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21:26 28.11.2018
Ein Messebesucher kommt zur Digitalisierungsmesse Cebit. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Viele Menschen können mit viel Nostalgie ihre ganz persönlichen Cebit-Geschichten erzählen. Wie die Computermesse einst im hannoverschen Frühjahrsschnee erstickte. Wie Popstars auf den Bühnen der Mobilfunker auftraten und mehr als 800.000 Besucher das letzte Sauerstoffmolekül aus der Hallenluft zogen. Und natürlich, wie sie diese Klapphandys betasteten und Nokia-Prospekte in die großen Plastiktüten stopften.

Es ist sehr lange her. Die Geschichten klingen ein bisschen wie die Kindererlebnisse auf der Rückbank des Opel Manta. Seine Zeit ging vorüber wie die der Cebit.

Man kann den Veranstaltern nicht vorwerfen, dass sie kampflos aufgegeben hätten. Der Höhepunkt der Cebit liegt fast zwei Jahrzehnte zurück. Als die Besucherzahlen ab 2002 schrumpften, erklärte man es sich erst einmal mit dem Zusammenbruch des Neuen Markts an der Börse und der Unsicherheit nach den Attentaten vom 11. September 2001.

Es dauerte einige Jahre, bis die Einsicht reifte, dass die Zeit vorbei war, in der auf mega nur noch mega-mega folgte. Man tröstete sich damit, immer noch die größte IT-Messe der Welt zu veranstalten. Derweil wuchs neue hippe Konkurrenz heran: der Mobile World Congress in Barcelona, die CES in Las Vegas, die South by Southwest im texanischen Austin. Und in Köln herrscht heute auf der Gamescom das Gedränge, für das die Cebit einst berühmt war.

Branchenverband Bitkom erzwang Konzentration auf die Profis

Die eine Erklärung für den Niedergang ist eine handwerkliche. Nie ist es gelungen, zwei grundverschiedene Besuchergruppen unter einen Hut zu bringen. Die Privatleute, Nerds, IT-Begeisterten jeder Couleur hätte man gern gehabt, weil sie der Messe Farbe, Leben und öffentliche Aufmerksamkeit gaben.

Aber das Geld brachten die Profis, die Anzugträger mit ernstem Blick, die das bunte Volk nur Effizienz und Nerven kostete. Schließlich erzwang der Branchenverband Bitkom unter der Führung des heutigen BDI-Präsidenten Dieter Kempf die Konzentration auf die Profis. Kempf führte die Datev, einen Spezialisten für Steuerberater-Software – und so geriet dann auch die Cebit.

Aufstieg und Fall der Cebit erzählen auch viel über deutsche Stärken und Schwächen. Die Wurzel der Messe war immer die Hardware – ob Handy, Laptop oder die Kühlanlage für das Rechenzentrum. Die Probleme der Messe begannen nicht mit Börsencrash oder Terroranschlag, sondern mit einer Welt, in der die Geräte nur noch austauschbare Träger einer Plattform sind, die man nicht anfassen, nicht reparieren und nicht pro Stück verkaufen kann.

Die Revolution war nie eine deutsche Stärke. Doch die Digitalisierung ist ein Sprung, bei dem beide Füße in der Luft sind. Die Cebit-Macher haben das verdrängt. Der traurige Tod ihrer Messe zeigt jetzt, dass man auf diese Art scheitert.

Von Stefan Winter/RND

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