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Politik Übergriffe in Truppen: Sexuelle Belästigung wohl keine Ausnahme
Nachrichten Politik Übergriffe in Truppen: Sexuelle Belästigung wohl keine Ausnahme
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22:40 29.03.2017
Erneuter Bundeswehrskandal: Es geht um Sex-Mobbing, Volksverhetzung und Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bei den Gebirgsjägern in Oberbayern. Quelle: dpa
Berlin/Pfullendorf 

Nach den jüngsten Skandalen um sexuelle Belästigung und entwürdigende Aufnahmerituale hat die Bundeswehr Missstände in den eigenen Reihen untersucht. Verstöße seien vor allem „infanteristisch geprägten Verbänden und in Teilen Ausbildungseinrichtungen“ zuzuordnen, heißt es in dem Bericht von Generalinspekteur Volker Wieker an den Verteidigungsausschuss des Bundestages, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zuvor mehrere Medien berichteten. Das Meldesystem weist demzufolge Defizite auf. Es sei „zersplittert, nicht kohärent und wird uneinheitlich gehandhabt“.

Von der Leyen verspricht Aufarbeitung

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen versprach am Mittwoch eine systematische Aufarbeitung von Missständen. „Ist der Respekt und die Kameradschaft in der Bundeswehr gegeben oder gibt es Truppenteile, Standorte oder bestimmte Gruppierungen, wo sich ein unseliger Korpsgeist entwickelt, und wir müssen konsequent eingreifen?“, fragte die CDU-Politikerin. Man werde deshalb größere Untersuchungen auf den Weg bringen.

Laut Wieker sind bei der internen Analyse weitere 40 Hinweise allein bei der „Ansprechstelle Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr“ eingegangen. Zivile Mitarbeiter beklagten vor allem Mobbing-Vorwürfe, Soldatinnen und Soldaten sexuelle Übergriffe. Dem Bericht zufolge wurden bereits bekannte Verdachtsfälle der beiden vergangenen Jahre sowie neue Fälle analysiert.

Besonders junge Soldaten von Kampfverbänden entwickelten demnach ein Eigenleben. Die Verdachtsfälle und Vorwürfe betreffen vor allem Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere zwischen 20 und 30 Jahren. Wieker stellt für diesen Kreis ein „besonderes Erfordernis an stringenter Führung, Ausbildung und Erziehung“ fest.

In der Elite-Ausbildungskaserne in Pfullendorf sei es zu „gravierenden Verstößen“ gegen Grundsätze der Bundeswehr gekommen. Fragwürdige Ausbildungsmethoden seien geändert worden, schreibt Wieker in dem Bericht. Ausbilder seien versetzt, fünf Soldaten fristlos aus der Truppe entlassen worden.

Mehrere Skandale

Soldaten aus Pfullendorf hatten Ende Januar von demütigenden Aufnahmeritualen berichtet. Zudem sollen Ausbilder untergebene Soldatinnen zum Tanz an der Stange gezwungen und sie im Intimbereich abgetastet haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung.

Ein weiterer Skandal kam vergangene Woche bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall ans Licht. Ein Obergefreiter soll sexuell belästigt und genötigt worden sein. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt nicht nur wegen Mobbings und „sexualbezogener Verfehlungen“, sondern auch wegen Volksverhetzung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Als Konsequenz soll das Meldewesen bei der Bundeswehr nun gestrafft, die Dienstaufsicht und die Ausbildung verbessert werden, wie Wieker schreibt. In einer neuen gemeinsamen Datenbank sollen Hinweise künftig effektiver zusammengeführt werden. In einem neuen Referat im Verteidigungsministerium sollen Angelegenheiten der inneren Lage gebündelt werden. Verteidigungsministerin von der Leyen will mit Führungskräften auf einem Workshop über die innere Lage reden.

Kritischer Blick von Außen gefordert

„Die Bundeswehr benötigt Menschen mit dem richtigen Reflexionsvermögen und Verantwortungsgefühl“, sagte die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Agnieszka Brugger. „Wer andere entwürdigt, schikaniert und belästigt, der zeigt keine Stärke, sondern offenbart seine eigene Schwäche und disqualifiziert sich für diese verantwortungsvolle Aufgabe.“

Der Bericht betont auch die Bedeutung eines kritischen „Blicks von außen“ auf interne Abläufe. Der bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer soll die innere Lage der Truppe untersuchen. Die Aktenanalyse werde rund ein Jahr dauern wird, prognostizierte der Kriminologe im Gespräch mit „SWR Aktuell“.

Von RND/dpa