Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wirtschaft Die EU trommelt weiter für eine Batterie-Allianz
Nachrichten Wirtschaft Die EU trommelt weiter für eine Batterie-Allianz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:52 12.02.2018
„Wir wollen grüne Batterien“ sagte EU-Energiekommissar Maros Sefcovic in Brüssel. Doch die Hersteller belassen es bei einem Bekenntnis und kaufen weiterhin bei chinesischen Herstellern ein. Quelle: AFP
Brüssel

Sie sind das Kernstück aller Elektroautos: Batterien. 90 Prozent der heutigen E-Fahrzeuge fahren mit Produkten aus Fernost. „Diese Abhängigkeit können wir nicht länger hinnehmen“, sagte EU-Kommissions-Vizepräsident Maros Sefcovic am Montag in Brüssel.

„Wir stehen vor der größten Veränderung der Automobil-Industrie seit ihrem Anfang“, betonte der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig, um die Herausforderung klarzumachen.

Denn nach dem ersten Treffen der im Oktober 2017 neu gegründeten Europäischen Batterie-Allianz war die Industrie zunächst zurückhaltend geblieben. „Wir kaufen bei den besten Lieferanten – und die sitzen heute in Asien“, ließ sich der Einkaufschef eines großen deutschen Herstellers zitieren.

Die Angst vor den Investitionskosten einer eigenen europäischen Produktion (sie werden auf bis zu 20 Milliarden Euro geschätzt) ist groß, zumal diese Summen bei der derzeit noch geringen Zahl an Elektro-Fahrzeugen kaum wieder erwirtschaftet werden könne. Bis 2022, so sagen interne Studien der Automobil-Wirtschaft, werde der Bestand an E-Autos kaum mehr als zwei Prozent betragen.

Die Kommission will die Produktion für Europa bündeln

Das sieht die Brüsseler Kommission völlig anders. Bereits im Jahr 2025 seien 25 Milliarden Euro Umsatz zu erzielen, betonte Sefcovic gestern. Machnig mahnte die Industrie: „Wir sind heute bei Autos führend, weil unsere Motorentechnologie die Beste ist.“ Wer bei Antrieben und den wichtigsten Komponenten nicht mit der Entwicklung Schritt halte, verspiele seinen Vorsprung. Machnig: „Wir wären blind und naiv, wenn wir glauben, dass wir langfristig immer die besten Batterien bekommen würden.“

Die EU-Kommission will mit einer Finanzspritze um die 200 Millionen Euro aus ihrem Forschungsprogramm „Horizon 2020“ den 80 Unternehmen, die sich nun zu einer Allianz bereiterklärt haben, unter die Arme greifen. Weitere Gelder könnten zum einen aus dem Strukturfonds kommen.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) versprach zum anderen am Montag, ebenfalls Kredite zur Verfügung zu stellen. Brüssel fürchtet vor allem, dass es zu einer Zersplitterung der Bemühungen kommen könnte, anstatt die Kräfte zu konzentrieren.

Das Projekt Northvolt soll Zellen für Lkws liefern

Volkswagen hat inzwischen angekündigt, rund zehn Millionen Euro in das Projekt Northvolt in Schweden zu investieren, wo der ehemalige Tesla-Manager Peter Carlsson eine Demonstrations-Anlage errichten will. Bis 2023 sollen dort Kraftpakete mit einer Gesamtleistung von 32 Gigawattstunden gebaut werden. Aber nur für Lkw – und das reicht nicht.

Nach Berechnungen der Kommission sind bis 2025 mindestens 330 Gigawattstunden nötig. „Wir brauchen einen großen Aufschlag“, hieß es gestern in Brüssel.

Die Rede ist von einer „Gigafactory“, ein Begriff, der offensichtlich vom E-Auto-Führer Tesla übernommen würde, der gerade erst angekündigt hat, eine solche Riesenfabrik in der Wüste von Nevada zu bauen. Das lässt sich der US-Konzern rund 4,1 Milliarden Euro kosten. Dagegen hatte Daimler Ende 2015 sogar seine Batteriefertigung im sächsischen Kamenz eingestellt.

Die Zulieferer halten sich zurück

Die Kommission hat durchaus ehrgeizige Ziele: „Wir wollen grüne Batterien“, sagte Sefcovic. Schon bei der Planung sollen die nachhaltige Umgang mit Rohstoffen ebenso berücksichtigt werden wie die Wiederverwertung.“ Firmen wie BASF, Bosch, Continental, Daimler, Siemens, Renault oder Total blieben bisher dennoch skeptisch.

Von Detlef Drewes/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Den Chemieriesen BASF erschüttert ein Betrugsskandal: Über viele Jahre sollen externe Dienstleister zusammen mit BASF-Mitarbeitern Rechnungen für Leistungen gestellt haben, die nie erbracht wurden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

12.02.2018

Der A380 stand kurz vor dem Aus – nun hat eine Bestellung der Fluggesellschaft Emirates die Produktion des Riesenfliegers vorerst gesichert. Die Araber ordern 20 Maschinen.

12.02.2018

Kräuter- und Kamillentees namhafter Hersteller sind teilweise mit Pflanzengiften verunreinigt. Einige Belastungen stufen Experten als gesundheitlich bedenklich ein. Das haben Recherchen und Stichproben des NDR Verbrauchermagazins „Markt“ ergeben.

11.02.2018