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Nachrichten Politik USA fürchten russische Cyberattacken
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11:20 08.11.2016
Russische Cyberattacken bedrohen nach Meinung der Amerikaner die US-Wahl. Quelle: dpa
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Berlin

Diese Botschaft ist deutlich: Die Amerikaner fürchten russische Cyberattacken auf die US-Wahl und haben über den US-Fernsehsender NBC angekündigt, jederzeit auf die Angriffe reagieren zu können. Russland reagiert empört. Die Eiszeit zwischen Washington und Moskau erhält eine neue Eskalationsstufe.

NBC berichtet, dass sich amerikanische Hacker in die russische Stromversorgung, die Telekommunikation und die Führungsstruktur des Kremls eingeschlichen hätten. Sollten Angriffe auf die US-Wahl stattfinden, würde Amerika sofort reagieren. Vertreter des US-Militärs kommen in diesem Bericht zwar nicht zu Wort, sehr wohl aber dem Militär nahestehende Experten.

Russland fordert offizielle Reaktion

Für Russland jedenfalls Grund genug, ein Dementi von höchster Stelle einzufordern. „Falls eine offizielle Reaktion der US-Führung ausbleibt, bedeutet das, dass es in den USA staatlichen Cyberterrorismus gibt“, erklärte Kreml-Sprecherin Maria Sacharowa.

Fürchtet eine neue Eskalation zwischen Russland und den USA: Sandro Gaycken, Cyberkrieg-Experte vom European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin Quelle: RND
Eine Eskalation, die es bislang in dieser Schärfe noch nicht gegeben hat. „Wir diskutieren aktuell eine Cybernorm bei den Vereinten Nationen, bei der auch Thema ist, dass schwere Cybervorfälle das Kriegsrecht aktiv werden lassen können“, sagt Sandro Gaycken vom European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Der Berliner berät sowohl Unternehmen als auch die Bundesregierung in Fragen der IT-Sicherheit. „Wer durch einen Hackerangriff das Stromnetz abschaltet und so möglicherweise ein Krankenhaus in Gefahr bringt oder damit verhindert, dass ein Atomkraftwerk sicher heruntergefahren werden kann, riskiert harte Eskalationen.“

Vermeintlich russische Hacker kündigen Attacken an

Aber wieso fürchten die USA überhaupt einen russischen Angriff auf die Wahl? US-Sicherheitsbehörden machen Hacker vom russischen Geheimdienst für mehrere Attacken während des Wahlkampfs verantwortlich. So wurde unter anderem das System der Demokratischen Partei infiltriert. Ein Hacker mit Tarnnamen Guccifer 2.0 drohte am Freitag damit, man werde die Wahl „innerhalb des Netzwerks der Zentralen Wahlkommission“ (FEC) beobachten.

„Ich habe erhebliche Zweifel, dass es sich dabei überhaupt um die Russen handelt“, sagt Gaycken, der Einblick in die sensiblen Daten erhielt. Daher fürchtet der Experte eher politischen Aktionismus denn echte Gefahr. Die Aussagen der Amerikaner stünden auf sehr wackeligen Daten. „Jeder Idiot hätte mit einer halben Stunde Arbeit diese Daten russisch aussehen lassen können.“

„Ein politisch hartes Signal gegenüber Russland“

Dass das US-Militär durchaus in der Lage sei, jederzeit zuzugreifen, steht für den Berliner außer Frage. Alleine schon aus spionagetechnischen Motiven. Der NBC-Bericht sei aber „ein politisch hartes Signal gegenüber Russland.“

Auch Deutschland hat in der jüngsten Vergangenheit Erfahrungen mit Hackern gemacht, unter anderem wurde das Netz des Bundestages attackiert. Erfolgreich. Es folgten Ankündigungen, die Cyberabwehr in Deutschland verstärken zu wollen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen brachte sogar eine Cyberarmee ins Spiel. Was hat sich seitdem getan? Laut Gaycken gar nichts. „Deutschland ist nicht gerüstet, um sich gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Es wird alles sogar nur immer schlimmer.“ Kaum Probleme seien bislang gelöst, dafür ständig neue geschaffen worden.

„Viele haben sich viele irgendwelche Lösungen aufschwatzen lassen, die sie nicht brauchen“, kritisiert der Cyberexperte. „Cybersicherheitslösungen, wenn sie nicht richtig entwickelt sind, machen die IT nur noch unsicherer.“

Von Carsten Bergmann

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