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Wirtschaft Deutsche Bank müht sich um bessere Zeiten
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05:31 27.07.2016
Nach Ansicht von Konzernchef John Cryan könnte die Deutsche Bank vom Brexit profitieren, weil das Institut sowohl in London als auch in Frankfurt stark vertreten sei. In der Phase der Unsicherheit werde die Deutsche Bank für europäische Konzerne umso wichtiger- Quelle: Frank Rumpenhorst/Archiv
Frankfurt/Main

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Die Stimmung vieler Mitarbeiter ist im Keller, der Aktienkurs auch. In Deutschland machen Filialschließungen und Stellenabbau Schlagzeilen.

Auf den internationalen Finanzmärkten sorgte der Internationale Währungsfonds (IWF) mit seiner Einschätzung für Aufsehen, Deutschlands größtes Geldhaus sei wegen seiner weltweiten Verflechtungen besonders gefährlich für das Finanzsystem. Zu allem Überfluss fiel die US-Tochter der Deutschen Bank zum zweiten Mal in Folge durch den Stresstest der US-Notenbank Fed. Schlechte Nachrichten drohen nun womöglich auch bei den Geschäftszahlen.

Heute legt der Dax-Konzern die Ergebnisse für das zweite Quartal 2016 vor. Analysten rechnen im Schnitt damit, dass es die Bank in dem Drei-Monats-Zeitraum gerade so in die Gewinnzone geschafft hat. Allerdings ist die Spanne der Schätzungen sehr breit: von gut 1,8 Milliarden Euro Verlust bis gut 500 Millionen Euro Gewinn. Etwas Mut macht, dass die US-Banken im zweiten Quartal von einem wieder anziehenden Handel mit Anleihen profitierten. Auch für die Deutsche Bank ist das ein wichtiges Geschäft.

Konzernchef John Cryan hatte das Jahr 2016 zum Übergangsjahr erklärt und mehrfach betont, er schließe nach dem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro 2015 rote Zahlen für das laufende Jahr nicht aus. Der Start 2016 fiel allerdings trotz turbulenter Märkte besser aus als erwartet. Zwar brach der Überschuss im ersten Quartal zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf 236 Millionen Euro ein. Analysten hatten jedoch mit 300 Millionen Euro Verlust gerechnet.

Allerdings sind die Gewinnzahlen derzeit bei der Deutschen Bank nur Nebensache. Cryan will vor allem die teuren Altlasten der Bank endlich loswerden. "Bei aller Vorsicht sehe ich uns - was unsere Rechtsstreitigkeiten angeht - allmählich auf der Zielgeraden", hatte er bei der Hauptversammlung im Mai verkündet. Nach letzten Angaben hat das Institut mit 7800 Rechtsstreitigkeiten zu tun, wenn auch zumeist mit geringem Streitwert.

Konkrete Fortschritte bei den großen größten Brocken - darunter ein Geldwäscheverdacht in Russland und Vergleichsverhandlungen wegen krummer Hypothekengeschäfte in den USA - meldete die Bank in den vergangenen Monaten nicht. Sie sollen aber möglichst noch im laufenden Jahr aus dem Weg geräumt werden.

Doch das kann noch einmal teuer werden. Für drohende Strafen hat die Bank 5,4 Milliarden Euro zurückgelegt. Das könnte nicht reichen, wie der Vorstand wiederholt prognostizierte. In den vergangenen Jahren kosteten juristische Fehden Deutschlands größtes Geldhaus schon gut 12 Milliarden Euro - etwa wegen der Beteiligung an Zinsmanipulationen (Libor), umstrittener Hypothekengeschäfte und Verstößen gegen Handelssanktionen.

Es ist nicht die einzige Baustelle. Unter dem Projektnamen "Jade" prüft die Deutsche Bank einen weiteren Konzernumbau. Womöglich werden dabei auch die Weichen für die Tochter Postbank neu gestellt, von der sich die Deutsche Bank eigentlich trennen will.

Zudem gelten die Kapitalpuffer des Instituts als vergleichsweise dünn, obwohl die Deutsche Bank in den vergangenen fünf Jahren knapp 22 Milliarden Euro über eine ganze Serie von Kapitalerhöhungen eingesammelt hat. Bislang schließt die Bank es aus, Investoren erneut um frisches Geld zu bitten. Experten halten wegen des massiven Kursverlusts eine weitere Kapitalerhöhung derzeit auch für keine gute Idee: Seit Jahresbeginn verlor die Aktie der Deutschen Bank etwa 40 Prozent ihres Wertes und lag zeitweise nur noch knapp über elf Euro.

dpa

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