Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Ein wegweisendes Geschäft: Das Schilderwerk im erzgebirgischen Beutha ist inzwischen zur Nummer drei unter den deutschen Schilderherstellern aufges...

Ein wegweisendes Geschäft: Das Schilderwerk im erzgebirgischen Beutha ist inzwischen zur Nummer drei unter den deutschen Schilderherstellern aufgestiegen

Ob Straßenschilder, Schifffahrtszeichen oder Wegeleitsysteme für die Deutsche Bahn - das Schilderwerk Beutha betreibt ein wegweisendes Geschäft.

Beutha .

Beutha (DNN). Ob Straßenschilder, Schifffahrtszeichen oder Wegeleitsysteme für die Deutsche Bahn - das Schilderwerk Beutha betreibt ein wegweisendes Geschäft. Waren die Erzgebirgler nach der Wende noch ein vergleichsweise kleines Licht in der Branche, ist das Unternehmen mittlerweile zum drittgrößten Schilderhersteller Deutschlands aufgestiegen.

Von Nils Vor den Tharen

Tim Kieß zeigt, wo es langgeht. Der Geschäftsführer schreitet voran, raus aus dem alten viergeschossigen Werksgebäude, in dem schon zu DDR-Zeiten Schilder gefertigt wurden, vorbei an einem kleinen Bach, der auf dem Werksgelände fließt, hinein in eine der beiden modernen neuen Produktionshallen. "Schwabach 4 km" steht auf dem gelben Schild gleich hinter dem Eingangstor, das an einer Werkbank lehnt. Der Geruch von Farbe und Klebstoff liegt in der Luft. Alle paar Sekunden spucken die Maschinen ein neues Schild aus, 300 000 sind es im Jahr, gerade ist ein Parkverbotsschild an der Reihe. Kieß nimmt es genauer unter die Lupe und wirkt zufrieden: Die Qualität stimmt.

"Das Geld, das wir verdienen, haben wir immer wieder in den Betrieb gesteckt. Schritt für Schritt sind wir so vorangekommen", sagt er, während es ein Stockwerk hinauf geht. Dort steht die modernste Maschine der Firma, eine Art Riesendrucker, in den die Beuthaer vor drei Jahren rund 500 000 Euro investierten. Mit dem neuen Verfahren wird die Grafik vom PC direkt auf eine reflektierende Folie gedruckt. Das spare mehrere Arbeitsgänge, sei umweltfreundlicher, sorge für höhere Qualität und mache den Betrieb deutlich flexibler. "Wir können so schneller auf Kundenwünsche reagieren", sagt Kieß. Das Schilderwerk im Erzgebirge war damit einige Jahre Vorreiter in Deutschland.

Vor rund 20 Jahren noch waren die Beuthaer unter den 20 größten Schilderproduzenten Deutschlands die kleinsten. Trotzdem kaufte Tim Kieß' Vater Karl-Heinz den Betrieb, der schon seit 1953 Schilder herstellt, von der Treuhand. Der heute 62-Jährige war zu DDR-Zeiten unfreiwillig in Beutha gelandet. Nach einem privaten Besuch im Westen wurde er in die Außenstelle des Leuchtenkombinats Chemnitz nach Beutha strafversetzt - ein Glücksfall, wie sich später herausstellen sollte. Denn nach der Wende ergriff er die Chance, die Firma zu übernehmen.

Fortan ging es stets bergauf. Arbeiteten 1990 noch 95 Mitarbeiter im Schilderwerk, sind es heute 130. Auch der Umsatz stieg kontinuierlich. Lag er bis Mitte der 90er-Jahre noch bei etwa 20 Millionen Mark, waren es zuletzt rund 18 Millionen Euro - auch, weil die Familie zusammenhält. Karl-Heinz Kieß ist neben seinem Sohn weiterhin als Geschäftsführer im Werk tätig. Eine klare Trennung der Arbeitsbereiche gibt es nicht, sie ist auch nicht nötig. "Wir machen beide alles. Das klappt gut", sagt Tim Kieß, dessen Schwester Jana Kieß die Geschäftsführung komplettiert. Sie verantwortet die Buchhaltung.

Damit ist die Nachfolge bereits geregelt, wenn Karl-Heinz Kieß in einigen Jahren in den Ruhestand geht. Er habe nie daran gezweifelt, in den Betrieb einzusteigen, sagt Tim Kieß. Schon zur Wendezeit machte er ein Schulpraktikum in der Firma, in den Ferien jobbte er dort. Nach der Lehre als Werbetechniker in Ludwigsburg, dem nachgeholten Abitur und dem Betriebswirtschafts-Studium arbeitete er zunächst drei Jahre in einem anderen Betrieb, ehe er im Jahr 2000 ins Schilderwerk zurückkehrte. "Das war ein guter Weg", sagt Kieß. "Dadurch kenne ich jeden Arbeitsschritt."

Die Arbeitsteilung zwischen Jung und Alt schafft auch Freiräume. In Tim Kieß' Büro ist das Hobby des 36-Jährigen unübersehbar. Ein großes Bild, das ihn mit seinem Motorrad vor malerischer Kulisse zeigt, empfängt dort die Besucher. Fast jede freie Minute verbringt er als zweiter Vorsitzender eines Motorsportclubs, Streckenverantwortlicher einer Motocross-Strecke und Chef eines Motocross-Teams mit dem Hobby - weshalb für seine Frau und die beiden Töchter manchmal zu wenig Zeit bleibt, wie er gesteht. "Ich muss aufpassen, dass es nicht zu viel wird", sagt der amtierende Sachsenmeister in der Klasse der Old-Masters, in der alle fahren dürfen, die älter als 35 sind. Aber, fügt er entschuldigend hinzu: "Ich habe das alles nur geerbt". Er lacht. Denn schon sein Vater war im Motocrossverein aktiv. "Wo er mich auch hingeschleppt hat, ob in den Betrieb oder auf die Motocross-Strecke, bin ich halt hängen geblieben."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.04.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Aktien Tops & Flops

SAP 96,97 +1,54%
BMW ST 86,54 +1,33%
LUFTHANSA 30,15 +1,17%
RWE ST 17,23 -6,18%
FRESENIUS... 64,70 -2,03%
DT. BÖRSE 97,58 -1,00%

Wertpapiersuche

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 281,44%
Commodity Capital AF 224,11%
FPM Funds Stockpic AF 100,53%
BlackRock Global F AF 98,00%
Apus Capital Reval AF 95,76%

mehr

  • Digital Abo

    "DNN Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, das Sie überall und rund um die Uhr nutzen können -... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr