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06:00 08.11.2018
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf der Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz in Potsdam: Kennen Sie das Saarland? Quelle: Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Potsdam

Ob Alexei Gordejew schon mal etwas vom Saarland gehört hat? Der russische Vize-Premierminister macht große Augen, als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ihm von seiner Heimat im Südwesten Deutschlands erzählt. „Drei große Menschen kommen dort her“, strahlt Altmaier, sichtlich erfreut über den Scherz, den er gleich machen wird.

„Marschall Michel Ney, der Napoleons Truppen vor Waterloo ruiniert hat, Erich Honecker, der die DDR ruiniert hat und Oskar Lafontaine.“ Pause. Den Halbsatz, dass der die SPD ruiniert habe, spart sich der Minister. Das deutsche Publikum lacht auch so schon, während die Russen verwundert dreinschauen. So eng sind die Beziehungen dann doch nicht, dass man gemeinsam über innenpolitische Witze lachen könnte.

Es sind keine einfachen Verhältnisse, unter denen in diesem Jahr die deutsch-russische Rohstoff-Konferenz in Potsdam stattfindet. Die politischer Eiszeit zwischen Moskau und Berlin ist noch nicht überwunden, die Sanktion bestehen fort, der Friedensprozess von Minsk tritt auf der Stelle. Und trotzdem sind in dieser Woche 500 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nach Potsdam gekommen, um beim deutsch-russischen Wirtschaftsforum mögliche neue Kooperationen auszuloten. Oder gerade deshalb. Die Idee vom „Wandel durch Handel“ jedenfalls hat offenbar nichts von ihrer Strahlkraft verloren.

Wirtschaftsminister Altmaier sagt es so: „Jeder weiß, dass unsere Beziehungen nicht einfach waren und nicht einfach sind. Trotzdem ist es wichtig, dass wir sie weiterentwickeln – ohne unsere eigene politische Position aufzugeben.“

Deutschland brauch mehr Gas aus Russland

Altmaier erinnert in seiner Rede daran, dass Russland seit einem halben Jahrhundert einer der wichtigsten Gaslieferanten Deutschlands und Europas sei. Die Bedeutung werde mittelfristig eher noch zunehmen, denn einerseits seien europäische Quellen wie im niederländische Groningen zunehmend erschöpft, andererseits steige durch die Energiewende mittelfristig der Bedarf an Erdgas. „So lange erneuerbare Energien nicht im Stande sind, unsere Grundversorgung dauerhaft zu gewährleisten, müssten wir für eine Übergangszeit, die viele Jahre dauern wird, auf umweltfreundliche fossile Energietransporte vertrauen können.“

Die Bundesregierung stehe deshalb zu dem Pipelineprojekt „Nord Stream 2“, sehe darin aber keinen Gegensatz zum Interesse der Ukraine, ein wichtiges Gastransitland zu bleiben. Eine „pluralistische Gasversorgung“ sei das Ziel, so Altmaier.

Altmaier oder Steinmeier – egal

Der CDU-Politiker wirbt dafür, über den Enrgiebereich hinaus nach wirtschaftlichen Kooperationen zwischen Deutschland und Russland zu suchen. „Es gäbe riesige Möglichkeiten“. Der deutsche Hunger nach Metallen und mineralischen Rohstoffen werde steigen, prophezeit der CDU-Politiker. Sein Traum: Eine deutsche Zellproduktion für Autobatterien soll die notwendigen Metalle aus Russland beziehen.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Schirmherr und Gastgeber der Konferenz, hofft auf wirtschaftliche Impulse. „Für die brandenburgische Wirtschaft ist Russland ein ganz wichtiger Partner – nicht zuletzt wegen der großen PCK-Raffinerie in Schwedt“, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich bin zuversichtlich, dass sich durch die Konferenz neue Kooperationsmöglichkeiten ergeben, die beiden Ländern nutzen werden“. Und dann fügt er noch einen Satz hinzu, den auch Altmaier sofort unterschreiben würde. „Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander.“

Die freundlichen Worte hört Vizepremier Gordejew gern. Aber natürlich will der Russe auch Taten sehen. Welche, daran lässt er in seiner Rede keinen Zweifel. Die deutschen Unternehmen sollen mehr in Russland investieren, vor allem in den Bereichen Exploration, Umweltschutz und Rohstoffeffizienz. Die russische Regierung habe vieles in die Wege geleitet, um die Bedingungen für ausländische Investoren zu verbessern. Und dann bedankt er sich noch ganz herzlich beim deutschen Wirtschaftsminister, dem „sehr geehrten Herrn Steinmeier.“

Die deutschen Konferenzteilnehmer zucken zusammen, die Russen applaudieren brav. Es muss noch viel geredet werden. Aber immerhin ist ein Anfang gemacht.

Von Andreas Niesmann/RND

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