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Nachrichten Politik Was wir bisher über Dschaber al-Bakr wissen
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16:54 09.10.2016
Bei dem Anti-Terror-Einsatz in Chemnitz ist der hauptverdächtige Syrer der Polizei nur knapp entwischt. Quelle: dpa
Chemnitz

Bei einem Anti-Terror-Einsatz wird hochexplosiver Sprengstoff in einer Chemnitzer Wohnung gefunden. Die Polizei fahndet bundesweit nach dem Syrer Dschaber al-Bakr (alternative Schreibweise: Die Polizei fahndet deutschlandweit nach dem mutmaßlichen Islamisten Jaber Albakr). Wer ist dieser Mann?

Die Polizei fahndet bundesweit nach Dschaber al-Bakr . Quelle: Polizei Sachsen


WAS WIR ÜBER DSCHABER AL-BAKR WISSEN:

  • Der Syrer ist der Hauptverdächtige. Er wurde am 10. Januar 1994 in Sasa, einem Ort südlich von Damaskus, geboren. Er wurde schon länger vom Verfassungsschutz beobachtet, zu ihm lagen „Erkenntnisse“ vor. Nähere Angaben gibt es bisher nicht.
  • Der junge Mann habe „seit mehreren Monaten“ in Deutschland gelebt, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen in Dresden am Sonntag. Der 22-Jährige sei als Flüchtling anerkannt gewesen. Konkreter wurde sie nicht.
  • Nach Informationen der „Bild“-Zeitung reiste Dschaber al-Bakr im Februar 2015 mit einem syrischen Pass über Österreich nach Deutschland ein. Die Bundespolizeiinspektion Rosenheim habe ihn aufgegriffen, seine Fingerabdrücke genommen und seine Daten mit dem deutschen und internationalen Fahndungsregister abgeglichen. Es habe aber kein Eintrag vorgelegen.
  • Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, werden nach Quoten auf die Bundesländer verteilt, dem sogenannten Königsteiner Schlüssel. Deshalb landete Dschaber al-Bakr in der Fritz-Heckert-Siedlung in Chemnitz.
  • Der Hinweis auf die später vom Spezialeinsatzkommando gestürmte Wohnung kam am Freitag vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Der 22-Jährige soll sich in der Wohnung aufgehalten und einen Bombenanschlag vorbereitet haben.
  • Als die Polizei den Großeinsatz vorbereitete, bewegte sich eine Person im Haus. Die Beamten erkannten Dschaber al-Bakr und gaben einen Warnschuss ab. Wegen der Möglichkeit, dass der Verdächtige Sprengstoff bei sich hat, gingen die Beamten nach Angaben des LKA nicht auf ihn zu. Sie nahmen an, dass er in die Wohnung zurücklief. Doch der Verdächtige entkam.
  • Dschaber al-Bakr ist der Polizei am Sonnabend knapp entwischt. Die Sicherheitskräfte hätten den Verdächtigen gesehen und einen Warnschuss abgegeben, ihn aber nicht fassen können, sagte eine Sprecherin des LKA Sachsen.
  • Dschaber al-Bakr ist nicht Mieter der Wohnung. Das ist eine andere Person, ebenfalls ein Syrer – er soll allein dort gemeldet sein. Die Polizei nahm ihn am Sonnabend am Chemnitzer Hauptbahnhof fest. Die Ermittler halten ihn für einen Komplizen von Dschaber al-Bakr und ermitteln wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.


WAS WIR ÜBER DSCHABER AL-BAKR NICHT WISSEN:

  • Es ist offen, ob der Verdächtige bewaffnet ist und Sprengstoff dabei hat und wenn ja, wie viel. „Sollte die Person von irgendjemanden gesehen werden: Seien Sie vorsichtig, informieren Sie die Polizei – keine Heldentaten“, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt auf Facebook.
  • Handelte der Hauptverdächtige aus eigenem Antrieb oder hatte er Hintermänner im Ausland? Hatte er Komplizen? Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll er Kontakte zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) haben.
  • Die „Bild“-Zeitung meldet, dass Dschaber al-Bakr von Terrorgruppen in Syrien zum Bombenbau und zur Sprengstoff-Ausbildung ausgebildet worden sei. Das Blatt beruft sich auf Informationen aus Sicherheitskreisen.
  • Über mögliche Anschlagsziele des Syrers aus Chemnitz ist bisher nichts bekannt. Weder der Verfassungsschutz noch die Polizei wollten sich zu einem „Focus“-Bericht äußern, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte.
  • Am Sonntag stürmte die Polizei eine weitere Wohnung in Chemnitz. Es soll sich um eine von mehreren Kontaktadressen von Dschaber al-Bakr handeln. Eine weitere Person soll festgenommen worden sein. Die Verbindung zum mutmaßlichen Bombenbauer ist bisher unklar.
  • Weshalb konnte der junge Mann letztlich entkommen, obwohl er seit längerem observiert wurde? Wie konnte der 22-Jährige verschwinden? Hat er Kontaktpersonen in Deutschland, die ihm helfen, unterzutauchen?

Von dpa/RND/wer/cab

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