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Wirtschaft Bombardier streicht 2.200 Stellen in Deutschland
Nachrichten Wirtschaft Bombardier streicht 2.200 Stellen in Deutschland
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16:23 29.06.2017
Michael Fohrer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bombardier Transportation GmbH, bei der Vorstellung der Neuausrichtung des Unternehmens. Quelle: dpa
Hennigsdorf

„Wir müssen uns neu aufstellen“, sagte Deutschlandchef Michael Fohrer nach einer Aufsichtsratssitzung in Henningsdorf. Das Kontrollgremium billigte einvernehmlich Eckpunkte für einen Konzernumbau. Die sieben deutschen Werke sollen erhalten bleiben, sich aber stärker spezialisieren, um wettbewerbsfähiger zu werden.

Vom Stellenabbau sind 700 Leiharbeiter betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2019 ausgeschlossen. „Mit dieser Aufstellung werden wir Innovationen fördern und uns fit für die Zukunft machen“, sagte Fohrer. Die beteiligten Arbeitnehmervertreter sprachen von schmerzlichen Schritten. Aufsichtsratschef Wolfgang Tölsner betonte, je nach Auftragslage könnten die Zahlen auch kleiner ausfallen.

Ursprünglich sollten noch mehr Stellen abgebaut werden

Klar ist jedoch, dass der größte Standort Hennigsdorf in Brandenburg sowie Görlitz in Sachsen am stärksten betroffen sein werden. Hennigsdorf verliere 2019 die Großserienproduktion von Zügen und damit auch 400 bis 500 Arbeitsplätze. Görlitz soll sich auf Wagenkästen spezialisieren und könnte bis zu 800 Arbeitsplätze verlieren. Dagegen könnte in Bautzen die Beschäftigtenzahl sogar steigen, sagte Fohrer.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) konnte der Ankündigung dennoch auch eine positive Seite abgewinnen. Im Vergleich zur Ausgangslage, welche einen massiven Stellenabbau vorsah, sei er nun „verhalten optimistisch“. Die Mitarbeiter hätten an beiden sächsischen Standorten eine Perspektive. In die deutschen Standorte sollten bis 2020 rund 70 Millionen Euro investiert werden.

Laut Wirtschaftsministerium entfallen davon allein 28 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren auf Sachsen. Görlitz solle ein Kompetenzzentrum mit hohem Automatisierungsgrad für die Produktion von Wagenkästen für Doppelstockzüge und Straßenbahnen werden. Bautzen sei im Gesamtkonzern als weltweites Kompetenzzentrum für die digitale Serienfertigung von Regional- und Fernverkehrszügen sowie S- und U-Bahnen gesetzt.

Eine Milliarde Verlust bei zehn Milliarden Umsatz

Dulig äußerte sich auch zu dem geplanten Beschäftigungsabbau. „Wir erwarten von Bombardier, dass nun schnell alle noch offenen Fragen geklärt werden und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit geben wird. Das Unternehmen kann auf den Freistaat Sachsen zählen. Wir erwarten im Gegenzug, dass Bombardier zu seiner sozialen Verantwortung steht.“

Bombardier Transportation mit seiner weltweiten Zentrale in Berlin ist die Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns, der auch Flugzeuge baut. Wegen Problemen im Flugzeuggeschäft steckt der Konzern in den roten Zahlen. Bombardier Transportation schreibt insgesamt zwar schwarze Zahlen, macht in Deutschland aber Verlust.

Starke Konkurrenz aus China

„Wir haben eine Milliarde Verlust bei zehn Milliarden Umsatz in den vergangenen fünf Jahren gemacht“, unterstrich Fohrer. „Wir müssen handeln.“ Bombardier hatte erst im vergangenen Jahr 1.430 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen, darunter die Stellen Hunderter Leiharbeiter. Fohrer sagte, Bombardier Transportation solle auch international profitabler werden, um im Wettbewerb mit Konkurrenten etwa aus China zu bestehen. Ziel in Deutschland sei zunächst eine schwarze Null.

Auch der IG-Metall-Chef von Berlin, Brandenburg und Sachsen, Olivier Höbel, sprach von Veränderungsdruck. Das Konzept bringe technische Effizienz, ökonomische Kompetenz und soziale Verantwortung in Einklang. Es sprach von einem schwierigen Weg, der nun zu gehen sei. Die beschlossenen Eckpunkte seien ein Kompromiss. Nach Fohrers Angaben sollten ursprünglich sogar 2800 Stellen wegfallen.

Von RND/dpa