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Politik Unterwegs im Dresdner Bundestagswahlkampf: Plakate anbringen mit den Linken
Nachrichten Politik Unterwegs im Dresdner Bundestagswahlkampf: Plakate anbringen mit den Linken
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18:21 09.09.2015

Unzählige freiwillige Helfer befestigen sie an Laternenpfählen. DNN-Online hat einen Mitarbeiter und einen ehrenamtlichen Helfer dabei begleitet.

Obwohl das Wetter regnerisch ist, machen sich Max Kretzschmar und Frank Goethe auf den Weg durch die Straßen von Dresden-Cotta. Ehrenamtlich engagieren sie sich gemeinsam mit vielen anderen Helfern im Bundestagswahlkampf der Partei Die Linke und sorgen dafür, dass die Wahlplakate in der ganzen Stadt gut zu sehen sind.

„Wir haben am 17. August um 0 Uhr mit dem 26er Ring begonnen. Bis zum Ende des Wochenendes waren wir fertig und die Plakate hingen in der ganzen Stadt“, sagt Max Kretzschmar, Mitarbeiter der Linken-Stadtratsfraktion. Allerdings sei die Arbeit damit nicht abgeschlossen gewesen. Man müsse ständig nachsehen, wo noch Plakate ergänzt werden könnten oder wo sie heruntergerissen worden sind, so Kretzschmar.

Im Regelfall sind jeweils Teams von zwei bis vier Leuten unterwegs, von denen jeder 15 Plakate bei sich führt. Mit Hilfe von Plastebindern werden immer zwei identische Plakate um einen Laternenpfahl herum aneinander befestigt und anschließend mit einer Teleskopstange, die sonst beim Tapezieren verwendet wird, in die Höhe geschoben. Überall dürfen die Plakate jedoch nicht angebracht werden. So gilt es, einen Abstand von 20 Metern von Schulen und Kitas sowie 50 Meter von Friedhöfen und Kirchen einzuhalten. Außerdem dürfen Bäume und Brücken nicht in Beschlag genommen werden.

Doch warum machen sich die Helfer bei Wind und Wetter auf den Weg, um die zuvor in der Parteizentrale bedruckten Plakate anzubringen? „Ich mache es, weil ich finde, dass unser Land besser gestaltet werden muss. Vor allem die Entlohnung von Geringverdienern ist sittenwidrig“, sagt der 36-jährige Frank Goethe, der sich seit 1998 bereits in zahlreichen Wahlkämpfen engagiert hat. Er habe dabei überwiegend positive Erfahrungen gesammelt, betont der kaufmännische Mitarbeiter und fügt hinzu: „Vor allem von älteren Menschen erfahren wir Zuspruch, wenn wir Plakate aufhängen. Jüngere sagen hingegen eher: Ach das sind ja die Linken, was wollen die denn hier?“

Aus Überzeugung ist auch der 46-jährige Max Kretzschmar mit von der Partie. „Ich unterstütze die Partei, weil sie am glaubwürdigsten gegen soziale Ungleichheit kämpft.“ Dass diese Themen für ihn nicht nur von abstrakter Natur sind, wird deutlich, wenn er aus seinem Leben erzählt.

„Ich habe nach meinem Studium der Kommunikationswissenschaft nicht gleich eine Arbeit gefunden. Deshalb musste ich bei einem Pizzalieferdienst arbeiten, der einen skandalösen Stundenlohn von vier Euro pro Stunde bezahlt hat.“ Zu der schlechten Bezahlung sei erschwerend hinzugekommen, dass der Besitzer die Mitarbeiter immer für einige Stunden abgemeldet hat, wenn gerade nichts los war, um Geld zu sparen, erinnert sich Kretzschmar.

„Unter anderem waren Selbständige dabei, die nicht von ihrer Arbeit leben konnten und daher diesen zusätzlichen Job hatten. Einige von ihnen waren nicht krankenversichert, weil die private Krankenversicherung für sie zu teuer war“, erinnert sich das Linken-Mitglied.

Themen wie Mindestlohn und menschenwürdige Arbeitsbedingungen liegen dem 46-Jährigen daher besonders am Herzen. Obwohl er euphorisch die Positionen seiner Partei vertritt und fleißig plakatieren geht, kann er jedoch auch Menschen verstehen, die politikverdrossen sind. „Im ersten Moment ist das durchaus nachvollziehbar, aber man muss die Dinge differenziert betrachten. Unsere Spitzenkandidaten Katja Kipping und Tilo Kießling tragen jedenfalls nicht zu dieser Verdrossenheit bei, weil sie tatsächlich das tun, was sie sagen.“

Bei anderen Parteien vermisse er hingegen eine glaubhafte soziale Komponente. „Ich finde beispielsweise bestimmte Positionen der Grünen nicht schlecht. Ökologie liegt uns schließlich auch am Herzen. Allerdings sagen sie selten, wie zum Beispiel höhere Kosten, die sich aus Reformen im Energiesektor ergeben, sozial abgefedert werden können“, betont Kretzschmar.

Stephan Hönigschmid

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