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Wirtschaft Bei der Grünen Woche wird es politisch
Nachrichten Wirtschaft Bei der Grünen Woche wird es politisch
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10:43 19.01.2018
Eine Ausstellerin baut ihren Stand in der französischen Halle auf – sie hat verschiedene Salamiwürste im Angebot. Quelle: Foto: dpa
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Berlin

Schmeckt’s? Wenn es ums Essen geht, zählt für viele inzwischen mehr als das Aroma. Viele Supermarktkunden achten bei Fleisch und Wurst darauf, dass Tiere unter besseren Bedingungen gehalten werden. Doch wie erkennt man das sicher und zahlt dafür vielleicht auch etwas mehr? Zur internationalen Ernährungsmesse Grüne Woche, die an diesem Freitag in Berlin beginnt, kocht die Debatte über die Ausrichtung der Landwirtschaft wieder hoch.

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Gin mit Erdbeergeschmack, Spreewaldgurken und bulgarische Gerichte: Von der Grünen Woche gehen Besucher bestimmt nicht hungrig nach Hause.

„Essen ist politisch“, lautet auch das Motto einer Demonstration am Rande des Branchentreffs. „Es ist viel zu tun“, sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller. Die Streitthemen bei der Grünen Woche im Überblick:

Tierwohl

Vor einem Jahr präsentierte Agrarminister Christian Schmidt (CSU) bei der Grünen Woche stolz das Modell eines Logos, das höhere Standards garantieren soll – zum Beispiel mehr Platz für Schweine im Stall. Doch bis zur Bundestagswahl wurde nichts mehr daraus. In einer neuen Regierung wollen Union und SPD das „Tierwohl-Label“ für Fleisch nun endlich an den Start bringen – zunächst freiwillig für Landwirte, die Investitionen auch honoriert bekommen sollen. Der Bauernverband mahnt, einen schon funktionierenden Tierwohl-Fonds der Branche dabei nicht zu gefährden. Kritiker wie die Verbraucherorganisation Foodwatch sehen in dem Label nur eine „Pseudolösung“, die gesetzliche Verbesserungen der gesamten Tierhaltung eher verhindere.

Dickmacher

Wie eine gesündere Ernährung leichter gemacht werden kann, wird seit Langem heiß debattiert. Verbraucherschützer trommeln mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen wieder für eine „Nährwert-Ampel“, wie sie auch im SPD-Wahlprogramm steht – also eine Kennzeichnung, die in Rot, Gelb und Grün den Gehalt an Fett, Zucker und Salz anzeigt. Die deutsche Lebensmittelbranche hält gelinde gesagt nichts davon. Das gilt auch für Vorgaben für neue Rezepte, damit in Tiefkühlpizza oder Müsli weniger Dickmacher stecken. Die Politik solle den Firmen „in Gottes Namen die Möglichkeit lassen, selbst produktinnovativ zu sein“, warnt die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie.

Pflanzenschutz

Zu einem Symbol im Ringen um die Zukunft der Landwirtschaft ist das Unkrautgift Glyphosat geworden, das mit Segen von Agrarminister Schmidt gerade eine frische EU-Zulassung bekam. In den Sondierungen wurden sich Union und SPD aber schnell über nationale Schranken einig. Erklärtes Ziel: die Anwendung „so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden“. Die Biobranche verlangt von der neuen Regierung deutlich mehr Forschungsgeld für Unkrautbekämpfung ohne Chemie. „Öko-Pflanzenschutz will gelernt sein, ist aber kein Hexenwerk“, sagt Biobauer Stefan Palme auf einem Podium des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft im Vorfeld der Grünen Woche. Auch die Kosten pro Hektar müssten nicht höher sein als bei konventionellen Kollegen.

Export

Welche Preise Bauern erzielen können, bestimmen längst die Weltmärkte – Schwankungen sind jederzeit möglich. Dass die Branche auch auf Wachstum etwa in China setzt, bringt Kritiker aber auf die Palme. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat der deutschen Landwirtschaft vorgeworfen, die Exportquoten bedenkenlos in die Höhe zu treiben. „Es ist keine tragfähige Strategie, jeden chinesischen Kühlschrank mit Schweinefleisch aus Deutschland zu versorgen“, sagte Hendricks der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Ministerin forderte eine flächengebundene Tierhaltung, bei der nur so viele Schweine, Rinder und Hühner gehalten werden, wie Boden zum Ausbringen von Mist und Gülle vorhanden ist. „In Deutschland werden in einigen Regionen zu viele Tiere gehalten. Das führt natürlich auch zu einer Belastung der Umwelt“, sagte Hendricks.

Ernährungsmesse öffnet an diesem Freitag

Die Grüne Woche öffnet ab diesem Freitag für Fach- und Privatbesucher, rund 400 000 werden an den zehn Tagen zu der Leistungsschau aus Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau erwartet. Angemeldet haben sich 1660 Aussteller aus 66 Ländern – auch Russland ist wieder dabei. Das Land war der Messe zwei Jahre lang ferngeblieben. Grund waren die europäischen Exportbeschränkungen wegen des Ukraine-Konflikts.

Partnerland der Grünen Woche ist in diesem Jahr Bulgarien. Zudem werden zu einem Forum 70 Landwirtschaftsminister aus aller Welt erwartet. Die Messe sei so international wie nie zuvor, sagte Messechef Christian Göke. Zugleich benannte er „Regionalität“ als „dominanten Trend“.

Von dpa/RND

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