriebe weg

Ein Problem sei auch, dass für viele Betriebe ein Nachfolger fehle. „In den kommenden zehn Jahren müssen voraussichtlich um die 200.000 Betriebe übergeben werden“, sagte Wollseifer. „Wenn es da keine Nachfolger gibt, wird ein Betrieb nach dem anderen die Tür schließen, was das Aus für in der Regel vier bis acht Arbeitsplätze bedeutet. Wenn das tausendfach geschieht, dann sind das in der Summe auch Tausende wegbrechende Arbeitsplätze.“

Bildungswandel als Ursache?

Als Ursache für den großen Mangel an Fachkräften nennt Wollseifer den Bildungswandel: Die hohe Studierneigung bei gleichzeitig weniger Schulabgängern pro Jahrgang habe dazu geführt, dass es mittlerweile einen Wettbewerb um jeden Jugendlichen gebe. „Vor zehn Jahren haben wir noch etwa zwei Drittel der Jugendlichen in die Ausbildung bekommen, ein Drittel ging ins Studium. Diese Balance ist weg, deshalb brauchen wir an dieser Stelle eine Bildungsumkehr.“

Auch in anderen Branchen hat sich die Situation zugespitzt. Vor allem in Gesundheits- und Berufen aus dem MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) werden dringend Mitarbeiter mit Fortbildungs- oder Studienabschluss gesucht.

Besonders Süddeutschland betroffen

Laut dem Kölner Institut ist die Situation je nach Region sehr unterschiedlich. In Baden-Württemberg werden inzwischen 83 Prozent aller Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben, in Berlin sind es nur 38 Prozent. Die größte Verschlechterung der Fachkräftesituation gab es in Thüringen und Rheinland-Pfalz. „Insbesondere in ländlichen Regionen fehlt es an Nachwuchskräften, um die zunehmenden Renteneintritte zu kompensieren“, sagte IW-Experte Alexander Burstedde. In den kommenden Jahren werde sich der Wettbewerb um Fachkräfte „weiter verschärfen und damit auch über die Zukunft ganzer Regionen entscheiden“.

Qualifizierte Zuwanderung und Teilzeitbeschäftigung als Lösung

Die Studienautoren haben sich auch Gedanken über mögliche Lösungen gemacht. Als ein gutes Mittel gegen wachsenden Fachkräftemangel geben sie unter anderem Qualifizierte Zuwanderung an. Vor allem Arbeitgeber in den Städten setzten schon jetzt zunehmend auf internationale Fachkräfte. Da diese im Durchschnitt deutlich jünger seien als ihre deutschen Kollegen, milderten sie die Folgen des demografischen Wandels. Zudem gebe es deutliche Fortschritte bei der Beschäftigung von Älteren und Frauen. Durch Teilzeitbeschäftigung ließen sich überdies Mitarbeiter länger im Beruf halten.

Von RND/epd/dpa

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