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Politik Umweltbundesamt fordert Verbot aller fossilen Kraftstoffe bis 2050
Nachrichten Politik Umweltbundesamt fordert Verbot aller fossilen Kraftstoffe bis 2050
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20:37 01.08.2017
„Diesel-Pkw sind die Hauptursache für schädliche Stickoxide in der Atemluf“: Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes.  Quelle: dpa
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Berlin

 Die Kanzlerin ist in Urlaub, aber ihr halbes Kabinett trifft sich an diesem Mittwoch mit Ministerpräsidenten, Verbands- und Gewerkschaftschefs sowie mit den wichtigsten Bossen der deutschen Autoindustrie. Irgendwie soll der Diesel sauberer werden. Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, stellt nüchterne Fakten entgegen: Der Diesel sei nicht sauber, Zehntausende Tote das Ergebnis der bisherigen Motorisierung. Die Autoindustrie habe keinen Anspruch darauf, schon wieder vom Steuerzahler subventioniert zu werden.

Frau Krautzberger, was wäre beim Diesel-Gipfel am Mittwoch besser, wenn Umweltbundesamt, Umweltverbände und Verbraucher auch mit am Tisch säßen?

Das Umweltbundesamt ist eine nachgeordnete wissenschaftliche Behörde des Bundesumweltministeriums und erhebt Daten, erforscht Zusammenhänge, erstellt Prognosen und berät mit diesem Wissen die Bundesregierung. Insofern sitzt das Know-how des UBA durchaus mit am Tisch.

Ist es der Diesel aus Umweltgründen wert, gerettet zu werden, im Zweifelsfall mit Modernisierungsprämien der steuerlichen Gemeinschaft?

Diesel-Pkw sind die Hauptursache für schädliche Stickoxide in der Atemluft, vor allem in den Städten. Euro-5- und Euro-6-Diesel müssen deshalb so sauber werden, wie das Gesetz es vorschreibt. Das kann über Software-Updates geschehen, deutlich mehr erwarten wir von der Nachrüstung der Fahrzeuge mit SCR-Katalysatoren zur Stickstoffdioxidminderung. Hier sind ganz klar die Automobilhersteller in der Pflicht – und die sollten das dann auch bitte bezahlen. Das kann die Autoindustrie nicht bei Bürgern und Politik abladen. Auch Fahrverbote müssen vor allem für hoch belastete Standorte diskutiert werden, sollten aber die allerletzte Maßnahme sein. Durch die geringere Energiesteuer auf Dieselkraftstoff wurden Dieselfahrzeuge mit über acht Milliarden Euro im Jahr 2016 von den Steuerzahlern subventioniert – das ist nicht zu rechtfertigen. Nicht nur wegen der Stickoxidbelastung und den daraus resultierenden Gesundheitsschäden, sondern auch wegen des hohen CO2-Ausstoßes durch immer größere, leistungsstärkere Autos. Deren höherer Verbrauch zehrt den technischen CO2-Vorteil auf. Die Folge: Diesel haben insgesamt keine besseren CO2-Werte als Benziner. Vom Diesel als Klimaretter kann also keine Rede sein.

Wie krank macht der Autoverkehr Mensch und Umwelt?

Der Straßenverkehr ist eine der Hauptursachen für Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Stickoxide, welche die Gesundheit der Bevölkerung schädigen. Unsere vielen Autos brauchen viel Platz und machen Lärm. Und nicht zuletzt trägt der Verkehr mit rund 18 Prozent aller Treibhausgase in Deutschland zum Klimawandel bei. Beispiel Stickstoffdioxid: Es reizt die Atemwege, langfristig beeinträchtigt es die Lungenfunktion und führt zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen. Die Europäische Umweltagentur geht in Europa von etwa 68 000 Menschen aus, die im Jahr 2013 an den Folgen der Belastungen vorzeitig verstorben sind. Es muss sich also sehr viel ändern.

Wie sieht Ihre Vorstellung von Mobilität in der Zukunft aus?

Wir brauchen eine Verkehrswende. Saubere Luft, Ruhe und mehr Grün in der Stadt – das geht nur mit mehr Bussen und Bahnen und mit weniger Autos. Der öffentliche Personennahverkehr muss stärker ausgebaut werden, ergänzt um Fuß- und Radverkehr sowie elektrisch angetriebene Carsharing-Autos. Auch um die Klimaziele zu erreichen, brauchen wir bis 2050 einen Verkehr, der nahezu keine Klimagasemissionen mehr verursacht. Das bedeutet eine völlige Abkehr von fossilen Kraftstoffen, und das geht nur mit E-Mobilität. Je früher wir mit einer Energiewende im Verkehr beginnen, desto besser.

Von Dieter Wonka

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