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Wirtschaft Audi-Chef Stadler in U-Haft – Nachfolger steht fest
Nachrichten Wirtschaft Audi-Chef Stadler in U-Haft – Nachfolger steht fest
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22:10 18.06.2018
In Untersuchungshaft: Audi-Chef Rupert Stadler. Quelle: dpa
München

Mit Audi-Chef Rupert Stadler ist zum ersten Mal in der Dieselaffäre ein Unternehmenslenker verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm Betrug vor und erwirkte am Montag einen Haftbefehl wegen Verdunkelungsgefahr. In Wolfsburg trat am Mittag das Präsidium des VW-Aufsichtsrats zusammen, um über die neue Lage und die Konsequenzen zu beraten. Am Nachmittag tagte der Aufsichtsrat. Die Entscheidung über die Zukunft Stadlers wurde zunächst vertagt. Den Audi-Chefposten soll vorübergehend Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot übernehmen. Der Audi-Aufsichtsrat muss der Personalie noch formal zustimmen.

Als Audi-Chef gehört Stadler auch dem VW-Konzernvorstand an. Ein VW-Sprecher wollte sich „vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen“ inhaltlich nicht äußern. „Für Herrn Stadler gilt weiterhin die Unschuldsvermutung“, sagte er. Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums sagte am Montag, sie habe die Medienberichte wahrgenommen und darüber hinaus keine weiteren Informationen. „Zu staatsanwaltschaftlichen Vorgängen äußern wir uns generell nicht.“

Am Montagnachmittag tagt der Aufsichtsrat von Volkswagen. Ein Sprecher des VW-Eigners Porsche SE sagte: „Es ist klar, dass sich der VW-Aufsichtsrat mit dem Thema beschäftigen wird.“ Über eine Ablösung Stadlers als Audi-Chef war in der Vergangenheit wiederholt spekuliert worden.

Razzia bei Stadler in der vergangenen Woche

Stadler ist seit elf Jahren Audi-Chef. Vor einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, ein Ermittlungsverfahren gegen ihn sowie ein weiteres Mitglied des Vorstands der VW-Tochter eingeleitet zu haben. Sie legt ihnen „Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last“. Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht.

Zur Sicherung von Beweismaterial waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Privatwohnungen von Stadler und dem nicht genannten Vorstandsmitglied durchsucht worden. Die Zahl der Beschuldigten stieg damit auf 20.

Stadler soll von Abgasmanipulationen gewusst haben.

Stadler soll nach der Aufdeckung der Manipulationen in den USA von den falschen Abgaswerten auch in Europa gewusst haben, aber anders als in den USA keinen Vertriebsstopp angeordnet haben. Die Ermittler stützten sich auf die Auswertung von Korrespondenz, verlautete aus Ermittlerkreisen. Im März 2017 und im Februar 2018 hatte es in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm Razzien gegeben.

Neben Stadler sitzt als Beschuldigter auch ein ehemaliger Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er war im September 2017 verhaftet worden. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben. Seit Ende 2015 hatten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Gegen Stadler waren immer wieder Rücktrittforderungen laut geworden.

Krischer: „Mär der Autoindustrie“ in sich zusammengefallen

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sieht die vorläufige Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler im Abgasskandal auch als Folge von Versäumnissen im VW-Konzern. „Heute ist die Mär der Autoindustrie endgültig in sich zusammengefallen, beim Abgasskandal handle sich um die Verfehlungen einzelner Ingenieure“, sagte Krischer am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Immer klarer wird: Das Tricksen und Betrügen ist in den Konzernen von ganz oben mindestens toleriert, wenn nicht sogar angeordnet worden. In fast drei Jahren seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals haben es weder der VW-Konzern noch die Branche insgesamt geschafft, einen klaren Schnitt zu ziehen.“

Volkswagen-Aktien geben nach

Nach der Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler haben die Vorzugsaktien von Volkswagen am Montag deutlich nachgegeben. Mit einem Abschlag von 1,93 Prozent auf 157,93 Euro waren sie am Vormittag der größte Verlierer im Dax. VW-Papiere gaben damit wesentlich stärker nach als die Papiere von BMW (-0,9 Prozent) und Daimler (-1 Prozent). Mit Stadler sei in der Aufarbeitung der Dieselaffäre der bislang ranghöchste Manager des VW-Konzerns festgenommen worden, sagte ein Händler. Anleger reagierten folglich mit Vorsicht und lösten VW-Positionen auf.

Von RND/dpa

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