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Wirtschaft Deutscher Zigarettenverband trickst bei Ekel-Fotos
Nachrichten Wirtschaft Deutscher Zigarettenverband trickst bei Ekel-Fotos
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13:26 24.11.2016
Seit einem halben Jahr sind abschreckende Fotos auf Zigarettenschachteln Pflicht. Doch Hersteller und Handel haben darauf reagiert - mit einfachen Plastikkarten. Quelle: Johannes Spatz
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Berlin

Ein halbes Jahr nach ihrer Einführung werden die Schockbilder auf Zigarettenschachteln von immer mehr Händlern im Ladenregal verdeckt. Davon geht der Verein Forum Rauchfrei aus, der eine Reihe von Fällen öffentlich gemacht hat. Konkret erfolgt dies mit Plastikkarten, die aussehen wie die Vorderseite von Zigarettenschachteln samt Preis und Stückzahl, nur ohne Warnhinweise. Inzwischen gehen in Berlin und Leipzig erste Behörden dagegen vor. Während das Bundesernährungsministerium einen Rechtsverstoß sieht, betont der Deutsche Zigarettenverband, das Verdecken der Schockbilder diene der Übersichtlichkeit.

Lebensmittelaufsicht droht mit Zwangsgeld

Seit dem 20. Mai gilt in Deutschland die EU-Tabakrichtlinie, nach der auf Zigarettenpackungen abschreckende Fotos gezeigt werden müssen. Zu sehen sind etwa Krebsgeschwüre, Raucherlungen oder verfaulten Zähnen. Die Bilder müssen zusammen mit Warnungen wie „Rauchen ist tödlich“ mindestens zwei Drittel der Vorder- und Rückseite der Packungen einnehmen. Zuvor waren solche Hinweise kleiner.

So sollte es eigentlich auf Zigarettenpackungen aussehen. Quelle: dpa

Im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nimmt sich aktuell die Lebensmittelaufsicht die Händler zur Brust, die in ihren Regalen die sogenannten Produktkarten vor die Schockbilder stecken. „Wir fordern sie auf, sie zu entfernen“, sagte Ordnungsamt-Leiter Lutz Betzgen. Ändert das nichts, sei im zweiten Schritt ein Zwangsgeld möglich.

Deutsche Zigarettenverband versorgt Händler mit Karten

In Sachsen hat Leipzig die Landesdirektion eingeschaltet. Die städtische Lebensmittelüberwachung geht davon aus, dass auch anderswo Warnhinweise verdeckt werden. Die obere Landesbehörde solle klären, ob damit gegen die Verordnung über Tabakerzeugnisse verstoßen wird.

Für das Bundesernährungsministerium ist der Fall klar. Es verweist auf die Verordnung. „Unter anderem dürfen die Warnhinweise zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens nicht teilweise oder vollständig verdeckt werden.“

Der Deutsche Zigarettenverband widerspricht. „Dem Händler steht es frei, wie er seine Waren im Ladenlokal präsentiert“, betont die Lobby der Hersteller, die die Händler mit den Produktkarten versorgen - als Orientierungshilfe, wie es Geschäftsführer Jan Mücke formuliert. „Es fällt schwer, angesichts der übergroßen Schockbilder den Überblick über das Sortiment zu behalten und die gesuchte Marke im Regal aufzufinden“, begründet Mücke dies. Wenn der Kunde die Zigarettenschachtel erhalte, seien die Warnhinweise sichtbar.

Das Forum Rauchfrei spricht von einem schändlichen Vorgehen. „Zu dem Zeitpunkt, wenn der Händler die Schachtel aus dem Regal heraus nimmt, hat sich der Käufer bereits für den Kauf entschieden.“ Der Verein geht davon aus, dass die Schockfotos in jeder zweiten Verkaufsstelle verdeckt werden. Der Verband der Tabakwarenhändler äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgehen.

Von dpa//RND/zys

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