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Politik Wer löst den kurdischen Knoten?
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21:02 24.01.2018
Operation Olivenzweig heißt die Offensive, die die Türkei gegen kurdische Milizen in der syrischen Provinz Afrin gestartet hat. Quelle: dpa
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Istanbul

Der türkische Staatspräsident nennt den Einmarsch seiner Truppen ins Nachbarland Syrien „Operation Olivenzweig“. Diese Namensgebung ist ein Hinweis auf den besonders hartgesottenen Zynismus von Recep Tayyip Erdogan.

Der Olivenzweig ist ein Symbol für Frieden. Frieden aber ist nicht das Ziel von Erdogan. Er gibt eine kriegerische Antwort auf die uralte Kurdenfrage – indem er jetzt Panzer rollen und Geschütze donnern lässt. Dies aber wird, wie alle anderen Militäraktionen zuvor, den Konflikt nicht lösen, sondern ihm nur wieder neue Dramatik geben.

Eine zum Kern des Problems vorstoßende Politik ist allerdings nicht einfach zu formulieren. Denn die falschen Weichenstellungen liegen schon 100 Jahre zurück. Die Kurdenfrage gäbe es gar nicht ohne das koloniale Denken des Westens bei den Friedensregelungen nach dem Ersten Weltkrieg. Die damals willkürlich vorgenommenen Grenzziehungen im Nahen Osten schufen ethnisch gemischte Nationen. Syrien und der Irak etwa haben sich längst als Fehlkonstruktionen erwiesen.

Vor 100 Jahren wäre ein Kurdenstaat eher machbar gewesen

Ein Fehler war es auch, den Kurden einen eigenen Staat zu verweigern. Sie sind heute mit rund 30 Millionen Menschen weltweit das größte Volk mit diesem Schicksal. Ihren Ruf nach einem eigenen Staat wird auch der neue türkische Feldzug nicht verstummen lassen.

Vor 100 Jahren wäre ein Kurdenstaat eher machbar gewesen als heute. Mittlerweile ist die Frage zu einem gordischen Knoten der Weltpolitik geworden. Allzu viele Mächte haben ihre Hände im Spiel, allzu viele wichtige Fragen sind offen. Wo genau würden die Grenzen des neuen Staates verlaufen? Zu welchen Ölquellen hätten die Kurden dann Zugang? Welche Gebiete müssten der Irak, Syrien und die Türkei abgeben und um welchen Preis? Und wie wird das friedliche Nebeneinander der neuen Nachbarn geregelt?

Die Türkei hätte in dieser Debatte längst viel konstruktiver sein müssen. Erdogan aber zog eine harte Linie gegenüber den Kurden durch – und verkalkulierte sich dabei. Im Oktober 2014 weigerte er sich, einen Hilfskorridor für die syrisch-kurdische Stadt Kobane zu öffnen, die vom „Islamischen Staat“ eingekesselt war. Erdogan rechnete damals eiskalt mit dem Fall Kobanes und der Schwächung der Kurden. Das aber geschah nicht, vielmehr gewannen die Kurden als mutige Kämpfer gegen die islamistischen Milizen international ein ungeahntes Maß an politischer und militärischer Unterstützung, auch aus Deutschland. Damit wurde die Kurdenfrage mehr denn je zum Prestigethema für Erdogan – der sich wie immer vom Ausland nichts sagen lassen will. Die Verwicklungen und Verschlingungen des Knotens bekommen in diesen Tagen noch ein paar Umdrehungen mehr.

Von Joachim Zießler/RND

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