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Nachrichten Politik UNHCR fürchtet „Frustration und Konflikte“ in Ankerzentren
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13:12 14.05.2018
Dominik Bartsch, höchster Repräsentant des UN-Flüchtlingskommissariats, kritisiert die geplanten Ankerzentren für Flüchtlinge und zeigt sich skeptisch gegenüber der Kabinettspläne für den Familiennachzug. Quelle: dpa
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Berlin

Die geplanten Ankerzentren für Flüchtlinge, die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf den Weg gebracht hat, haben bereits kurz nach der Bekanntgabe der Pläne für Kritik gesorgt. Nun reiht sich auch Dominik Bartsch, Repräsentant des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) in Deutschland, in die Riege der Kritiker ein: „Wenn Menschen mit unterschiedlichsten Bleibeperspektiven an einem Ort konzentriert werden, führt das zu Frustration und Konflikten“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“.

Der höchste Vertreter des UN-Flüchtlingskommissariats in Deutschland fand aber auch gute Worte für den Vorschlag: „Grundsätzlich ist der Ansatz, dass die Verfahren gebündelt an einem Ort stattfinden, natürlich positiv, weil es sie beschleunigt.“

Juristische Berater sollen den Asylbewerbern zur Seite stehen

Wichtig sei vor allem, dass unabhängige juristische Berater Zugang zu den geplanten Anker-Zentren bekommen, um Asylbewerber für ihre Verfahren qualifiziert beraten zu können, betonte Bartsch. „Was da neuerdings als Abschiebungsverhinderungs-Industrie diffamiert wird, bedeutet doch zum Beispiel, dass man den Menschen das Asylverfahren frühzeitig erklärt, sie auf ihr erstes Interview vorbereitet, ihnen klarmacht, dass sie besondere Lagen - etwa sexuelle Gewalt, die sie auf der Flucht erleben - frühzeitig berichten, für das Asylverfahren. Aber eben auch, damit ihnen möglichst sofort geholfen wird.“ Eine Beratung verkürze die Verfahren. In der Schweiz und den Niederlanden gebe es damit schon Erfahrungen.

Bartsch fordert leicht umsetzbare Vorschriften für Familiennachzug

Das Bundeskabinett plant neben den Ankerzentren auch, den Familiennachzug für Flüchtlinge mit untergeordnetem Schutzstatus wieder einzusetzen, allerdings liegt die monatliche Obergrenze bei 1.000 Angehörigen. Laut Bartsch eine durchaus kritische Regelung. „Wir sind mit der Kontingentierung weiter nicht einverstanden.“ Wenn künftig pro Monat 1.000 Menschen nachziehen dürften, könne das helfen, die allerschlimmsten Familienschicksale zu mildern. „Wir befürchten aber, dass wir an diese Zahl nicht herankommen werden, wenn die Verwaltung keine einfachen Vorschriften für die praktische Umsetzung bekommt.“ So sollten Familien mit minderjährigen Kindern zuerst berücksichtigt werden. Danach sollten die Anträge in der Reihenfolge der Wartezeit seit Stellung des Asylantrags geprüft werden.

Ankerzentren für besseres Asylverfahren

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte kürzlich die Einrichtung sogenannter Anker-Zentren für Flüchtlinge angekündigt. Bis zum Herbst sollen bis zu sechs derartige Einrichtungen in Deutschland getestet werden. In den Zentren sollen Asylverfahren vollständig abgewickelt werden. Junge Männer sollen dafür in der Regel bis zu 18 Monate dort bleiben. Familien können nach sechs Monaten die Einrichtungen verlassen.

Von RND/epd/lf

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