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14:25 07.04.2017
Flüchtlinge willkommen: Die meisten Deutschen, vor allem im Westen, sehen das noch so – aber die Sorgen wachsen. Quelle: dpa
Gütersloh

Trotz der Rekordzuwanderung von Migranten in den Jahren 2015 und 2016 präsentiert sich Deutschland als offene und gereifte Einwanderungsgesellschaft - noch. Die Willkommenskultur scheint stabil zu. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Auf die Frage, wie Einwanderer oder Flüchtlinge von der Bevölkerung willkommen geheißen würden, antwortete eine deutliche Mehrheit mit „sehr oder eher willkommen“.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • 70 Prozent geben an, dass Einwanderer in der Bevölkerung willkommen seien, bei Flüchtlingen sind es 59 Prozent. Die Entwicklung bei der Frage nach Einwanderern ist seit 2012 positiv: Waren es vor fünf Jahren noch 49 Prozent, stieg der Wert 2015 auf 59 Prozent. In den Jahren 2012 und Anfang 2015, also vor Beginn der Flüchtlingskrise in Europa, wurde bei der Erhebung noch nicht nach Flüchtlingen gefragt. Deshalb kann die Studie hier keine Aussage zu einer Entwicklung machen.
  • 54 Prozent geben an, es sei eine Belastungsgrenze erreicht - vor zwei Jahren waren es nur 40 Prozent. Grund für die Stimmungsveränderung ist, dass Deutschland seit September 2015 rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat. Viele Bürger sehen deshalb eine Belastungsgrenze erreicht, heißt es in der Studie.
  • 81 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) fordern eine faire Verteilung innerhalb der EU. „Die Menschen in Deutschland blicken selbstbewusst darauf zurück, so viele Flüchtlinge so freundlich empfangen zu haben. Sie sagen aber auch: Jetzt sind andere Länder ebenfalls an der Reihe“, erklärte Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger.
  • Große Unterschiede gibt es zwischen Ost und West: In den Bundesländern im Osten glauben 53 Prozent, dass qualifizierte Einwanderer willkommen seien. Im Westen sind es 74 Prozent. Bei der Willkommenskultur für Flüchtlinge ist die Ost-West-Schere sogar noch größer: Im Osten meinen nur 33 Prozent, dass die Bevölkerung Flüchtlinge mit offenen Armen aufnehme, im Westen sind es mit 65 Prozent rund doppelt so viele.
  • 79 Prozent sehen durch die Zuwanderung eine Belastung für den Sozialstaat, Konfliktpotenzial (72 Prozent), Probleme in den Schulen (68 Prozent) und eine Verschärfung der Wohnungsnot (65 Prozent).

„Pulverdampf ist verflogen“

Die Flüchtlingszahlen sind in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Studienautor Ulrich Kober glaubt deshalb, dass die Emotionalisierung nun geringer ausfalle. „Der Pulverdampf ist etwas verflogen. Die Menschen antworten nicht mehr aus der Betroffenheit heraus“, meint Kober. Den Konfliktforscher Andreas Zick von der Uni Bielefeld überrascht das Ergebnis der Studie nicht. Der Professor hatte im Sommer eine ähnliche Untersuchung vorgestellt. Nach dieser befürwortet eine Mehrheit der Bevölkerung die Aufnahme von Flüchtlingen, einen dauerhaften Aufenthalt aber lehnen demzufolge viele ab.

Von dpa/RND

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