Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Wieder Tote bei Machtkampf in Venezuela
Nachrichten Politik Wieder Tote bei Machtkampf in Venezuela
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:51 25.04.2017
Hunderttausende Menschen gingen in Venezuela für Neuwahlen auf die Straße. In Merida im Westen des Landes kam es dabei zu blutigen Auseinandersetzungen. Quelle: dpa
Anzeige
Caracas

Bei neuen Protesten im krisengeschüttelten Venezuela sind mindestens zwei weitere Menschen getötet worden. Damit sind dem blutigen Machtkampf schon über 20 Menschen zum Opfer gefallen. Wie der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Tarek William Saab, mitteilte, wurde in der Stadt Mérida ein Mitarbeiter der örtlichen Verwaltung durch einen Schuss in den Hals getötet. Sechs Personen wurden dort zudem schwer verletzt. Zudem starb in der Stadt Barinas ein 54-jähriger Demonstrant durch Schüsse. Andernorts versammelten sich die Demonstranten zu friedlichen Sitzblockaden.

Zur Galerie
Wieder sind zwei Menschen im Machtkampf zwischen Regierung und Opposition getötet worden. Hunderttausende protestierten friedlich, in Merida eskalierte die Gewalt.

Im ganzen Land gingen am Montag wieder Hunderttausende für Neuwahlen auf die Straße. Seit Ausbruch der Proteste Anfang April, die sich an der zeitweisen Entmachtung des Parlaments durch den Obersten Gerichtshof entzündet hatten, starben mindestens zwölf Menschen bei Demonstrationen, weitere zwölf bei Unruhen und Plünderungen.

In der Hauptstadt Caracas verlief eine Massenkundgebung am Montag friedlicher als bisherige Märsche. Die Opposition fordert freie Wahlen, die Freilassung von politischen Gefangenen, eine Achtung des von ihr dominierten Parlaments und eine bessere Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Medizin. „Wir wollen frei sein. Ich bin hier, weil ich für meine Kinder und meine Enkelkinder kämpfe“, sagte Juan Carlos Bautista, der auf der Straße sitzend Domino spielte. Tausende machten aus dem Protest in der Hauptstadt einen Tag mit Picknick und Gesellschaftsspielen. Demonstranten setzten sich mit Klappstühlen auf Hauptstraßen und reihten Motorräder auf.

Regierung und Opposition beschuldigen sich gegenseitig

Der Regierungsbeauftragte Saab machte die Opposition für das Blutvergießen in der westlich gelegenen Stadt Mérida verantwortlich, da es sich seiner Aussage nach um eine Demonstration für den sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro gehandelt habe. Dazu gab es aber widersprüchliche Angaben. Zeugen sprachen von Protesten gegen Maduro, bei denen Motorradbanden aufgetaucht seien, bevor es aus nahegelegenen Häusern zu Schüssen kam. Für den Toten in Barinas machte die Opposition Motorradbanden der Sozialisten verantwortlich, die immer wieder Bürger angreifen.

2014 war es zu einer vergleichbaren Protestwelle gegen Maduro gekommen, damals starben 43 Menschen, aber über einen Zeitraum von fünf Monaten. Der charismatische Oppositionsführer Leopoldo López wurde dafür verantwortlich gemacht und zu über 13 Jahren Haft verurteilt. Sein Frau Lilian Tintori marschiert inzwischen an vorderster Front und hat im Kampf um die Freilassung ihres Mannes sogar den Papst angerufen. Nachdem Tintori jüngst US-Präsident Donald Trump besucht und dieser ebenfalls die Freilassung gefordert hatte, bestätigte der Oberste Gerichtshof in Caracas tags darauf die international scharf kritisierte Strafe.

Venezuela leidet unter starker Inflation

Das Land mit den größten Ölreserven leidet unter Hyperinflation und einer tiefen Versorgungskrise. Die Goldreserven wurden bereits mehr als halbiert, um an Devisen zur Bedienung der Auslandsschulden und zum Import von Medikamenten und Nahrung zu kommen. Antibiotika, Diabetes- und Epilepsiemedikamente gibt es fast nirgendwo mehr.

Angehörige müssen für Kinder in Hospitälern Sauerstoff und Medizin auf dem Schwarzmarkt selbst kaufen, die Kindersterblichkeit ist stark gestiegen. Maduro gibt dem gefallenen Ölpreis die Schuld für die Krise. Die Opposition wirft ihm vor, eine Diktatur anzustreben. Das Parlament ist seit Monaten de facto machtlos, da Maduro mithilfe der Justiz und Notstandsdekreten an der Legislative vorbeiregiert.

Präsident Madura will sich den Protesten nicht beugen

Maduro war 2013 zum Nachfolger des verstorbenen Hugo Chávez gewählt worden, kommt aber anders als Chávez nicht aus dem Militär. Dort wurden aber Schlüsselpositionen mit Getreuen besetzt. Die Opposition setzt auf einen Bruch des Militärs mit der Regierung, um ein weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Präsident Maduro hatte am Sonntag gesagt, er werde den Gegnern nicht nachgeben.

Von RND/dpa/lti

Anzeige