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18:00 22.11.2018
„Mag Bahnchef Lutz zuletzt auch einen Fahrgastrekord nach dem anderen verkündet haben, so gehört zur Wahrheit leider auch, dass die Bahn ihre Kunden noch immer enttäuscht.“ Quelle: dpa
Berlin

Jeder Bahnchef hat so seine Ambitionen. Es war Hartmut Mehdorn, der von der Börse träumte und sparte bis es quietschte. Sein Nachfolger Rüdiger Grube versprach nach dem Scheitern der großen Kapitalmarkt-Ambitionen die Konzentration auf das „Brot-und-Butter-Geschäft“. Auch er scheiterte. Der aktuelle Bahnchef Richard Lutz kennt den Konzern und dessen Probleme so gut wie kaum ein anderer. Er versprach, die Pünktlichkeit deutlich zu verbessern. Und jetzt droht ihm trotzdem das gleiche Schicksal wie Grube und Mehdorn.

Mag Lutz zuletzt auch einen Fahrgastrekord nach dem anderen verkündet haben, so gehört zur Wahrheit leider auch, dass die Bahn ihre Kunden noch immer enttäuscht. Das ursprüngliche Ziel, dass 85 Prozent der Fernzüge pünktlich sind, was bei der Bahn weniger als sechs Minuten Verspätung heißt, ist längst aufgegeben. Im Oktober lag die Pünktlichkeit gerade einmal bei gut 70 Prozent. Ganz zu schweigen von anderen Schwierigkeiten: Wagen mit reservierten Plätzen fehlen, Kunden warten vergeblich auf Informationen, Bistros bleiben geschlossen, Klimaanlagen fallen aus.

Lesen Sie auch: Bahnchef verspricht Besserung: „Kunden haben mehr verdient“

Die Bahn kommt im Jahr 2018 nicht daher wie das „Unternehmen Zukunft“, sondern wie ein schwerfälliger, mit seinen vielen Großprojekten überforderter Riese. Zunehmend rächen sich fehlende Investitionen der Vergangenheit – ins Material wie ins Personal. Die Trendumkehr im Personen- wie im Güterverkehr ist kurzfristig die größte Herausforderung. Viel Zeit bleibt dem Bahnchef dabei nicht mehr. Vor wenigen Wochen räumte er selbst ein, die Lage nicht mehr im Griff zu haben. Jedenfalls, was die Verfügbarkeit von Zügen angeht.

Die Achillesferse der Bahn

Es klemmt bei der Instandhaltung, in den Werkstätten der Bahn gibt es selbst bei Routineabläufen gravierende Probleme, es grassiert der Fachkräftemangel. Wenn nun im Berliner Bahn-Tower Vorstand und Aufsichtsrat bei einer Krisenklausur über Wege aus der Misere beraten, muss genau hier angesetzt werden. Die Instandhaltung ist zur Achillesferse der Bahn geworden. Werden die Probleme hier nicht gelöst, besteht keine Hoffnung auf spürbare Verbesserungen im Alltagsgeschäft.

Bei den Beratungen der Konzernspitze geht es um weit mehr als nur um das Schicksal des aktuellen Vorstandsvorsitzenden. Eine verlässliche Bahn ist unverzichtbar für den langfristigen Erfolg des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Lieferketten funktionieren, Geschäftstermine eingehalten werden und Millionen Pendler täglich zur richtigen Zeit zur Arbeit kommen.

Ohne eine moderne Bahn wird es auch keine Verkehrswende geben. Wer es ernst damit meint, mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, wer möchte, dass die Bahn Flugzeug und Fernbus wieder Marktanteile abjagt, muss jetzt handeln. Dazu gehört vor allem die Erhöhung der Zugfrequenzen. Das geht nur durch eine konsequente Digitalisierung des Netzes und den Ausbau der großen Schienenknoten.

Auf die Forderung von Vorstandschef Lutz nach fünf Milliarden Euro zusätzlich für dringend benötigte Investitionen, hat Verkehrsminister Andreas Scheuer mit dem lapidaren Hinweis geantwortet, er stelle keine „Blankoschecks“ aus. Tatsächlich wäre es seine Aufgabe, das Desaster auf der Schiene zur Chefsache zu machen. Aus der Krisen-Bahn muss endlich eine Erfolgsgeschichte werden.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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