Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wirtschaft Anleger greifen wieder zu griechischen Staatsanleihen
Nachrichten Wirtschaft Anleger greifen wieder zu griechischen Staatsanleihen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:24 19.12.2017
Das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit Griechenlands wächst. Quelle: dpa
Athen

Die Kurse griechischer Staatsanleihen sind seit Anfang Dezember im Höhenflug. Spiegelbildlich gehen die Renditen der Papiere zurück. Diese Woche fiel der Ertrag des zehnjährigen Bonds, der als „Benchmark“, als Referenz gilt, zeitweilig unter die Marke von vier Prozent. Das war die niedrigste Rendite seit mehr als einem Jahrzehnt.

Zum Vergleich: Noch zum Jahresbeginn lag der Ertrag bei 7,13 Prozent, Ende November immerhin bei 5,6 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Griechenlandkrise 2012 war die Rendite zeitweilig sogar auf fast 40 Prozent geschossen. Dass sich die Anleger bei den Griechen-Bonds mit niedrigeren Risikozuschlägen zufrieden geben, zeigt: Das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit des Krisenlandes kehrt allmählich zurück.

Griechenland hat das Schlimmste überstanden

Angetrieben wurde die jüngste Bond-Rally vor allem vom erfolgreichen Abschluss der dritten Prüfrunde der Gläubigervertreter Anfang Dezember. Nach den langen Verzögerungen der Vergangenheit setzt die Athener Regierung jetzt die Reform- und Sparvorgaben der Geldgeber endlich zügig um. Das ist auch nötig, wenn Athen das Anpassungsprogramm fristgerecht am 20. August 2018 beenden will.

Seit Mai 2010 ist Griechenland auf Hilfskredite der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen. Bisher flossen 255,2 Milliarden Euro nach Athen. Nachdem die ersten beiden Rettungsprogramme nicht ausreichten, zeichnet sich inzwischen die Wende zum Besseren ab. Griechenland hat das Schlimmste überstanden. Das im Sommer 2015 geschnürte dritte Hilfspaket von bis zu 86 Milliarden Euro wird Athen gar nicht in vollem Umfang benötigen. Bisher wurden erst 40,2 Milliarden Euro ausgezahlt. Zum Programmschluss dürften nahezu 30 Milliarden übrig bleiben.

Ein Teil davon könnte genutzt werden, um teure Kredite des IWF in billigere und länger laufende Darlehen des Euro-Stabilitätsfonds ESM umzuwandeln. Dadurch würde Griechenland beim Schuldendienst entlastet. Auch der Aufbau eines Liquiditätspuffers von rund 15 Milliarden Euro ist geplant. Neun Milliarden dazu könnte der ESM aus nicht benötigten Mitteln des dritten Programms beisteuern, weitere sechs Milliarden soll Griechenland vor dem Programmende am Markt aufnehmen. Dieses Kapitalkissen bildet eine Reserve, aus der Griechenland notfalls seinen Finanzbedarf für rund zwei Jahre nach dem Programmende decken könnte.

Hellas-Bonds weiterhin Ramsch

All das stimmt die Anleger zuversichtlich. Nachdem Athen bereits im vergangenen Juli den Markt mit einer fünfjährigen Anleihe testete und drei Milliarden Euro zu einer Rendite von 4,625 Prozent aufnehmen konnte, plant die staatliche Schuldenagentur PDMA im ersten Halbjahr zwei oder drei weitere Emissionen. Der nächste Marktgang könnte mit einem siebenjährigen Bond bereits im Januar erfolgen. Noch lassen sich die Anleger allerdings den Kauf griechischer Bonds mit höheren Aufschlägen bezahlen als sie für die Schuldtitel anderer Euro-Problemländer fällig werden. So liegt die Rendite der zehnjährigen Anleihen Italien, Spaniens und Portugals bei 1,4 bis 1,8 Prozent. Irische Papiere rentieren sich sogar nur mit gut 0,5 Prozent.

Auch die internationalen Rating-Agenturen stufen Hellas-Bonds weiterhin als Ramsch ein. Die Bewertungen liegen, je nach Agentur, um fünf bis sieben Stufen unter der Marke „investitionswürdig“. Das zeigt: Griechenland muss sich mit einer konsequenten Umsetzung der Reformen noch weiteres Vertrauen erarbeiten, bevor es sich zu vertretbaren Konditionen refinanzieren kann. So mahnte jetzt der griechischen Zentralbankchef Yannis Stournaras: „Wir müssen die Umsetzung der Reformen und Privatisierungen beschleunigen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und unsere Kreditwürdigkeit zu verbessern.“

Von Gerd Höhler, RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Verdienste von Facharbeitern und Ungelernten nähern sich einander an – allerdings nur in einem Teil der Republik. Forscher warnen nun in einer neuen nun vor einem Ansehensverlust von Ausbildungsberufen.

19.12.2017
Wirtschaft Urteil des Bundesverwaltungsgerichts - Anwohner-Klagen zur Elbvertiefung abgewiesen

Das Bundesverwaltungsgericht hat die letzten vier Klagen gegen die Elbvertiefung abgewiesen. Die Einwände von Anwohnern aus Hamburg-Övelgönne und Blankenese seien nicht begründet gewesen, urteilte der 7. Senat am Dienstag in Leipzig.

19.12.2017
Wirtschaft Oberlandesgericht Düsseldorf - Wurstkartell-Fall wird neu aufgerollt

Das deutsche „Wurstkartell“ zieht am Dienstag vor das Düsseldorfer Oberlandesgericht. Nachdem das Bundeskartellamt wegen verbotener Preisabsprachen im Jahr 2014 Bußgelder in Millionenhöhe verhängt hatte, klagen nun vier der insgesamt 22 beschuldigten Wursthersteller gegen die verhängten Strafen. Auch über die sogenannte „Wurstlücke“ soll neu verhandelt werden.

19.12.2017