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Politik Wendt: Cyber-Terrorismus zu lange unterschätzt
Nachrichten Politik Wendt: Cyber-Terrorismus zu lange unterschätzt
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15:21 29.11.2016
Rainer Wendt, Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG). Quelle: dpa
Berlin

Nach der Cyber-Attacke auf die Telekom sprach RND-Redakteur Jörg Köpke mit dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG), Rainer Wendt, über die Gefahr aus dem Netz. Die Destabilisierung eines ganzen Staates sei laut Wendt ein reales Bedrohungsszenario, „Hacker“ ein verniedlichendes Wort für Cyber-Terroristen.

Herr Wendt, immer häufiger gelingt es Hackern, lebensnotwendige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kraftwerke oder Telekommunikationseinrichtungen anzugreifen. Was läuft falsch?

Deutsche Unternehmen und Behörden investieren im internationalen Vergleich zu wenig in ihre IT-Sicherheit. Nehmen wir nur das Beispiel Krankenhäuser. Während in den USA rund 15 Prozent der Klinik-Budgets in den Schutz vor Cyber-Attacken fließen und es in Dänemark sogar 28 Prozent sind, liegt die Quote in Deutschland im Durchschnitt bei nicht einmal 2 Prozent. Diese Nachlässigkeit ist in vielen sensiblen Bereichen zu beobachten und bildet das Einfallstor für kriminelle Hacker.

Sind die Strafen in Deutschland für Cyber-Attacken zu lasch?

Nein, der Strafkatalog ist angemessen. Das Problem besteht darin, dass die Täter international und grenzübergreifend agieren. Oftmals stehen die Server der Hacker nicht in Deutschland, so dass deutsche Gesetze gar nicht greifen können. Ohne eine noch bessere europäische Kooperation der Sicherheitsbehörden werden wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen. Es ist dringend erforderlich, das Europäische Cybercrime-Zentrum Europol in Den Haag stärker als bislang finanziell zu unterstützen.

Welche Rolle spielt Russland bei den jüngsten Cyber-Attacken?

Das ist nicht die entscheidende Frage. Ich halte es für falsch, sofort einseitig in eine Richtung zu zeigen. Um es unmissverständlich zu sagen: Cyber-Kriminalität ist Terrorismus. Die Täter nehmen bewusst in Kauf, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Menschenleben in Gefahr gerät. Ich will nicht Opferzahlen gegeneinander aufrechnen. Aber gemessen an dem, was der IS bislang in Europa angerichtet hat, geht vom Cyber-Terrorismus die weitaus größere Bedrohung aus.

Hat die Politik die Gefahr zu lange verkannt?

Wir alle haben die Gefahr zu lange nicht richtig in den Blick genommen. Allein der Begriff „Hacker“ klingt zu verniedlichend. Er hört sich nach ein paar weltentrückten Nerds an, die in ihrer Garage versehentlich dumme Dinge machen. So ist es aber nicht. Den Tätern geht es ganz gezielt darum, Wasser- und Klärwerke zu stoppen, um die Bevölkerung zu vergiften, Krankenhäuser anzugreifen oder in unseren öffentlichen Personennahverkehr einzugreifen. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn es diesen Cyber-Terroristen gelingt, in das Steuerungssystem der Deutschen Bahn einzugreifen und zwei ICE aufeinander zurasen zu lassen. Oder nehmen wir die Gefahr einer Attacke auf ein Atomkraftwerk. Diese Terroristen wollen Geld erpressen oder ganze Staaten destabilisieren und als Geisel nehmen. Das sind reale Bedrohungsszenarien. Und dagegen müssen wir mehr als bislang tun.

Von RND/Jörg Köpke

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