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Politik Wie Trump den Journalismus beflügelt
Nachrichten Politik Wie Trump den Journalismus beflügelt
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20:27 02.05.2018
Feindbild Medien: US-Präsident Donald Trump bei seiner Kampagne Make America Great Again in Michigan. Quelle: AP
Berlin

Als Journalist in Amerika darf man in diesen Tagen nicht dünnhäutig sein. Wenn Donald Trump bei seinen Wahlkampfveranstaltungen am Rednerpult steht, mit dem Finger auf uns Berichterstatter zeigt und unter dem Applaus seiner Anhänger „fake media“ (Lügenpresse) und „dishonest and corrupt media“ (unehrliche und korrupte Medien) brüllt, ist Gelassenheit gefragt.

Wohlwissend, dass die Presse- und Meinungsfreiheit zu den höchsten Gütern der amerikanischen Verfassung zählen, gehört es zum Job, sich im Zweifelsfall auch mal für seinen Beruf beschimpfen zu lassen. Bis zu einem gewissen Grad sind selbst Beleidigungen und Provokationen vom Gesetz ausdrücklich geschützt.

Es ist kurios: Aber ausgerechnet US-Präsident Trump, der jeglichen Respekt vor den Institutionen seines Landes vermissen lässt und unabhängige Beobachter als Verräter diffamiert, verhilft dem Journalismus im Land zu neuer Blüte.

Das Ansehen der Journalisten wächst

Nicht nur die „New York Times“ und die „Washington Post“ stocken ihre Redaktionen deutlich auf, auch kleinere Zeitungen gewinnen an Auflage und setzen den Washingtoner Politikbetrieb mit hartnäckig recherchierten Geschichten kräftig unter Druck. Viel Feind’, viel Ehr’: Gerade unter dem 45. Präsidenten wächst in den USA wieder das Ansehen der Journalisten.

Trump mag eine Herausforderung für die amerikanische Demokratie sein. Bisher erweist sich das System der „Checks and Balances“ – zu dem indirekt immer auch die unabhängigen Beobachter zählten – als sehr robust.

„Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ entspricht alten Geist

Von einer lebendigen und zum Teil hoch qualifizierten Medienlandschaft lässt sich zum Glück auch in Deutschland sprechen. Anders als in den USA wächst in Berlin aber die Neigung, auf die jüngsten Gefahren für die Pressefreiheit mit freiheitsbegrenzenden Maßnahmen zu reagieren.

Die Richtung, die Berlin mit dem neuen Netzwerkdurchsetzungsgesetz einschlägt, entspricht eher einem paternalistischen Geist, der mehr auf den Schutz durch die Obrigkeit setzt als auf das Einschätzungsvermögen der mündigen Bürger.

Beste Mittel gegen Desinformation ist unabhängiger Journalismus

Es ist eine beunruhigende Fehlentwicklung, wenn private Plattformen wie Facebook vom Staat beauftragt werden zu entscheiden, was richtig und was falsch ist – und aus Sorge vor hohen Geldstrafen im vorauseilenden Gehorsam unbequeme Debatten löschen.

Europa und speziell Deutschland mit seiner schrecklich langen Geschichte an Diktaturen, Chefideologen und staatlichen Propagandaministern sollten es eigentlich besser wissen: Der beste Schutz gegen Desinformation ist unabhängiger Journalismus. Gerät die Presse- und Meinungsfreiheit unter Druck, steht es erfahrungsgemäß auch um andere Grundrechte nicht gut.

Von Stefan Koch/RND

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