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14:52 19.02.2018
#Free Deniz steht auf dem Plakat in einem Schaufenster eines Restaurants in Berlin. Quelle: dpa
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Hannover

Monatelang konnte die deutsch-türkische Diplomatie dem Publikum nichts Konkretes liefern. Nicht im November, als Außenminister Sigmar Gabriel seinen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu in dessen Heimat Antalya besuchte. Nicht im Januar, als Cavusoglu bei Gabriel in Goslar war. Auch nicht diese Woche, als Premier Binali Yildirim Kanzlerin Angela Merkel in Berlin traf.

Stets sagte man anschließend der Presse, niemand wisse, wann Deniz Yücel freikommt. Am Donnerstagabend, im Kanzleramt, legte Yildirim die Platte zum letzten Mal auf: Es gehe um „eine Entscheidung der unabhängigen türkischen Justiz“. Am nächsten Tag war Yücel frei.

Die Wahrheit ist: Hohen Diplomaten guckt keiner in die Karten. Im Auswärtigen Amt sagt man, es habe in letzter Zeit „sehr starke Schwingungen“ gegeben zwischen Berlin und Ankara, „positive und negative“. Haben Gabriel und Cavusoglu hübsche Skizzen entworfen für ein viel engeres, produktiveres Miteinander ihrer Staaten? Hat, umgekehrt, Merkel Yildirim höflich die Nachteile erläutert, die für die Türkei darin liegen könnten, wenn sich im Fall Yücel weiterhin nichts bewegt? Man wird es nicht erfahren. Denn die absolute Vertraulichkeit des Austausches von Meinungen, Ideen und Erwägungen aller Art ist ein Prinzip der Diplomatie.

Ein zweites Prinzip lautet: Gesichtswahrung. Cavusoglu wies den Weg, indem er geradezu leutselig darüber plauderte, dass es überlastete Gerichte doch überall auf der Welt gebe. Wartet man in Deutschland nicht mitunter auch ewig auf eine Entscheidung der Justiz? Wirklich ärgerlich, oder nicht?

Der gut geschulte Diplomat lässt das einfach mal so stehen. Aufwallungen, Belehrungen, Grundsatzdebatten gar, tragen im Ringen um eine Freilassung oft nichts zur Lösung bei. Ein deutscher Botschaftsangehöriger in Ankara seufzte schon vor Monaten, das Hauptproblem im Fall Yücel sei dessen ständige öffentliche Beleuchtung.

Ein drittes Prinzip der Diplomatie liegt darin, dass Staaten gemeinsame Interessen beschreiben, allem aktuellen Streit zum Trotz. Die Türkei wünscht sich derzeit bessere Zugänge zum EU-Binnenmarkt, sie will Panzer mit deutscher Technik gegen Minen sichern, und sie will für deutsche Investoren interessant bleiben. Kanzlerin und Außenminister zeigten sich, eng abgestimmt, an all diesen Stellen lange sehr sperrig gegenüber Ankara. Bald wird es hier und da neue Bewegung geben. Ein Kleingeist, wer nun verkrampft und simple Wenn-Dann-Mechanismen unterstellt. Diplomaten bleiben entspannt und sehen das Gesamtbild, mehrdimensional. Als Ankara sich einließ auf diese Betrachtungsweise, erkannte es, dass der Gefangene Yücel eigentlich nur noch stört. Eine ernsthafte Hinwendung der Türkei zum Rechtsstaat ginge anders, ganz klar. Aber so immerhin geht Diplomatie.

Von Matthias Koch

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