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Nachrichten Politik Zentralrat fordert Gedenken im ICE „Anne Frank“
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16:15 14.11.2017
Anne Frank wurde 1945 in Bergen-Belsen ermordet Quelle: © epd-bild / Norbert Neetz
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Berlin

Der Zentralrat der Juden fordert die Bahn auf, angemessen an die Rolle der Reichsbahn bei den Deportationen im Nationalsozialismus zu erinnern. „Falls ein ICE nach Anne Frank benannt werden sollte, ist es sinnvoll, den Bahnfahrern Informationen über die Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus und ihre Beteiligung an der Schoa zur Verfügung zu stellen“, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Reichsbahn hatte zur Nazi-Zeit Millionen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Schuster unterstützte damit eine Forderung von Ronald S. Lauder, dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses. Lauder hatte dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Richard Lutz, einen Brief geschrieben. Darin forderte er ihn auf, Fahrgäste über die Geschichte des Rechtsvorgängers der Deutschen Bahn zu informieren. Eine Bahn-Sprecherin bestätigte am Dienstag den Eingang des Briefes.

Die Deutsche Bahn könne beispielsweise auf im ICE ausliegenden Fahrplänen und Broschüren über das Schicksal der Anne Frank informieren, um einen „Kontext“ für die Benennung herzustellen, schrieb Lauder an Lutz. Das sei wichtig, denn Anne Frank könne nicht nur einfach als eine „große Deutsche“ geehrt werden. Ihr Name repräsentiere „die sechs Millionen Juden, die in der Nazi-Ära von Deutschen ermordet worden sind“.

Die geplante Namensgebung und die vermeintliche „Kommerzialisierung“ der Erinnerungskultur ist in Deutschland auch auf scharfe Kritik gestoßen. Das galt vor allem für die kollektive Begründung der Namensauswahl. „So unterschiedlich die ausgewählten Persönlichkeiten auch sind, sie haben eins gemeinsam: Sie waren neugierig auf die Welt.“ Diese Formulierung der Jurorin Prof. Gisela Mettele wurde im Kontext von Anne Franks Schicksal als besonders zynisch empfunden.

Die Deutsche Bahn wies jedoch sämtliche Kritik zurück. Sie habe sich „im Bewusstsein um ihre historische Verantwortung entschieden“, die Erinnerung an Anne Frank wach zu halten. Das 1929 in Frankfurt geborene Mädchen wurde 1944 von Amsterdam in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Dort starb Anne an den Folgen der Misshandlung und Lagerhaft schließlich an Typhus, heißt es in ihrer Biografie im US-amerikanischen Holocaust-Museum. Ihre Tagebücher werden heute weltweit gelesen.

Der Unternehmer, Kunstsammler und frühere US-Botschafter Lauder hält die Präsidentschaft des Jüdischen Weltkongresses seit 2007 inne. Seine Ronald S. Lauder Stiftung unterstützt in Europa jüdische Schulen sowie Bildungs- und Gemeindeeinrichtungen. Der „World Jewish Congress“ ist die Dachorganisation jüdischer Gemeinschaften und Organisationen aus rund 100 Ländern.

Von epd/jps/dk/RND

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